Interview mit der Regionalkoordinatorin für das Patenprojekt Schwaben
Veröffentlicht am 24. Juli 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/07/interview-mit-der-regionalkoordinatorin-fur-das-patenprojekt-schwaben/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:26 Uhr
Im Mai haben wir den in der Entstehung befindlichen Baustein für jugendliche Zuwanderer vorgestellt. Zu den Entwicklern gehört auch Larisa Bronner, die Regionalkoordinatorin für das Patenprojekt in Schwaben. Wir sprachen im Interview mit ihr über das Patenprojekt und ihre Arbeit.
1. Wie sind Sie zum Patenprojekt gekommen?
Durch eine Empfehlung von Fr. Jordan vom SJR Augsburg.
2. Was ist für Sie das Patenprojekt? Was ist für Sie das Besondere daran?
Das Patenprojekt gibt mir die Möglichkeit meine Erfahrungen zu Gunsten Anderer einzusetzen, den Zuwanderern behilflich zu sein, die Einheimischen für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus kann ich die Kompetenzen von zugewanderten Jugendlichen und Erwachsenen und sie mit den Strukturen der Gesellschaft vertraut machen. So kann es gelingen, Parallelwelten zu verhindern.
3. Seit wann suchen Sie Paten?
Seit Januar 2007.
4. Wie viele Paten und »Schützlinge« gibt es im Moment in Augsburg bzw. Schwaben?
In der Stadt Augsburg selbst gibt es neun einzelne Patenschaften. Dazu kommen drei Gruppenpatenschaften, in denen insgesamt 15 Jugendliche von drei Paten betreut werden. Vier Einzelpatenschaften gibt es in Kaufbeuren und in Nördlingen begleitet ein Pate zehn Jugendliche.
5. Wie kommen Sie mit potentiellen Paten in Kontakt?
Über vielerlei Wege: Auf diversen Veranstaltungen, über die Presse und Netzwerke, auch durch Mund-Propaganda und Werbezettel, die von Zeit zu Zeit an der Universität Augsburg aushängen.
6. Warum engagieren sich die Paten?
Sie möchten aktiv Hilfe leisten und haben Interesse an der Kultur und Mentalität der Zuwanderer. Da die Mitarbeit im Patenprojekt als Praktikum angerechnet werden kann, ist auch eine Bestätigung, dass sie als Paten aktiv waren, ein Anreiz mit zu machen.
7. Seit wann gibt es ein spezielles Coaching für die Paten? Wie oft und wo wurde es bisher durchgeführt?
Seit Anfang letzen Jahres finden immer wieder entsprechende Veranstaltungen statt. Damals, im Februar 2007, haben am Training »Interkulturelles Leben«, das von der IHK angeboten wurde, zwei Patenkinder und fünf Paten teilgenommen. Von da an konnten auf diversen djo-Trainings, zum Beispiel einem Leiterkurs für Jugendliche, Erlebnispädagogik, Ehrenamt in der Arbeit mit Russlanddeutschen usw., mehrere Paten geschult werden.
Gemeinsam mit Frau Bonet organisierte ich vergangenen November ein Fortbildungswochenende in Nürnberg. Bei »Partizipation durch Kulturleben« nahmen insgesamt 35 Interessierte aus den Bezirken Schwaben, Oberbayern und Mittelfranken teil.
Auf einer Veranstaltung im Dezember 2007 haben wir über die bestehenden Projekte informiert und ein Resümee unserer bisherigen Arbeit im Patenprojekt gezogen. Besonders geehrt wurden dabei besonders engagierte Mitwirkende, die sich in gemütlicher Runde mit den insgesamt 19 Gästen austauschen konnten.
8. Wie genau sieht ein Paten-Coaching aus? Wie läuft ein typisches »Training« ab?
Nachdem alle Paten über eine pädagogische oder psychologische Ausbildung sowie Jugendleitererfahrung verfügen, gibt es kein typisches »Training«. Bei Schwierigkeiten oder Problemen berate ich die Paten, versuche sie zu unterstützen oder entsprechend zu vermitteln.
Generell geht es bei Deutschen oft um Eigenheiten der russischen Kultur und Mentalität, bei den
Zuwanderern vor allem um Belange rund um das Bildungs- und Sozialsystem Deutschlands.
9. Auf was achten sie beim Coaching besonders?
Bei den pädagogischen Nachmittagen an Schulen, an denen interessierte Lehrer und Schüler teilnehmen können gehe ich zunächst auf Migration allgemein und die Herkunftsländer der Zuwanderer ein. Danach folgt ein Überblick über das Bildungssystem, die Kultur und Generationenfragen. Ich behandle auch deren Sicht auf Deutschland und auch über welche Organisationen oder Agenturen sie nach Deutschland vermittelt werden können. »Wie ist die Integrationssituation in unserem Land?« und »Was hat es mit sog. Parallelgesellschaften auf sich?« sind ebenfalls zentrale Fragen. Darüber hinaus gehe ich auf die Religion der Migranten ein und versuche deren Stellenwert im Herkunftsland und hier in Deutschland zu vermitteln. Auch gebe ich einen Überblick über die spezifischen Informations- und Kommunikationssysteme der Zuwanderer.
Natürlich ändert sich die Gewichtung der einzelnen Aspekte je nach Zielgruppe, so dass jeder Nachmittag, jede Fortbildung entsprechend anders und für die jeweiligen Teilnehmer am interessantesten abläuft.
10. Was sind die häufigsten Fragen der Teilnehmer?
Sehr oft wird nach dem Bildungssystem gefragt und nach generationsspezifischen Aspekten. Der Zeitfaktor in »Russland« ist oft ein Thema und natürlich das Phänomen Parallelwelten.
11. Bei welchen Angelegenheiten werden die Paten dann am meisten gebraucht? Was ist soz. ihre Hauptaufgabe?
Viele Zuwanderer benötigen Nachhilfe, die die Paten übernehmen und Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum oder einem Ausbildungsplatz. Häufig helfen die Paten ihren Schützlingen beim Behördengang und bei der Freizeitgestaltung. In erster Linie aber sind sie einfach nur da.
12. Bleiben Sie mit den Paten auch während ihres »Einsatzes« in Kontakt?
Die Paten werden von mir im Alltag bei den aufgetretenen Problemen oder Schwierigkeiten beraten, begleitet oder weiter vermitteln. Ich habe immer ein offenes Ohr und bin da, wenn sie mich brauchen..
13. Was gefällt ihnen an ihrem »Job«, was nicht so sehr?
Es freut mich, dass ich ein oft anderes, positives Bild der Migranten vorstellen kann, ihre Stärken zeigen und ihre Fortschritte beobachten kann.Dennoch gefällt es mir nicht so sehr, dass ich nicht immer helfen kann. Einen Zugang zur Zielgruppe zu finden ist manchmal nicht einfach, gerade in den Landkreisen, wo ich nicht immer präsent sein kann. Sehr schade ist es, wenn Patenschaften nicht klappen, obwohl man viel Zeit investiert hat.
Vielen Dank für das Gespräch!

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