»Die Jugendbeauftragten in den Kommunen sollen nachhaltig unterstützt werden.« – Ein Interview mit Erich Nieberle.

Geschrieben von Renate Beljan (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Januar 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/01/die-jugendbeauftragten-in-den-kommunen-sollen-nachhaltig-unterstutz-werden-ein-interview-mit-erich-nieberle/>
Abgerufen am 4. September 2010 um 03:32 Uhr

Hinsichtlich eines neuen Projektes des Bezirksjugendrings Schwaben, in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Jugendarbeit/Kreisjugendring Ostallgäu, zur Weiterbildung der Gemeindejugendbeauftragten hinsichtlich Partizipationsmöglichkeiten Jugendlicher in der Kommunalpolitik, haben wir ein Interview mit Erich Nieberle, Kreisjugendpfleger und Geschäftsführer des KJR Ostallgäu, geführt.

Wie lange gibt es die Zusammenarbeit zwischen Jugendbeauftragten und Kommunen schon? Welche Themen werden bei den Treffen angeboten?

Jugendbeauftragte in den Gemeinden gab es bereits Ende der 90er Jahre bayernweit. Da es damals noch etwas Neues war, begann auch im Landkreis Ostallgäu die Zusammenarbeit mit den Jugendbeauftragten als zartes Pflänzchen. Zwar waren und wurden Ziele und Aufgaben bereits definiert, aber das Bild des Jugendbeauftragten war noch etwas diffus. So waren es auch in unserem Landkreis von 45 Gemeinden nur sieben gewählte bzw. bestellte Jugendbeauftragte. Dies änderte sich bereits sehr bei den Kommunalwahlen 2002, als in unserem Landkreis schon über 30 Jugendbeauftragte benannt waren. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Zusammenarbeit auch institutionalisiert, zum Beispiel regelmäßige Jugendbeauftragtentreffs mit bedürfnisorientierten Themen. Bei den Kommunalwahlen 2008 beriefen bereits 43 (von 45) Gemeinden Jugendbeauftragte.

Für welche Themen gibt es einen Bedarf?

Die Entwicklung quantitativ wie qualitativ – siehe vorherige Frage – war sehr intensiv, die Themen sind als durchgängig anzusehen: Alkohol (Missbrauch) und damit verbunden Diskussionen um präventive Ansätze und zum eingreifenden Jugendschutz. Mit dem Thema gehen zum Beispiel Richtlinien und Musterordnungen für die Bauwagenszene im ländlichen Bereich einher. Finanziellen Fördermöglichkeiten im Jugendbereich und die Befassung mit Lehrstellenmangel oder Jugendarbeitslosigkeit gehören ebenso zum Spektrum. Ein Fokus lag auch schon immer auf Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche in ihren Gemeinden; wie können Jugendliche in der Kommunalpolitik besser teilhaben oder teilnehmen: also das Thema, das den Schwerpunkt in diesem Jahr im Rahmen der Politischen Bildung Schwaben in Zusammenarbeit mit der KSFH Benediktbeuern bilden wird.

Wie nachhaltig ist die Zusammenarbeit, wie wird die Zusammenarbeit eingeschätzt?

Durch die Regelmäßigkeit der Jugendbeauftragtentreffs, durch daraus sich ergebende Kontakte, durch die gemeinsame Befassung mit den oben genannten Themenkreisen, durch Fortbildungsangebote auf verschiedenen Ebenen, konnte die Zusammenarbeit mit und zwischen den Jugendbeauftragten sehr nachhaltig gestaltet werden.

Wie kann die Zusammenarbeit weiterentwickelt werden?

Es ist das klar formulierte Ziel für 2010, die Jugendbeauftragten noch besser zu unterstützen und die Vernetzung zu intensivieren. Politische Bildung für Jugendliche soll dabei den Schwerpunkt bilden. Die bestehenden Beteiligungsformen, die in vielen Gemeinden auch intensiv gepflegt werden, sollen weiterentwickelt und differenziert bzw. durch projektbezogene Formen facettenreicher werden. Die Förderung von Prozessen dient einer größeren Nachhaltigkeit und Methodenvielfalt: Projekt »Politische Beteiligung und Mitwirkung in der Kommune«.

Wie viele Jugendbeauftragte gibt es derzeit?

Im Landkreis Ostallgäu, wie bereits oben erwähnt, sind in derzeit 43 Gemeinden (von 45) Jugendbeauftragte benannt. Da in einer Reihe von Gemeinden, Märkten, Städten mehrere Personen als Jugendbeauftragte fungieren, gibt es im Moment 61 Jugendbeauftragte.

Wie kommt der Kontakt zu den Jugendlichen zustande?

Derzeit gibt es im Landkreis zwei institutionalisierte Jugendparlamente, in circa der Hälfte der Gemeinden formelle Beteiligungsformen, wie Jungbürgerversammlungen, einige informelle Beteiligungsformen (Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen). In allen Gemeinden, Märkten und Städten spielen selbstverständlich die Vereine und Verbände eine sehr wichtige Rolle. Vor allem in den kleineren Gemeinden sind selbstverständlich die informellen Kontakte vorhanden.

Mit dem nun gestarteten Projekt »Politische Beteiligung und Mitwirkung in der Kommune« werden Jugendliche, bzw. formelle und/oder informelle Gruppen, gezielt durch die Jugendbeauftragten angesprochen.

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