Die Neun in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts – Teil II

Geschrieben von Sebastian Schober (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 25. Juni 2009 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2009/06/die-neun-in-der-deutschen-geschichte-des-20-jahrhunderts-teil-ii/>
Abgerufen am 30. Juli 2010 um 19:37 Uhr

20 Jahre Mauerfall

Unvergessen sind die Bilder, die damals in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 um die Welt gingen. Bilder, die auch heute noch Millionen von Herzen bewegen und unzählige Menschen zu Tränen rühren. Bilder von kilometerlangen Trabbi-Kolonnen, die die innerdeutsche Grenze passieren. Bilder von ausgelassen tanzenden Menschenmassen auf der Mauer, die damals noch als Symbol des Ost-West Konfliktes galt und Deutschland teilte. Bilder, die durchaus auch das Ende einer tragischen Geschichte erzählen. Die Geschichte einer 40 Jahre andauernden, nach dem Mauerbau 1961 28 Jahre hermetisch abgeriegelten Trennung und eines Kampfes gegen die Unterdrückung, dem so viele Menschen zum Opfer fielen.

Als Auslöser für die beschriebenen Bilder gelten die Massenkundgebungen, insbesondere die Montagsdemonstrationen in Leipzig, in der Wendezeit seitens der Bevölkerung der DDR und ihre Forderung nach Reisefreiheit. Hierdurch unter Zugzwang geraten, setzt sich das Zentralkomitee (=ZK) der SED am 9. November 1989 mit dem Thema Reisefreiheit auseinander und beschließt ein neues Reisegesetz. Auf der anschließenden Pressekonferenz kommt es dann aufgrund eines Versprechers des ZK-Mitgliedes Schabowski noch in der besagten Nacht zu einem Ansturm der Bevölkerung auf die Grenzübergänge. Dem Andrang der Massen nicht gewachsen, fallen letztlich gegen 23 Uhr die Schlagbäume. Dies wiederum führt im Laufe des folgenden Jahres, durch den Beitritt der DDR in den Geltungsbereich des Grundgesetzes, zum Vollzug der Wiedervereinigung. Legitimiert wurde dieser Prozess durch den so genannten »Zwei-plus-Vier-Vertrag«. In diesem geben die vier Siegermächte ihre zu diesem Zeitpunkt noch verbliebenen Rechte gegenüber Deutschland auf. Das bedeutete zugleich auch die Souveränität der nun wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland.

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Auch wenn es schon damals klar war, dass eine Wiedervereinigung einen großen Kraftakt für alle Beteiligten darstellen würde, und nicht von selbst in kurzer Zeit »blühende Landschaften« sprießen würden, so bestand Konsens, dass diese historisch einmalige Herausforderung mit Solidarität und vereinten Kräften zu schultern und zu meistern sein wird. Heute allerdings werden mehr und mehr Stimmen laut, die sich eine Rückkehr in die »gute alte DDR-Zeit« wünschen. Politische Bildung steht hier vor der Herausforderung, über das Unrecht des SED-Regimes, die Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit, die Bestrafung der »Republikflucht« sowie über die Kontroll- und Einschüchterungsmethoden der Staatssicherheit zu informieren. Ferner gilt es die Geschehnisse der Geschichte transparenter und somit versteh- und nachvollziehbarer zu machen. Die hierdurch erreichte Sensibilisierung kann dazu beitragen, dem Erstarken demokratiefeindlicher Strömungen entgegenzuwirken und den vor uns liegenden Weg bewusster gestalten und gehen zu können.

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