Preisverleihung der LEW des Innovationspreises »Volle Energie 2008« in Memmingen
Veröffentlicht am 18. Januar 2009 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2009/01/preisverleihung-der-lew-des-innovationspreises-volle-energie-2008-in-memmingen/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:41 Uhr
Am 27. November 2008 wurde in Memmingen zum dritten Mal der Innovationspreis »Volle Energie« der LEW (Lech-Elektrizitäts-Werke) mit rund 2500 € Preisgeld für Projekte in der Offenen Jugendarbeit vergeben. Bei dieser Aktion konnten sich Jugendgruppen, Jugendtreffs und Jugendzentren aus ganz Schwaben bewerben und teilnehmen. Wir stellen Ihnen im Folgenden die Projekte der erstplatzierten Gruppe vor.
Insgesamt ist das Interesse an diesem Preis steigend: So haben sich im 1. Jahr neun, im 2. Jahr schon 15 und dieses Jahr 19 Gruppen aus Jugendeinrichtungen und Initiativgruppen aus ganz Schwaben beteiligt. Von Kempten bis Nördlingen und von Senden über Augsburg bis Kaufbeuren. Die Projekte wurden zu den vier Themenbereichen: »Kultur und Kunst«, »Migration und Vielfalt der Kulturen«, »Sucht und Gewalt« sowie »Politik und Engagement« eingereicht. Rund 1500 Jugendliche haben bei den 19 Projekten mitgewirkt. Der Wettbewerb ist in Bayern einmalig. Besonders in der Eröffnungsrede von Ulrich Kühnl, Vorstand der LEW, wie in den Grußworten von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, von Josef Miller (ehemaliger Landwirtschaftsminister) und von Dr. Ivo Holzinger, Oberbürgermeister der Stadt Memmingen, wurde die Jugendarbeit als ein wichtiges Medium in der Bildung und Erziehung von jungen Menschen genannt. »Jugend muss gefördert und gefordert werden«, so die Aussage des MdL Miller.
Die vier Preise gingen an die folgenden Gruppen (mit Themenbereich):
- 1. Preis (1000,- €): »Spielplatzbewertung, Pflastersteinaktion, Vorlesestunde und Podiumsdiskussion«, MJ Group Meitingen (Politik und Engagement)
- 2. Preis (750,- €): »Begegnungen mit der Zukunft«, Jugendzentrum Sankt Mang in Kempten (Kultur und Kunst)
- 3. Preis (500,- €): »Anti-Alk-Koffer«, Jugendhaus Augsburg-Pfersee (Sucht und Gewalt)
- 4. Preis (250,- €): »Bandarbeit mit dem Orchester Diamant«, Jugendhaus H2O in Augsburg (Migration und Vielfalt der Kulturen)
Die Mitglieder der erstplazierten Gruppe haben ihre Beiträge für uns zusammengefasst:
Die MJ Group Meitingen besteht aus rund 20 Jugendlichen. Sie haben 4 Projekte eingereicht.
1. Projekt: Spielplatzbewertung
Idee
Als Preisträger von »Jugend hilft« waren wir im Herbst 2006 von Bundespräsident Herrn Köhler und seiner Frau als Schirmherrin auf Schloss Bellevue in Berlin eingeladen. Dort lernten wir andere Jugendgruppen kennen, die ebenfalls ausgezeichnet wurden. Besonders beeindruckte uns das »Spielplatzprojekt« des Kinder- und Jugendbeirates aus Ahrensburg. Dieses Projekt wollten wir für den Markt Meitingen übernehmen.
Bei diesem Projekt bewerten Kinder ihre Spielplätze hinsichtlich des Spiel- und Spaßfaktors und können Altersempfehlungen aussprechen. Der Erhebungen liefern Aussagen über die bestehenden Spielplätze untereinander und bieten Gestaltungsanregungen bei der Planung oder Verbesserung neuer Spielplätze.
Durchführung
Wir stellten unser Vorhaben dem Bürgermeister und den Gemeinderäten in Meitingen vor. Die MJ-Group hatte dabei das Gefühl, dass sie mit ihrer Aktion keine offenen Türen einrannte. Begeisterung war vorerst nur auf unserer Seite. Verständlich?! Wir mussten überzeugen, dass es uns nicht um das Auflisten von Negativem ging, sondern darum, dass wir durch die Mitwirkung von den Betroffenen (Kindern, Eltern, Nachbarn etc.) einen konstruktiven Beitrag für die Meitinger Spielplätze leisten wollen. Große Unterstützung und fachlichen Rat erhielten wir vom Fachberater Herrn Frey des Landratsamtes Augsburg. Der Kreisjugendring Augsburg-Land gab uns gute Hinweise zur Durchführung.
Um die Begehung der Spielplätze organisieren zu können, erbaten wir bei der Gemeindeverwaltung um die Auflistung aller gemeindlichen Spielplätze. Die Überraschung war groß: es gibt 19 Spielplätze. Gleichzeitig ließen wir uns den Plakat-Aushang in den Kindergärten und Schulen genehmigen. Die Gruppensprecherinnen Magdalena Eller und Janina Hell erstellten einen Zeitplan, organisierten Bewertungsgruppen und einen Fahrdienst. Vom Jugendrat der Gemeinde beteiligten sich 4 Mitglieder teilweise an der Begehung. Erfreulicherweise nahmen mehrere amtierende Markträte, zwei Bürgermeisterkandidaten und Gemeinderatskandidaten an der Begehung teil. Herr Frey vom LRA nahm sich den ganzen Tag zur Begehung und später zur Auswertung für uns Zeit. Die Auswertung der Spielplätze war nicht einfach, ja sie nahm mehr Zeit in Anspruch als die eigentliche Begehung. Die eindeutigen Bewertungskriterien hätten besser vorher genau definiert werden sollen. Manchen Spielplatz schauten wir uns deshalb ein zweites Mal an.
Öffentlichkeitsarbeit
Mit Plakaten in Kindergärten und Schulen, Einladung des Bürgermeisters und der Marktgemeinderäte, Presseberichten in der Augsburger-/ Wertinger- Zeitung, Stadtzeitung, dem »Meitinger«, im Bürgerbrief machten wir auf unsere Aktion aufmerksam. Eine Reporterin des Bayerischen Rundfunks berichtete während einer Spielplatzbewertung und führte Interwiev mit Kindern und Erwachsenen durch.
Präsentation der Spielplatzbewertung im Marktgemeinderat
Das Ergebnis unserer Aktion stellten wir mittels einer PowerPoint-Präsentation im Marktgemeinderat vor. Selten ist der Sitzungssaal so voll – aber unsere Mädels und Jungs gaben uns moralische Schützenhilfe und belegten alle Stühle. Der Bürgermeister und jedes Ratsmitglied erhielt unsere Präsentation auch in schriftlicher Form.
Erfolg
Wir erhielten Lob für unsere Arbeit. Eine finanzielle Anerkennung wurde in Aussicht gestellt. Leider aber bis heute nicht eingegangen. Es wurden 30.000 € für die Verbesserung und Ausstattung der Spielplätze im Haushalt berücksichtigt. Es haben sich drei Elterninitiativen gebildet. Herr Frey als Fachberater des LRA hat mit Elternvertretern einen Spielplatz in Langenreichen geplant. Die Kinder freuten sich über die Umsetzung.
Erfahrung
Die Auswertung und die Auseinandersetzung mit dem Thema erforderten einen großen zeitlichen Aufwand. Ein guter Spielplatz ist mehr als nur das Aufstellen eines Multifunktionsgerätes – wir haben umfangreiche Ideen eingebracht. Die Mädels und Jungs der MJ-Group wollten den Jugendrat mit einbinden, dies ist uns nur mäßig gelungen.
Wir waren mit dem Ergebnis der Aktion sehr zufrieden und bekamen eine gute Presse. Aber – die Auswertung hätte uns bald geschafft!!! Wir schauen jeden Spielplatz jetzt mit anderen Augen an. Es würde uns freuen, wenn die eine oder andere Idee von uns verwirklicht würde.
Für die Zukunft
Im Frühjahr 2009 wird die MJ-Group ein Resümee nochmals Resonanz über diese Aktion ziehen, sich jeden Spielplatz nochmals ansehen und eine Abschlussbilanz erstellen. Weitere Gespräche mit dem neuen Bürgermeister sind bereits geplant.

2. Projekt: Pflastersteinaktion
Idee
Seit Jahren engagieren wir uns ehrenamtlich im Johannesheim Meitingen. Während der Besuche bei den älteren Menschen haben sich &u
uml;ber die Zeit gute und freundschaftliche Beziehungen entwickelt. Bei dieser Gelegenheit vertrauten sie uns auch ihre Besorgnis darüber an, dass durch den Neubau der Straße und des Gehweges vor dem Heim die Spazierfahrten gefährdet seien. Der Fußweg wurde mit großem Kopfsteinpflaster belegt. Mit dem Gehwagen oder Rollstuhl ist diese Hürde nur mit großem Kraftaufwand zu meistern.
Durchführung
Wir begutachteten zusammen mit den Senioren die Situation. In der Gruppe überlegten wir, wie wir die älteren Menschen in ihrem Anliegen unterstützen könnten. Wir suchten Unterstützung bei Gemeinderäten. Die »Gehwegsituation« wurde im Gemeinderat behandelt.
Erfolg
Im Kopfsteinpflaster wurden Granitstreifen so eingebracht, dass mit dem Rollstuhl ein besseres Befahren möglich ist. Es ist zwar nicht die Superlösung – die Platten wären querverlegt besser gewesen – aber unsere Senioren freuten sich mit uns über die Verbesserung.
Erfahrung
Die Senioren waren froh, dass wir uns für sie eingesetzt haben. Nicht wenige hatten Bedenken, dass sie evtl. Nachteile im Heim haben, sich dagegen auszusprechen. Die Gruppe war sich einig, uns kann nichts passieren. Außerdem waren wir der Meinung, dass es positiv ist, sich für ältere Menschen stark zu machen. Wir wurden von vielen Menschen – außerhalb des Heimes – auf die Aktion angesprochen. Manche hatten sich erst nach der Berichterstattung in der Zeitung mit unserem Bild über den »unglücklichen« Kopfsteinpflasterbelag gewundert. Immer wenn wir jetzt den Gehweg benutzen freuen wir uns über die Verbesserung! Es ist ein gutes Gefühl.

Die Ausgangssituation vor der Aktion

Die eingebauten Granitstreifen nach der durchgeführten Aktion
3. Projekt: Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten Rudolf Helfert, Dr. Michael Higl und Matti Müller am 13.2.08, 19 Uhr in der Gemeindehalle in Meitingen. Moderation durch Alex Kunz vom Radio rt1.nordschwaben.
Idee des Projektes – Zielgruppe
Angeregt durch den Bezirksjugendring Schwaben wollten wir in unserer Marktgemeinde Meitingen möglichst viele Jungwähler und vor allen Dingen Erstwähler motivieren, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Jugendlichen sollten die Bewerber live erleben, Fragen stellen können und sich dann entscheiden.
Organisation
Wir planten eine Podiumsdiskussion und luden die drei Bürgermeisterkandidaten dazu ein. Der Rundfunksprecher Axel Kunz vom Radio rt1.nordschwaben war von unserer Idee so angetan, dass er sofort bereit war, kostenlos die Moderation des Abends zu übernehmen. Die MJ-Group entwickelten einen Fragenkatalog aus den Bereichen Verkehr, Wirtschaft/Arbeitsplätze, Jugend und Soziales. Fragen aus der Bevölkerung konnten am Abend gestellt werden oder vorab eingereicht werden.
Finanzierung
Wir stellten unser Vorhaben schriftlich beim Bürgermeister vor. Die Gemeindehalle mit der notwendigen Technik wurde uns kostenlos überlassen. Unseren Brief an die 750 Erstwähler durften wir bei der Gemeindeverwaltung ausdrucken und einkuvertieren. Die Portokosten übernahm ebenfalls die Gemeinde.
Öffentlichkeitsarbeit
Veranstaltungshinweise in der Augsburger Zeitung, Wertinger Zeitung, Rundfunk, Stadtzeitung, »Meitinger«, Bürgerbrief, Plakate in den Geschäften, Handzettel, Erstwählerbriefe, Einladung an die Presse.
Verlauf
Die Diskussion verlief sachlich und zum Teil humorvoll.Die Moderation war professionell und sehr fair.
Erfolg
Neben vielen Jugendlichen haben Wähler aller Altersklassen unser Angebot genützt. Viele Besucher fanden unsere Veranstaltung »notwendig« und ganz »toll«. Viele Jungwähler waren das erste Mal auf einer Wahlveranstaltung, waren überrascht und fanden es spannend. Insgesamt kamen über 600 Personen zur Podiumsdiskussion. Unser Schulleiter gratulierte zu unserem Erfolg und war stolz. Die Mädels und Jungs waren sichtlich beeindruckt von ihrer »1. Politveranstaltung«, die Erstwählerbriefe kamen gut an. Die Plakataktionen haben sich gelohnt.
4. Projekt: Vorlesestunde
Ein weiteres Projekt nennt sich Vorlesestunde. Wir lesen Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren in der Gemeinde Bücherei Meitingen vor.
- Die Vorlesestunde findet 14-tägig, freitags von 16.00 bis 17.00 Uhr statt.
- Die Eltern vertrauen uns die Kinder an.
- Wir begrüßen unsere kleinen Gäste und teilen sie dann in überschaubare Vorlesegruppen auf.
- Es hat sich auch eine »Boy-group« herauskristallisiert: Große Jungs lesen für kleine Jungs (Feuerwehr-, Abenteuer-, Polizeigeschichten, etc.) – kommt super an!
- In die ausgewählten Geschichten werden passende Utensilien eingebaut, z.B. Kuscheltiere, Kerzen, Kostüme…
- Vor Weihnachten kommen die Engel (Das sind Mädchen aus unserer Gruppe verkleidet.) und holen die Wunschzettel ab. Ein kleines Präsent vom Christkind darf dabei nicht fehlen.
- Besonders gerne malen die Kinder die Märchenfiguren aus den Geschichten.
- Das Highlight für die Kinder ist ein gemeinsamer Tanz oder ein Lied am Ende der Vorlesestunde.
- Bevor wir die Kinder wieder ihren Eltern übergeben, erhalten sie ein kleines, aber feines Geschenk.
Wie auch im Frühjahr 2006 so fand die »Vorlesestunde« über die Wintermonate in 2006/2007 und 2007/2008 bei Kindern und Eltern großen Anklang. Uns besuchen zwischen 30 und 50 kleine Zuhörer.
Wir bereiten diese Nachmittage durch gezielte Auswahl der Bücher gründlich vor. Wir wollen den Kleinen die Freude am Buch, am Zuhören sowie das Erleben in der Gemeinschaft aufzeigen.


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