Interview mit der ehemaligen Bezirksschülersprecherin Judith Bürzle
Veröffentlicht am 20. Januar 2009 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2009/01/interview-mit-der-ehemaligen-bezirksschulersprecherin-judith-burzle/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:36 Uhr
Judith Bürzle aus Illertissen vertrat von November 2007 – November 2008 als Bezirksschülersprecherin die Interessen der Gymnasiasten des Bezirks Schwaben. Wir haben mit ihr über ihre Amtszeit gesprochen und interessante und aufschlussreiche Antworten bekommen.
align=«left«>Anfang November hast Du als Bezirksschülersprecherin für die schwäbischen Gymnasien aufgehört. Wenn Du auf Deine Zeit in dieser Funktion zurückblickst, welche Ziele hattest Du Dir gesteckt und welche konntest Du davon verwirklichen?
Für mich war es stets wichtig, an die Schülerinnen und Schüler Informationen weiterzureichen, damit sie so erfahren, wo ihre Beteiligungsmöglichkeit liegen, und was sie am Ort Schule ganz nach ihren Vorstellungen verändern können. Zudem habe ich durch zahlreiche bezirksweite Tagungen versucht, die Schülervertreterinnen und Schülervertreter aus den verschiedensten Ecken Schwabens zu vernetzen, damit sie sich einerseits mit neuen Ideen anstecken, aber auch gemeinsam Projekte durchführen können. Ich wollte stets ein offenes Ohr haben, für die Personen, die mich einst gewählt haben.
Leider konnte ich meine Vorstellung eines besseren, gerechteren Schulsystems nicht in die Tat umsetzen und musste hier die Grenzen des Möglichen erkennen.
align=«left«>Gibt es Erfahrungen, die für Dich sehr wichtig waren?
Wie man eine Idee seinem Gegenüber präsentiert, wie man mehrere Personen in einen Arbeitsprozess mit einbindet, so dass jeder seinen Platz finden kann und sich keiner ausgeschlossen fühlt, wie ich mit Menschen umgehe, die mir nicht wohlgesonnen sind, mit denen ich aber trotzdem zusammenarbeiten muss.
Dies waren nur einige von vielen, neuen Erfahrungen, die ich im Umgang mit Menschen gesammelt habe, und die mir sicherlich mein ganzes Leben über nützen werden, ob im beruflichen oder privaten Bereich.
Aber natürlich konnte ich auch in die interessanten Felder der Moderation, der Rhetorik und des Zeitmanagements hinein schnuppern, was für mein Engagement in der Schülervertretung sehr hilfreich war und ist.
align=«left«>Du hattest auch Kontakte zu Personen aus der Politik, zu Behörden und zu Institutionen. Wie hast Du Dein politisches Umfeld erlebt?
Ich konnte sehr viele interessante, vielfältige Persönlichkeiten kennenlernen, die mich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung unterstützten, die mich bei meinem Jahr begleiteten und ohne die es mir oftmals schwer gefallen wäre, Projekte durchzuführen. Auch wenn ich selbstverständlich in Ministerien oder in der Politik auf Widersacher gestoßen bin, die meine Vorstellungen nicht teilten und mir deshalb manches Mal versuchten, Steine in den Weg zu legen, überwiegten die positiven Erfahrungen.
align=«left«>Politische Bildung im Gymnasium: Inwieweit findet die Politik vor der Haustür im Unterricht Beachtung, bzw. wird diese wahrgenommen?
Ich denke, die Voraussetzung für ein politisches Interesse bei den Schülerinnen und Schülern, egal welcher Schulart, ist, dass sie sehen, dass sie mit ihrem Engagement etwas bewegen und verändern können, dass sie als Gegenüber ernst genommen werden, dass man sie in Entscheidungen mit einbezieht.
Dies kommt, meiner Meinung nach, in der überwiegenden Zahl der bayerischen Schulen zu kurz. Demokratie wird an Schulen nicht gelebt, Schule ist viel mehr eine beinahe demokratiefreie Zone.
Ohne das aktive Ausleben von Demokratie an Schulen, kann auch kein Interesse für Politik, ob nun auf Kommunal-, Bezirks-, Landes- oder Bundesebene geweckt werden.
align=«left«>Wie ist Deine Einschätzung: Interessieren sich Gymnasiasten für die Kommunalpolitik? Wenn ja, was ist ihnen in diesem Bereich wichtig?
In meinem Jahr als stellvertretende Bezirksschülersprecherin der Gymnasien Schwabens durfte ich vielen engagierten Schülerinnen und Schülern begegnen, die sich oftmals, über ihre eigene Schule hinaus, aktiv am politischen Leben in ihrem Ort beteiligt haben. Sie waren in Jugendparlamenten aktiv und haben sich für die Interessen der Jugendlichen in ihrem Ort eingesetzt.
Vor allem bleibt mir stets der Besuch bei der Stadtschülervertretung Beweis e.V. in Weißenhorn in Erinnerung, deren Mitglieder sich mit all ihrer Kraft und Zeit für ein Jugendhaus in Weißenhorn eingesetzt haben.
align=«left«>Stichwort Politische Bildung: Kannst Du uns gelungene Beispiele/Projekte von Schülern/Schulen aus Schwaben in diesem Bereich nennen?
Was mich in diesem Jahr äußerst gefreut hat, war, dass Schülerinnen und Schüler in Augsburg aus eigener Kraft heraus die Augsburger Stadtschülervertretung »Sofa« wieder gegründet haben.
Hier kommen nun viele innovative Köpfe zusammen, die gemeinsam an Projektideen feilen und Veränderungen anstoßen.
Judith, wir danken Dir für das Gespräch!

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