Bezirksräte spielen mit der Jugendarbeit
Veröffentlicht am 24. Juli 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/07/bezirksrate-spielen-mit-der-jugendarbeit/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:34 Uhr
Im Alltag haben Jugendliche und ihre Vertreter kaum Kontakte zur Bezirkspolitik. Im Sozialkundeunterricht ebenso weinig. Um dies zu ändern, bot der Bezirksjugendring Schwaben am 28. Juni 2008 die Veranstaltung »Bezirkspolitik trifft Jugendarbeit« an. Damit wurde erstmals bayernweit ein neuer Zugang der Begegnung von Bezirkspolitikern/innen mit Vertreter/innen der Jugendarbeit erprobt und eine aktive Form der politischen Bildung ausprobiert.
Ziel war es, die Vertreter/innen der Jugendarbeit mit Abläufen, Akteuren und Aufgaben der Bezirkspolitik vertraut zu machen, umgekehrt sollten die Bezirkspolitiker die Vertreter der Jugendorganisationen besser kennen lernen.
Die Veranstaltung war methodisch so arrangiert, um Informationsvermittlung, »Miteinander ins Gespräch kommen«, und gemeinsame Arbeitsprozesse zu fördern – und natürlich sollte der Spaß nicht zu kurz kommen.
In einer lebendigen Präsentation in der Bezirksverwaltung in Augsburg, vermittelte Andrea Perschl, Grundlageninformationen über den Bezirk. Persönliche Einblicke in ihre Arbeit gaben sich mittels Partnerinterview Bezirkspolitiker und Vertreter der Jugendarbeit auf einer Busfahrt zur Jugendbildungsstätte Babenhausen. In der Bildungsstätte ging es schnell zur Sache: Gemeinsam spielten die Vertreter der Jugendarbeit und der Bezirkspolitik das Planspiel »Der Bezirk Schwaben im finanziellen Würgegriff«.
Entwickelt und moderiert haben das Planspiel Mathias Retzbach und Klaus Settele von der Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern. Für knapp drei Stunden schlüpften Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert sowie weitere neun Bezirksräte bzw. Kandidaten und 18 Mitglieder des Bezirksjugendrings Schwaben in neue Rollen.
Das Szenario ist rasch erklärt: Wir befinden uns in Schwaben. Der Freistaat Bayern möchte den staatlichen Finanzausgleich an den Bezirk um 30 % kürzen, um Schulden abzubauen. Alle Aufgabenbereiche des Bezirks sind in Gefahr. Ohne die staatlichen Mittel könnten die Bereiche: Soziales, psychiatrische Versorgung, Kultur und Umwelt sowie Jugend und Bildung nicht mehr effizient arbeiten. Wer wird die anderen mit schlüssigen Argumenten überzeugen können? Wer wird der Leidtragende sein? Und: Gibt es einen Ausweg aus der Krise, der für alle akzeptabel ist?
Dann werden die Rollen ausgelost. Während bei den einen die Freude groß ist, einmal der Landesvater oder der Geschäftsführer des Bezirkjugendrings zu sein, fällt es manchen Spielern zuerst gar nicht leicht, eine Person verkörpern zu müssen, deren Standpunkt sie überhaupt nicht vertreten wollen. Dennoch: Alle lassen sich auf ihre neue Identität ein und versuchen sie mit Feuereifer gemäß der Rollenanleitung glaubwürdig darzustellen.
Die Spiellust spürt man schon nach kurzer Zeit. Da fallen Begriffe wie »Popularklage« oder »eine eigene Steuer für die Bezirke« während Andere besonders kühne Pläne schmieden: »Wir sind gerade dabei, die Bezirke abzuschaffen.« und »Die Jugendarbeit schaffen wir auch gleich noch ab. Die machen eh nur Ärger – und wir können sogar noch unsere Diäten erhöhen.« Man merkt sofort, dass alle mit viel Spaß und Kreativität dabei sind. Selbst kleine Unsicherheiten können den Teilnehmern die Freude am Spiel nicht verderben. Rasch werden sie von der Dynamik des Spiels und vom emotionalen Geschehen wieder mitgenommen.
Dann geht es ans Eingemachte. Die einzelnen Abteilungen des Bezirks Schwaben diskutieren sachlich über die Auswirkungen der 30%-Kürzung. Im Nebenraum beim »Runden Tisch« treffen Oberbürgermeister und Landräte, Vertreter des Landtags, des Bezirks, der Jugendarbeit, des Bundes der Steuerzahler, Bürger und private Klinikbetreiber aufeinander. Es geht hoch her: Die Bezirksvertreter lehnen die Kürzung vehement ab und machen ihrem Ärger über die geplanten Einsparungen Luft. Landräte und Klinikbetreiber wettern dagegen. Und die Bürger stehen etwas ratlos dazwischen.
Schließlich einigt man sich gemäß dem beliebten, politischen Motto »Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild ich einen Arbeitskreis.« auf eine Zukunftskommission, die noch einmal alles im Einzelnen prüfen soll. Über eine Rücknahme der Kürzung auf 20 % konnte man sich bereits einigen.
Für die Spieler fällt das Fazit der Veranstaltung eindeutig positiv aus. Der Perspektivenwechsel beeindruckte die Teilnehmer sehr, ebenso die Offenheit aller Beteiligten, die gute Stimmung, »der tiefe Einblick in die Bezirkspolitik« sowie die »Komplexität mit der Entscheidungen zusammenhängen«. Dazu die einzigartige Möglichkeit, auf die politische Kompetenz der Bezirksräte zurückgreifen zu können, gab dem Planspiel eine besondere Tiefe.
»Das Spiel habe ich noch nie in dieser Intensität erlebt«, freute sich Prof. Dr. Gerhard Kral, einer der Initiatoren des Projekts »Politische Bildung Schwaben«. Und auch das Ziel der Veranstaltung ging voll auf, was dem Vorsitzenden des Bezirksjungendrings Schwaben, Roland Weber, besonders am Herzen lag: »Politische Bildung soll erlebbar sein und Spaß machen«. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert zeigte sich erfreut, dass die Verbindung von Grundlageninformation, persönlicher Begegnung und gemeinsam erlebtes Handeln im Planspiel gelungen ist. Die Veranstaltung hat sicher allen Spaß gemacht und zur Vertrauensbildung von Bezirkspolitik und Jugendarbeit beigetragen.
Bilder zur Veranstaltung finden Sie auf der Homepage des Bezirksjugendring Schwaben (http://www NULL.bezirksjugendring-schwaben NULL.de/index NULL.php5?option=com_easygallery&act=categories&cid=67&Itemid=252) .

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