Peter Hilkes über das Patenprojekt des Bayerischen Jugendrings

Geschrieben von Julia Schuler (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 12. Juni 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/06/peter-hilkes-uber-das-patenprojekt-des-bayerischen-jugendrings/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:31 Uhr

Nach der Öffnung Osteuropa sind 2 Millionen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. In dieser Zeit hat Bayern über 275.000 Aussiedler aufgenommen. Fast 40 % der zugewanderten Aussiedler sind unter 25 Jahre alt. Mittel oder langfristig gesehen werden diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Städte und Gemeinden, Kindergärten, Schulen sowie die Jugendarbeit beeinflussen. Daher gilt Ihnen besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Damit diese gewährleistet werden können, hat der Bayrische Jugendring das Patenprojekt ins Leben gerufen. Im September 2006 hat das Projekt begonnen und endet voraussichtlich im August 2009.

Was sind die wesentlichen Inhalte des Patenprojektes?
Das Patenprojekt unterstützt jugendliche Zuwanderer in Alltag (Behördengang, Sport), Schule (Nachhilfe) und Beruf (Bewerbungsschreiben). Damit die Hilfe gewährleistet werden kann, werden Regionalkoordinatorinnen eingesetzt. Diese bringen die Paten/Patinnen und die jungen AussiedlerInnen zusammen. Die Vermittlung verläuft über die Bezirke, Schulen u.s.w. Die Regionalkoordinatorinnen sind zum Teil an die Bezirksjugendringe und Jugendbildungsstätten angebunden. Somit bringen sie für die Koordination und für die Betreuung der Paten und Patinnen wichtige Erfahrungswerte und Kompetenzen mit.
Damit die Zusammenarbeit zwischen den Paten/Patinnen und den Zugewanderten gut funktioniert, wird zu Beginn mit Hilfe eines Fragbogens u.a. die Bedürfnisse, Stärken und Wünsche des Paten/Patin ermittelt. »Die Chemie zwischen beiden muss stimmen«. Die Mehrzahl der Paten und Patinnen sind selbst Zuwanderer, die aber schon lange Zeit in Deutschland leben. Einen kleineren Teil bilden deutsche Jugendliche, welche auch Patenschaften übernehmen können.
Wenn für den oder die ZuwanderIn der oder die richtige PatenIn gefunden wurde, steht in der Regel einer guten Zusammenarbeit nichts mehr im Wege. Oft entwickeln sich zwischen diesen Beziehungen auch gute Freundschaften.
Das Projekt Patenschaften wird für einzelne Jugendliche aber auch für Gruppen angeboten.

In welchen Städten und Bereichen Bayerns wird das Projekt vorwiegend angeboten?
Wenn die Zuwandererfamilien nach Deutschland kommen wird bei der Verteilung darauf geachtet, dass die Familien dahin kommen, wo bereits Angehörige leben. So sind im Laufe der Jahre in Bayern, in den einzelnen Bezirken, Wohnschwerpunkte entstanden. Wohnschwerpunkte bedeuten aber auch die Bildung von Netzwerken. So haben, im Laufe der Zeit, die Kreis und Stadtjugendringe und Streetworker Verbindung zu den Zuwanderern aufgebaut. Besondere Zuwanderschwerpunkte in Bayern sind Würzburg, Bayreuth, Ingolstadt, Nürnberg, München, Sulzbach, Straubing, Pfaffenhofen, Freilassing und Schwaben.

Welche Ziele und Chancen verfolgt das Patenprojekt?
Aufgrund mangelnder Sprachkenntnissen fällt den jungen Einwanderern die Integration in Deutschland besonders schwer. Oft ziehen sie sich in ihre eigene russischsprachige Welt zurück. Die Zuwanderjugendlichen schämen sich teilweise, sich nicht auszukennen. Auch die Eltern können ihren Kindern oft keine große Hilfe sein. Ein großes Ziel dieses Projektes ist es daher die Barrieren mangelnden Dialogs aufzubrechen, damit Kontakte und Beziehungen geknüpft werden können. Im Vordergrund stehen die Chancen: Partizipation, Integration und die Auflösung von Isolation und Abgrenzung. Dieses Projekt verfolgt auch das Ziel um politische Kompetenzen und Möglichkeiten auszubauen und zu erweitern.

Welche Grenzen werden den Chancen entgegengestellt?
Dieses Projekt ist aus der Jugendarbeit heraus entstanden und die Thematik »Integration« kann auch für die Jugendarbeit zu einer Herausforderung werden. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 bis 27 Jahren, welche nach Deutschland zuwandern, bringen unterschiedliche Werte, Bedürfnisse und einen anderen kulturellen Hintergrund, mit. Daher verläuft die Zusammenarbeit nicht immer einfach. Um in den schwierigen Situationen den Paten und Patinnen und den Zuwanderern zur Seite stehen zu können, ist hier besonders die Unterstützung der Koordinatorinnen erforderlich. Wachsen Konflikte oder Probleme über das Hilfeangebot der Paten und Patinnen hinaus, werden die Jugendlichen und ihre Familien zu professionellen Hilfen vermittelt.

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind dem Patenprojekt vorangestellt?
Das Patenprojekt wird geleitet und organisiert in Zusammenarbeit des BJR (Bayrischer Jugendring) und dem DJO (Deutsche Jugend in Europa). Für diese beiden Projektträger gelten Gesetze und Rahmenbedingungen welche im sogenannten »Patenkodex« festgehalten und zusammengefasst sind.

Vielen Dank für das informative Gespräch!

Weitere Informationen zum Patenprojekt erhalten Sie unter www.bjr.de (http://www NULL.bjr NULL.de/).

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