»Kommunalpolitik erleben!« – Teil II
Veröffentlicht am 15. November 2005 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2005/11/kommunalpolitik-erleben-teil-ii/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 04:50 Uhr
Politik ist für Jugendliche immer ganz weit weg: Washington, Moskau, Berlin und allenfalls noch München sind die Orte, an denen Politik stattfindet. Um Politik vor Ort, d. h. in einer Kleinstadt wie Schwabmünchen, für etwa 50 Schülerinnen und Schüler konkret und unmittelbar erfahrbar zu machen, fanden am 10. und 11. November 2005 die « Projekttage Kommunalpolitik« am Leonhard-Wagner-Gymnasium statt.
Baustein Kommunalpolitik in Schwabmünchen
Nach der erfolgreichen Durchführung des Pilotprojektes am Peutinger-Gymnasium Augsburg ging es jetzt darum, den »Baustein Kommunalpolitik« auf eine Kleinstadt zu übertragen. Auch die Tatsache, dass in einem Gymnasium Sozialkunde im ersten Halbjahr der 10. Klasse nur einstündig unterrichtet wird, erforderte eine Modifikation. Die Schulleiterin, Frau OStDin Winkelbauer, genehmigte für das Projekt zwei Schultage, so dass Vorbereitung, Erkundung und Auswertung kompakt durchgeführt werden konnten. Die nötigen Einrichtungen wie ein großzügiger Medienraum für 50 und mehr Personen, ein Computerraum und eine mobile Medieneinheit mit Laptop und Beamer standen zur Verfügung. Nicht nur die Handlungsorientierung des Unterrichtsprojekts war dadurch gewährleistet, sondern ebenfalls der Zuwachs an Medien- und Sozialkompetenz stand im Vordergrund.
Erkundung: von Arbeitsagentur bis Jugendbeirat
Die Erkundung ist eine spezielle Unterrichtsmethode, die vom Lehrer besonders in der Vorbereitungsphase viel Einsatz und Zeit erfordert. Terminabsprachen, Vereinbarungen mit Gesprächspartnern sowie die Organisation von Fahrgelegenheiten sind notwendig. In einer Kleinstadt sind Interesse sowie Entgegenkommen des Bürgermeisters und der kommunalen Behörden sehr groß – besonders wenn die Lokalpresse das Projekt begleitet. Nicht nur spezifisch kommunale Einrichtungen, sondern auch Kreis- und Landesbehörden wie die Arbeitsagentur oder die Polizeiinspektion standen auf dem Programm. Sämtliche Einrichtungen einer kleinen Stadt sollten auch einbezogen werden. Besonders wichtig war dabei der Jugendbeirat, der die Interessen der Jugendlichen artikulieren soll.
Fritz Multrus mit seinen Schülern bei Hans-Joachim Neumann (sitzend), Erster Bürgermeister von Schwabmünchen
Das Projekt soll wissenschaftlich ausgewertet werden, dazu wurde von den Schülern am Beginn und am Ende ein Fragebogen zur Evaluation ausgefüllt. Außerdem beteiligten sich Lehramtsstudenten des Seminars »Kommunalpolitik« von Prof. Dr. Brunold, Universität Augsburg.
Zur Vorbereitung wurden die Schüler am ersten Tag in Gruppen eingeteilt, die sich mit einer jeweils auf den Erkundungsort zugeschnittenen Materialienmappe, die z. B. Zeitungsartikeln, Geschäftsordnungen oder Haushaltspläne, aber auch Internetadressen enthielt, intensiv auf die Zielorte vorbereiteten. Kleine Schülergruppen mussten dann insgesamt 13 Erkundungsorte besuchen und Kommunalpolitiker sowie Behördenvertreter befragen. Die Stationen reichten vom Bürgermeister und Stadtkämmerer, über die CSU- und SPD-Fraktion des Stadtrates, dem Jugendbeirat bis hin zur Feuerwehr und der Kläranlage. Selbstständigkeit und Sozialkompetenz waren gefragt, als die Schüler zu ihren Zielen aufbrachen. Die Termine waren schonvorher abgesprochen und die Gesprächspartner nahmen sich Zeit, um die vorbereiteten Fragen der Schüler zu beantworten. Als besondere Attraktion wurde eine Schülergruppe mit dem Feuerwehrauto in die Schule zurückgebracht.
Professionelle Präsentation der Ergebnisse
Am zweiten Tag wurden die Ergebnisse der Erkundung ausgewertet und für eine Präsentation vorbereitet. Nach der Pause stellten die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse in einer Präsentation vor. Dazu konnten Gäste vom Jugendbeirat, der Polizeiinspektion Schwabmünchen, die Presse und die Schulleiterin begrüßt werden. Egal ob Vorträge mit Hilfe von Wandzeitungen oder mit z. T. schon professionellen Powerpoint-Präsentationen – diese Beiträge waren durch die Bank informativ und beachtlich. Gerade für einen Lehrer ist verblüffend, auf welch positive Resonanz diese Projekttage gestoßen sind. Im Unterricht recht zurückhaltende Schüler treten plötzlich vor fast 50 Zuhörer und tragen ihre Erkenntnisse vor. Alle Schüler waren einbezogen, arbeiteten engagiert und mussten die gestellten Aufgaben eigenständig lösen. Nicht nur ein Zuwachs an Wissen, sondern auch an Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein war letztlich der Effekt. Was kann man Besseres über Schule sagen?
Weitere Artikel zu diesem Thema auf unserer Seite:
»Kommunalpolitik erleben!« – eine Handreichung für die Praxis
Bericht in der Zeitschrift des bayerischen Jugendrings; Ausgabe 6/7 2005; Seite 22/23
Bericht in der Augsburger Allgemeinen; 20.05.2005
