Der Baustein »Bezirk Schwaben erleben« hat Potenzial
Veröffentlicht am 17. April 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/04/der-baustein-bezirk-schwaben-erleben-hat-potenzial/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:35 Uhr
Sozialkundeunterricht. Bei diesem Stichwort denken etliche Schülerinnen und Schüler sofort an immer wiederkehrende Tortendiagramme, komplizierte Tabellen, Namen von Regierungsmitgliedern und nicht enden wollende Lehrervorträge. Dass das auch anders geht, beweist der Baustein »Bezirk Schwaben erleben«. Seit 2007 wird das bayernweit einzigartige Programm an schwäbischen Schulen angeboten. Dominik Limmer, Student der Pädagogik und Politikwissenschaft an der Universität Regensburg, hat den Baustein für seine Magisterarbeit genauer unter die Lupe genommen.
Entwurf des Fragebogens
Für seine Abschlussarbeit hat Dominik Limmer zunächst drei Fragenkomplexe ausgearbeitet: politisches Wissen, politisches Interesse und politische Teilhabe. Im ersten Teil – politisches Wissen – ging es dem Studenten in erster Linie um Daten und Fakten, um theoretisches Wissen. Wert legte er dabei auch darauf, wie gut die befragten Schülerinnen und Schüler Zusammenhänge erkennen und Einflussmöglichkeiten auf die Politik abschätzen können. Die Fragen im zweiten Teil zum politischen Interesse sind sehr abstrakt gehalten. So sollten die Befragten beispielsweise ganz allgemein angeben, ob sie sich für Kommunal- oder Bundespolitik interessieren. Bei dem Komplex politische Teilhabe als dritten und letzten Teil des Fragebogens, wollte Dominik Limmer herausfinden, in wie weit sich die Schülerinnen und Schüler vorstellen könnten, selbst in der Politik (im weitesten Sinne) aktiv zu werden.
Durchführung
Für die praktische Umsetzung seiner Arbeit erhielt der Regensburger Student Unterstützung von Fritz Multrus. Der Sozialkundelehrer am Gymnasium Schwabmünchen und Fachreferent für Sozialkunde beim Ministerialbeauftragten in Schwaben war bereits an der Entwicklung des Bausteins »Bezirk Schwaben erleben« beteiligt gewesen und hatte Dominik Limmer schon im Vorfeld bei der Erstellung des Fragebogens beraten. In zwei zehnten Klassen, die den gleichen Basisunterricht zum Thema Kommunalpolitik erhalten hatten, verteilte Fritz Multrus zunächst den Evaluationsbogen. Einer der beiden Klassen durfte kurze Zeit später an einem darauf aufbauenden und den Stoff vertiefenden Projekttag teilnehmen.
Projekttag
In circa vier Sozialkundestunden hatten die Zehntklässler die Theorie rund um die Kommunalpolitik Schwabens erarbeitet. Sie hatten sich unter anderem mit den Strukturen der Bezirksregierung, den Aufgaben einzelner Beamter sowie mit bezirksverwalteten Institutionen auseinandergesetzt. Darüber hinaus wurden die Schülerinnen und Schüler methodisch auf dem Projekttag vorbereitet: Wie führe ich ein Interview? Wie stelle ich Fragen an einen Experten, ohne einen unverständlichen, langen Fachvortrag, sondern kurze, prägnante Antworten zu erhalten? Wie kann ich die Ergebnisse wirkungsvoll präsentieren? Mit diesem Know-how, das übrigens ein wichtiges Lernziel der politischen Bildung ist, ausgestattet konnte die Klasse nach Augsburg aufbrechen.
Zuerst besuchten die Schwabmünchener Gymnasiasten den Bezirkstag. Nach der Begrüßung und einführenden Worten der Pressereferentin durften die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden. Parallel befragten kleine »Expertengruppen« einzelne Mitarbeiter. Noch in den Räumen des Bezirkstags stellten sie die Antworten bzw. Ergebnisse ihren Klassenkameraden vor. Dass die Gymnasiasten sehr aufmerksam und interessiert ihre Gespräche geführt hatten, zeigten diese engagiert vorgetragenen Kurzreferate.
Den Nachmittag verbrachte die Zehntklässler im Augsburger Klinikum, das ebenfalls dem Bezirk unterstellt ist. Ähnlich wie zuvor im Bezirkstag hatten die Gymnasiasten auch hier die Möglichkeit, Ärzte, Psychologen und Betreuer zu interviewen.
Die letzte Aufgabe für den Projekttag lautete schließlich: Fragebogen ausfüllen!
Ergebnisse
Der Praxistag zeigte Wirkung. Die Schülerinnen und Schüler, die daran teilnehmen durften, schnitten in den Bereichen Wissen und Teilhabe im Vergleich zu den Ergebnisse aus dem zuvor von ihnen ausgefüllten Fragebogen und auch in Gegenüberstellung mit den Ergebnissen der Kontrollgruppe deutlich besser ab. Lediglich im zweiten Teil, dem Bereich politisches Interesse, ließen sich keine signifikanten Unterschiede ausmachen.
Dominik Limmer hat dies nicht wirklich überrascht. Er hatte sich mit Hilfe der Fachliteratur einen breiten Überblick verschafft und konnte die Ergebnisse so relativ gut abschätzen. Dennoch fiel ihm eines besonders auf: Die Antworten der Projekttag-Klasse spiegelten größeres Engagement wider. Sie gingen eindeutiger auf die Fragen ein und antworteten darauf ausführlicher und präziser als ihre Mitschüler aus der Parallelklasse.
Sieht man sich dann auch die Ergebnisse im Teil politische Teilhabe an, so muss man feststellen, dass hier von den Zehntklässlern um einiges mehr positive Antworten kamen. Viele konnten sich vorstellen im Krankenhaus, etwa in der Pflege, zu helfen, in der Jugendarbeit oder auch in Umweltprojekten aktiv zu werden.
Folgerungen
»Der Baustein ist meiner Meinung nach inhaltlich sehr gut aufbereitet«, bemerkt Dominik Limmer. Die Ergebnisse seiner Evaluation zeigen deutlich, dass sich gerade der Besuch auf dem Amt und in einer ihr unterstellten Institution – natürlich nur in Kombination mit entsprechender Vorbereitung – lohnt und sich äußerst positiv auf das Wissen der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Für die Unterrichtspraxis wären derartige Projekttage natürlich wünschenswert. Allerdings sind sie mit großem Organisations- und Zeitaufwand verbunden, was etliche Lehrer an Aktivitäten außerhalb des Klassenzimmers hindert. »Es herrscht im Fach Sozialkunde leider immer noch der Frontalunterricht vor. Das liegt nicht zuletzt daran, dass dem Sozialkundeunterricht am Gymnasium momentan relativ wenig Raum gegeben wird.« gibt der Regensburger Student zu Bedenken.
Das Interesse am Baustein »Bezirk Schwaben erleben« jedoch ist groß. Die regelmäßig stattfindenden Lehrerfortbildungen kommen gut an. Drei bis vier Schule in Augsburg setzen das Konzept bereits um. Nachdem sich in der aktuellen Forschung und auch in der öffentlichen Diskussion alles um generelle, einheitliche Bildungsstandards dreht, könnte der Baustein auch über die Grenzen Schwabens hinaus – nach entsprechender Standardisierung – erfolgreich eingesetzt werden.

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