Politische Bildung für jugendliche Zuwanderer – ein Baustein entsteht

Geschrieben von Julia Schuler (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 26. September 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/09/politische-bildung-fur-jugendliche-zuwanderer-ein-baustein-entsteht-2/>
Abgerufen am 5. Februar 2012 um 13:22 Uhr

Ein Blick auf die Statistiken zur Wahlbeteiligung macht es deutlich. Ob Bundestags- oder Kommunalwahlen – nur sehr wenige Zuwanderer und Aussiedler geben ihre Stimmen ab.

»Ich will nicht auf’s Amt!« Oft äußern zugewanderte Jugendliche ihre Berührungsängste gegenüber Verwaltung, Ämtern und Behörden. Die meisten schätzen ihre Deutschkenntnisse für unzureichend ein, um einen Besuch auf dem Amt meistern zu können. Auch eine kleine Portion Misstrauen, über`s Ohr gehauen zu werden, oder keine kompetente Begleitung dabei zu haben, vergrößern die Hemmschwelle.

Dieses Problem nehmen nun der Bezirksjugendring Schwaben und die Fachhochschule Benediktbeuern in die Hand. Gemeinsam haben sie einen Baustein zur politischen Bildung für Aussiedler – Jugendliche entwickelt, um deren Interesse an Politik und einfachen politischen Zusammenhängen zu wecken und zu fördern. Die Initiatoren und freiwillige, interessierte Jugendliche aus einem Jugendzentrum in Nördlingen gehen gemeinsam, in drei Schritten: Vorbereitung – Exkursion – Reflexion, die Sache an.

Im folgenden Bericht finden Sie einen Überblick zu diesem Baustein und erhalten genauere Informationen über diesen NEUEN WEG!

Am 27.09.2008 werden die Jugendlichen aus Nördlingen ihre Erkundungen durchführen. Im Rundbrief Oktober werden wir Ihnen dann über die Auswertungen und Neuigkeiten über das Projekt berichten. Wir wünschen Ihnen hierfür viel Spaß beim Lesen.

BAUSTEIN: POLITISCHE BILDUNG FÜR JUGENDLICHE ZUWANDERER

Dieses Projekt soll Brücken für Informations- und Kommunikationswege in Nördlingen bauen, die von beiden Seiten benützt werden können. Wichtig ist auch, dass die Stadt Signale an die Zuwanderer aussendet: »Wir wollen konstruktiv miteinander zusammenarbeiten« – Ihr seid Bürger unserer Stadt. Sowohl die Stadt wie die Zuwanderer sollen mit »Angeboten« aufeinander zugehen.

Ablauf des Projekts:

Die Mitarbeiter des Jugendzentrums in Nördlingen haben die jugendlichen Zuwanderer bereits in mehreren Treffen für das Projekt vorbereitet und motiviert. Neun Jugendliche haben sich bereit erklärt am Projekt mitzuarbeiten. Diese wurden in 3 Gruppen eingeteilt.

Die jugendlichen Zuwanderer aus dem Jugendzentrum in Nördlingen werden am 27. 09.2008 verschiedene Einrichtungen und Organisationen in der Stadt Nördlingen besuchen, in denen politisches Handeln praxisnah vermittelt wird. Ihre Aufgabe besteht darin, Interviews mit politisch handelnden Personen der Stadt zu führen. Die Jugendlichen haben sich für die Erkundungsbereiche: Oberbürgermeister, Polizei und die Agentur für Arbeit entschieden.

Im Vorfeld bekamen die Jugendlichen politische Grundinformationen in Form eines Quiz und übten die Interviewsituation durch Rollenspiele ein.

Über das Projekt wird eine Diplomarbeit erstellt. Verantwortlich hierfür ist Sebastian Schober, Student an der KSFH Benediktbeuern. Seine Aufgabe wird sein, den Prozess zu dokumentieren, die Bausteinarbeit zu begleiten und Hintergrundinformationen zu erarbeiten. Eine weitere wichtige Aufgabe von Herr Schober ist es, das Projekt auszuwerten und herauszufinden, was sich bei den Jugendlichen durch das Projekt verändert hat.

Die Initiatoren und Kooperationspartner, die dieses Projekt ins Leben gerufen haben und gemeinsam an der Umsetzung zusammenarbeiten, sind:

  • Bezirksjugendring Schwaben (Koordination des Projekts)
  • Stiftungsfachhochschule München/Benediktbeuern
  • (wissenschaftliche Begleitung durch Prof. Dr. Gerhard Kral, vertiefte Bearbeitung durch eine Diplomarbeit)
  • Patenprojekt der Bayrischen Jugendarbeit (fachliche Unterstützung der Arbeit vor Ort durch Frau Bronner, mit Unterstützung durch eine Praktikantin)
  • Migrationsdienst des Diakonischen Werks Nördlingen
  • (Arbeit mit den Jugendlichen im Jugendzentrum Nördlingen, Frau Kögl, Herr Töpfer)

Ziele dieses Projekts sind:

  • Entwicklung eines Bausteins zur politischen Bildung für jugendliche Zuwanderer, der möglichst genau auf die Zielgruppe zugeschnitten ist.
  • Bei den Jugendlichen Interesse für Kommunalpolitik und für einfache politische Zusammenhänge in der Kommune.
  • Die Jugendlichen sollen politische Institutionen kennen lernen Kommunalpolitik soll erlebbar werden!
  • Die Jugendlichen sollen sich am gesellschaftlichen Leben in Nördlingen besser beteiligen können.
  • Bei einer erfolgreichen Erprobung soll as Projekt bayernweit zur Nachahmung empfohlen werden.

Über die Ergebnisse der Exkursionen wird in der »Woche der ausländischen Bürger« vom 29.09.08 – 04.10.08 berichtet werden. Unter anderem wird auch die Presse dazu eingeladen.

Hier wird den Jugendlichen ein Zertifikat für ihre Bemühungen und ihr Engagement überreicht.