Interview mit Martin Schwiersch, Leiter der Jugendbildungsstätte Hindelang
Veröffentlicht am 18. Dezember 2008 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2008/12/interview-mit-martin-schwiersch-leiter-der-jugendbildungsstatte-hindelang/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:22 Uhr
Mit Dr. Martin Schwiersch, Leiter der Jugendbildungsstätte Hindelang, sprachen wir über seine Arbeit. Lesen Sie im Folgenden über die Einrichtung in Hindelang und wie Politische Bildung in der Bildungsstätte verwirklicht wird.
Herr Schwiersch welchen Beruf, welche Ausbildung haben Sie?
Ich bin von Beruf gelernter Diplompsychologe, Psychotherapeut und staatlich geprüfter Berg- und Skiführer.
Seit wann sind Sie Leiter der Jugendbildungsstätte (Jubi)?
Seit Ende 2006 leite ich die Jubi und jetzt, Ende 2008, werde ich die Leitung wieder abgeben.
Wer ist der Träger der Jubi?
Träger der Jugendbildungsstätte ist der Deutschen Alpenvereins e. V. (DAV).
Welche Zielsetzung bzw. welchen Aufgabenbereich hat die Jubi?
Die Jugendbildungsstätte des Deutschen Alpenvereins dient der Bildung junger Menschen und der Weiterbildung für Multiplikatoren der Jugendarbeit unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sozialem Status und Religion.
Bewegungs- und handlungsorientierte Angebote im Naturraum um die Jugendbildungsstätte sind das Metier ihrer Arbeit. Dies findet seinen Ausdruck im Motto »Berge – Bewegung – Bildung«.
Zielsetzungen und Aufgaben der Jugendbildungsstätte:
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Die Jugendbildungsstätte ist die zentrale Bildungs- und Ausbildungsstätte der Jugend des Deutschen Alpenvereins und dient der alpinen und pädagogischen Qualifikation der JugendleiterInnen. Sie leistet eine Verknüpfung der alpinen und pädagogischen Ausbildung und hat in beiden Bereichen Kompetenz.
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Die Jugendbildungsstätte soll Jugendlichen Einblick in gesellschaftliche Zusammenhänge ermöglichen. Sie greift bei ihren Angeboten jugend- und gesellschaftspolitisch interessante Themen auf und leistet so ihren Beitrag zur Erziehung mündiger Staatsbürger.
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Die Kurs- und Bildungsarbeit der Jubi findet in der Allgäuer Natur- und Kulturlandschaft statt. Wir wollen Natur als Erlebnisraum erfahrbar machen. Das natürliche Umfeld der Jugendbildungsstätte ist ein ökologisch sensibler und schützenswürdiger alpiner Natur- und Kulturraum. Damit bewegt sich die Arbeit der Jugendbildungsstätte im Spannungsfeld zwischen zwei Werten: der freien Unternehmung in Natur und der Schutzwürdigkeit von Natur. Unter der verbindenden Leitidee einer Bildung für nachhaltige Entwicklung will die Jugendbildungsstätte hier im doppelten Wortsinn gangbare Wege aufzeigen.
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Die Jugendbildungsstätte wirkt im Sinne der Völkerverständigung und ist im Rahmen des internationalen Jugendaustausches tätig.
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Die Jugendbildungsstätte bietet Jugendgruppen des DAV die Möglichkeit für kostengünstige, sinnvoll genutzte Ferien- und Freizeitaufenthalte. Sie stellt den Jugendgruppen ihre Infrastruktur und ihr Know How zur Verfügung.
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Die Jugendbildungsstätte soll bei den TeilnehmerInnen von offenen Maßnahmen die Motivation wecken, sich langfristig an den Verband zu binden.
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Die Jugendbildungsstätte stellt ihre Kompetenz vor allem in den Bereichen Erlebnis- und Ökopädagogik nach außen dar und nimmt am pädagogischen Diskurs teil durch Veröffentlichungen und die Teilnahme an Tagungen etc..
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Die Jugendbildungsstätte soll Experimentierfeld sein, um Ideen und Konzepte zu entwickeln und diese auf ihre pädagogische Wirksamkeit und Realisierbarkeit hin zu überprüfen.
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Die Jugendbildungsstätte ist dabei für den gedanklichen Austausch und für die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Organisationen offen.
(Siehe hierzu auch auf der Homepage der Jubi www.jubi-hindelang.de (http://www NULL.jubi-hindelang NULL.de/)).
Welche Zielgruppe spricht die Jubi an bzw. welches Klientel besucht die Jubi?
Zielgruppen der Arbeit der Jugendbildungsstätte Hindelang sind
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Jugendleiterinnen und Jugendleiter des Deutschen Alpenvereins
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Kinder und Jugendliche des Deutschen Alpenvereins
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Familiengruppen des DAV
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Multiplikatoren in der Jugendarbeit
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Schulklassen, Auszubildendengruppen, Jugendverbandsgruppen, Gruppen von Jugendhilfeeinrichtungen
Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehört neben der außerschulischen Jugendbildung unter anderem auch die politische Bildung, gemäß § 11 III Nr. 1 SGB VIII (KJHG).
Wie setzen Sie die politische Bildung in der Arbeit der Jubi um? Wie gestaltet sich dies im aktuellen Bildungsprogramm für 2009?
Das Thema »Politische Bildung« wird in unserem Haus und in der Arbeit des JDAV speziell in den Bereichen Jugendleiterschulung und Jugendverbandsarbeit vermittelt.
In der Jugendleiterschulung wird in der Aus- und Weiterbildung der Jugendleiter das Thema so speziell und gezielt nicht vermittelt. Es wird viel mehr durch alpenvereinsspezifische Themen verbunden. Beispielsweise Fortbildungen zum Thema »Naturraum Elbstandsteingebirge und die politischen Rahmenbedingungen«; »Sterbende Gletscher. Hochtouren und Klimawandel«; »Tu was! Umweltbaustelle Niederelbehütte«; »No limits – Risikoverhalten von Jugendlichen«
(Siehe hierzu auch das umfangreiche Programm unter www.jdav.de (http://www NULL.jdav NULL.de/)).
Zum anderen werden die Jugendleiter der Jugendverbandsarbeit in die Gremienarbeit eingeführt. Sie lernen hier, dass sie durch Mitwirken auf der Sektionsebene (= kommunale Ebene) Einfluss nehmen können. Beispielsweise bei den Inhalten im Jahresprogramm oder wie Jugendfreizeiten vom DAV mitfinanziert werden.
Auch auf Landes- und Bundesebene können die Jugendleiter sich entsprechend einbringen. So fand beispielsweise eine Delegiertenversammlung der Bundesjugend des DAV mit rund 400 Jugendleiterinnen und Jugendleitern statt. Bei solchen Versammlungen können wegweisende Zielsetzungen in der Arbeit des JDAV auf Landes- und Bundesebene entschieden werden.
Weiter besteht die Möglichkeit sich darüber hinaus in den Stadtjugendringen zu engagieren.
Im weiteren Sinne ist damit auch die politische Vernetzung der Jubi und der Gemeinde Bad Hindelang gemeint. Wie wird dies im Konkreten gestaltet? Welchen Einfluss kann die Jubi auf Entscheidungen der Gemeinde Bad Hindelang nehmen?
Die Jubi kann formell und informell bei Entscheidungen in der Gemeinde Bad Hindelang Einfluss nehmen.
Hier ist formell ein wichtiger Punkt, dass der Deutsche Alpenverein ein anerkannter Naturschutzverband ist. Besonders in Belangen des Naturschutzes wird die Jubi von der Gemeinde zu Rat gezogen. Wenn es beispielsweise um den Bau eines neuen Liftes oder der Ausbau des Wasserkraftwerkes im Hintersteiner Tal geht, so bekommt das Team der Jubi Einsicht in die Baupläne. Anschließend wird, nach fachlicher Einschätzung und Diskussion, eine Stellungnahme zum entsprechenden Bauprojekt verfasst.
Wichtiger Aspekt bei der Stellungnahme ist immer den Naturraum Alpen zu schützen und zu sichern.
Informell wird die Jubi speziell bei jugendbezogenen Fragen von Politikern um Standpunkte und Meinungen gefragt.
Herr Schwiersch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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