Interview mit dem Leiter der Koordinierunsstelle »LOS- Kaufbeuren«
Veröffentlicht am 11. Juni 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/06/interview-mit-dem-leiter-der-koordinierunsstelle-los-kaufbeuren/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:27 Uhr
»LOS« steht für »Lokales Kapital für soziale Zwecke« und ist ein Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Europäischen Sozialfonds. In Kaufbeuren, insbesondere im Stadtteil Neugablonz, werden so genannte Mikroprojekte finanziell unterstützt. Das Betätigungsfeld der Koordinierungsstelle LOS umfasst ein sehr großes Spektrum an Projekten, z. B. »Migrantenmütter – aktiv«.
Im Projekt »Migrantenmütter – aktiv« werden Projektteilnehmerinnen durch Laienhelferinnen geschult. Die Lerninhalte beinhalten Kenntnisse und Informationen zu allen alltäglichen Fragen z. B. zum deutschen Schulsystem. Die Mütter gewinnen an Selbstvertrauen und Handlungsmöglichkeiten, welche sie an die gesamte Familie weitergeben können.
Außerdem wurde ein Mehrgenerationenhaus namens »Drachenburg« initiiert. Dieses Projekt möchte die Anwohner zur selbstständigen Leitung des Hauses befähigen. Wichtig ist hierbei der Austausch unterschiedlicher Altersgruppen, die sich gegenseitig unterstützen, z. B. betreuen Senioren die Hausarbeiten der Schulkinder. Unterstützung bei der Berufswahl will das Projekt: »Wir suchen – du findest« bieten. Ziel des Projektes ist es, acht jugendliche Hauptschüler, etwa der Gustav-Leutelt-Schule in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Diese Jugendlichen hätten normalerweise kaum Chancen auf einen Einstieg in das Berufsleben. Zwei Betreuer unterstützen die Hauptschüler intensiv bei der Berufsfindung, Bewerbung und bei Vorstellungsgesprächen.
Wir haben Herrn Riermeier von der Stadt Kaufbeuren befragt. Dieser hat die leitende Funktion der lokalen Koordinierungsstelle inne.
Was ist das Aufgabengebiet von LOS?
Ein Schwerpunkt von LOS ist die Netzwerkarbeit und dabei ist die Vernetzung von Schulen, Arbeitsgemeinschaften, Kirchen und sozialen Bereichen besonders wichtig. Ausländische Mitbewohner sollen integriert werden und durch verschiedene Angebote für Tätigkeitsfelder motiviert werden.
Was sind die Ziele von LOS?
Ziel ist es gesellschaftliche Probleme zu steuern und das Engagement der Einwohner zu fördern. Außerdem ist es uns wichtig, das Ehrenamt zu unterstützen. LOS will Impulsgeber, Vermittler und Türöffner sein, der dabei die Menschen immer beteiligt.
Wie wurde das Interesse der Öffentlichkeit geweckt und wie sind die Reaktionen auf die Projekte von LOS?
Hr. Riermeier: Das Interesse der Anwohner wurde durch die Publikationen der Projekte geweckt. Die Öffentlichkeitsarbeit beinhaltet das Verfassen von Zeitungsartikeln, den Newsletter, unterschiedliche Informationsforen und die Gestaltung der LOS-Messe. Anfangs war die Reaktion der Öffentlichkeit eher skeptisch, aber LOS hat Impulse gegeben, und innerhalb der letzten vier Jahre ist die Anerkennung in der Bevölkerung erheblich gestiegen. Beispielsweise hat die Gustav-Leutelt-Schule durch Projekte und Freizeitarbeit ein wesentlich positiveres Image bekommen.
Zu welchen Teilnehmern gestaltet sich die Kontaktaufnahme schwierig?
Vor allem zu den Eltern mit Migrationshintergrund ist die Kontaktaufnahme problematisch, da diese oft isoliert zu Hause leben und kaum an der Öffentlichkeit teilnehmen. LOS betreibt keine aufsuchende Arbeit, wie Streetwork. Aber es gibt von der Stadt Kaufbeuren andere Projekte, die sich mit dieser Zielgruppe intensiver auseinander setzen. Generell ist die Schule ein Ausgangspunkt für Kinder und Jugendliche, um Kontakte aufzubauen. Bei Aussiedlern gelingt der Kontakt meist über Kirchen, bei Ausländern über Vereine und Moscheen.
Vermittelt die Koordinierungsstelle LOS politische Bildung?
Politische Bildung an sich wird in den Projekten nicht angeboten. Aber ein Ziel ist die Engagementförderung, und das bedeutet auch Mitbestimmung und Mitgestaltung von persönlichen Belangen und deren Umsetzung. Somit können die Bewohner die niederschwelligen Projekte aktiv mitgestalten, und dies ist für mich ein Bestandteil von politischer Bildung.
Was veränderte sich seit Beginn des Projektes konkret im Stadtteil?
Der Stadtteil Neugablonz wird im Allgemeinen positiver dargestellt und seinem Image wird entgegengesteuert, z. B. beim Bürgerfest. Es herrscht insgesamt eine verbesserte Stimmungslage.
Die Förderphase von LOS endet am 30. Juni 2008. Wird eine weitere Verlängerung des Förderzeitraumes bewilligt werden?
Ein Förderprogramm erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre und die Förderperiode für LOS ist nun leider beendet. Am 15. Juni 2008 findet nun abschließend eine Bilanzkonferenz in Berlin statt.
Wie sieht die weitere Förderung der Projektteilnehmer aus?
Die Einwohner werden durch kleinere Projekte weiter gefördert und stetig unterstützt. Durch Vernetzung werden Kontakte zu anderen Strukturen aufgebaut und neue Projekte werden initiiert.
Wie sehen Sie die Perspektiven für Neugablonz in der Zukunft?
Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ende. Es ist auf jeden Fall ein Entwicklungspotential vorhanden. Ich bin guter Hoffnung, solange alle weiterhin an einem Strang ziehen: Bürger, Unternehmen und die Stadtverwaltung.
Herr Riermeier, vielen Dank für das informative Gespräch!
Nähere Informationen zu LOS gibt es im Internet unter www.los-kaufbeuren.de (http://www NULL.los-kaufbeuren NULL.de/).

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