Jugend macht Politik – der Jugendhilfeausschuss
Veröffentlicht am 19. April 2007 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2007/04/jugend-macht-politik-der-jugendhilfeausschuss/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:23 Uhr
Jugendringe bündeln seit ihrem Bestehen jugendpolitische Anliegen und versuchen diese politisch durchzusetzen. Als Kreis- bzw. Stadtjugendring vertreten die jeweiligen Vorstände in ihrem Kinder- und Jugendhilfeausschuss die Interessen aller örtlich ansässigen jungen Leute.
Das Jugendamt besteht laut § 70 Abs. 1 SGB VIII aus dem Gremium Kinder- und Jugendhilfeausschuss (JHA) und der Verwaltung des Jugendamt. Dieses so genannte doppelte Gliederungsprinzip sichert die Beteiligung der Betroffenen auf der örtlichen Ebene, schafft Öffentlichkeit und Transparenz und weist dem Amt seine Rolle als professionelles Beratungs- und Durchführungsorgan zu. Die Intention des Gesetzgebers ist, Bürgern/-innen in ihrer Gemeinde gesetzliche Mitarbeit und eine dadurch übertragene Mitverantwortung zu garantieren.
Direkter Einfluss auf die Kommunalpolitik
Die anerkannten freien Träger der Jugendarbeit wirken in den Jugendhilfeausschüssen in den Landkreisen und kreisfreien Städten mit, d. h. Jugendverbände und Jugendringe haben dadurch einen direkten Einfluss auf die Kommunalpolitik. Als Mitglieder im JHA haben ihre jeweiligen Vertreter/-innen das gleiche Stimmrecht wie z. B. Kreisräte/-innen. Und – ihre Mitarbeiter/-innen sind so unmittelbar an den Aufgaben der öffentlichen Träger der Jugendhilfe beteiligt. Die Mitarbeit im JHA sichert die unmittelbare Gestaltung der Jugend bzw. der direkt Betroffenen in Sachen Kommunalpolitik. Diese Möglichkeit der jugendpolitischen Einflussnahme sollte insbesonders von den Vertretern der Jugendarbeit noch viel stärker genutzt werden. In erster Linie muss immer wieder versucht werden, durch politisches Handeln gewünschte Ziele zu erreichen. Dazu gehören Überzeugungsarbeit, Koalitionsbildung, Aufklärung, Anträge und fachliche Vorlagen etc. Freilich, der politische Weg scheint mühselig, langwierig und verworren zu sein und das Ergebnis ist meist ein Kompromiss. Demokratie, Beteiligung, politisches Handeln braucht einen langen Atem, gute Organisation, verlässliche Strukturen, politisches Bewusstsein, Kontaktfähigkeiten, Verhandlungsgeschick und, und, und.
Der Einfluss ist dann groß, wenn
- mit Sachkompetenz gearbeitet wird (Bescheid wissen über Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten)
- die formellen und informellen Instrumentarien gekonnt eingesetzt werden (z. B. Satzung und Geschäftsordnung des Jugendamts, parlamentarische Regeln, Kontakte zu einflussreichen JHA-Mitgliedern, Initiativen ergreifen, aktiv werden)
- man ein konkretes Ziel vor Augen hat, sich fachlich ständig »fit« hält, sich fortbildet (fachliche Argumentation)
- die Mitglieder ihre Beteiligungsmöglichkeiten offensiv und umfassend wahrnehmen.
Lobbyarbeit für junge Menschen
Durch die Stimme der Jugendvertreter kann sich die Jugendarbeit im Landkreis/Stadt profilieren und dazu beitragen positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien zu erhalten und schaffen. Mitarbeit im JHA ist Lobbyarbeit für junge Menschen. Die so ausgeübte Anwaltsfunktion der Jugendhilfe ist Ausgangspunkt für die Wahrnehmung von Interessen von jungen Menschen gegenüber Ämtern, Politik und anderen Stellen. Damit das Gremium in seiner Handlungsfähigkeit gestärkt wird, ist es sinnvoll insbesonders die Interessen der Jugendverbände und der freien Vereinigungen der Jugendwohlfahrt zu bündeln und diese im JHA kompetent und deutlich zur Sprache zu bringen.
Winfried Dumberger-Babiel
Der Geschäftsführer des Bezirksjugendringes Schwaben bemüht sich seit vielen Jahren darum, dass die schwäbischen Vertreter in den JHA` s über ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten Bescheid wissen und sie auch nutzen.

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