»Oase der Friedfertigkeit« – 1. Preis des LEW-Wettbewerbs 2009
Veröffentlicht am 31. Januar 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/01/oase-der-friedfertigkeit-1-preis-des-lew-wettbewerbs-2009/>
Abgerufen am 5. Februar 2012 um 13:07 Uhr
Dienstag, 26. Januar 2010. Grund- und Hauptschule Pfaffenhausen, Gruppenraum von Frau Neß: 8 Mädchen und 2 Jungen warten zusammen mit dem Pfaffenhausener Bürgermeister Roland Krieger und Sozialpädagogin Frau Neß gespannt auf die Vertreterin der Politischen Bildung Schwaben um »Ihr« Projekt vorzustellen. Als Gewinner JUZE des LEW-Wettbewerbs »Volle Energie 2009« sind sie zwar Pressetermine schon gewöhnt, man könnte beinahe sagen »Alte Hasen« in der Öffentlichkeitsarbeit, aber spannend und aufregend ist es immer wieder. Deshalb sind die Jugendlichen auch bestmöglich auf das Interview vorbereitet. Der Jugendrat, der im JUZE fest installiert ist, macht den Anfang in der Vorstellungsrunde. Und dann trauen sich auch die anderen Pfaffenhausener und stellen sich einzeln vor. Nachdem das Eis gebrochen ist beginnen sie stolz von ihrer »Oase der Friedfertigkeit zu erzählen«:
So groß wie ein Sportplatz und mit Begegnungsmöglichkeiten für Jung und Alt, mit Kieswegen, Pavillon und Blumenbeeten, mit Bäumen, Teich und Spielplatz, mit Geschicklichkeitsparcours, Kunstwerk und vielen Bänken zum Ausruhen… All dies und noch viel mehr, das ist die Idee der 10 Kinder und Jugendlichen im Alter von 10-15 Jahren. Die Jungen und Mädchen aus Pfaffenhausen haben zusammen mit Ihrer Betreuerin im Jugendzentrum die Idee vom Park der Generationen entwickelt und sind so nach und nach immer aktiver in der Gestaltung ihrer Marktgemeinde geworden.
Ursprung des Projektes war eine Ausschreibung der »dm«- Drogeriekette und der Deutschen-UNESCO-Kommission. In dem Wettbewerb ging es darum ein Konzept zu entwickeln, mit dem die jungen Menschen für ihre eigene Zukunft und die der nachfolgenden Generationen aktiv werden. Dieser Herausforderung wollten sich die Jungs und Mädchen aus Pfaffenhausen zusammen mit Cordula Neß stellen. Sie begannen zu überlegen und zu planen. Dabei gingen sie äußerst bedacht vor. Geselligkeit und Bewegung, aber auch Erholung und Zeit zum Genießen sind wichtige Themen in der Gestaltung ihrer Gemeinde-Oase. Die Gestaltung des Parks mit den vielen unterschiedlichen Erfahrungs-Möglichkeiten soll Jung und Alt in Kommunikation bringen. Nicht das Nebeneinander, sondern das Miteinander sind Ziel in dieser kleinen Welt abseits von Hektik und Stress. Für Junge Menschen und Familien soll die Anlage genauso ansprechend sein, wie für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger. Aber nicht nur an die Senioren und Seniorinnen haben die Erfinderinnen und Erfinder gedacht. Auch blinde Menschen sollen sich im Park zurechtfinden und so auch die Beschilderungen mit den Fingern lesen können, denn in Pfaffenhausen gibt es ein Blindenheim und auch dessen Bewohner sollen den Park genießen und erleben können. Auch an kulturelle Veranstaltungen ist gedacht worden. In einem Pavillon werden Theateraufführungen und Konzerte möglich sein. Außerdem soll es ein Kunstwerk geben, das alle Pfaffenhausener anspricht.
Als das Konzept stand haben sich die engagierten Mädchen und Jungen an die Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Sie stellten ihre Idee mit einem Modell des Parks im örtlichen Drogeriemarkt aus und sammelten im Laufe des »Sei ein Futurist«-Wettbewerbs die erste Goldmedaille ein. So wurde auch der Pfaffenhausener Bürgermeister Roland Krieger auf seine engagierten Jungbürgerinnen und Jungbürger aufmerksam. Begeistert trug er die Idee in den Gemeinderat und veranlasste ein wichtiges Meeting bei dem die Mitglieder des Projektteams ihr Modell den Gemeindevertretern vorstellten. Daraufhin wurde der Entwurf noch ein weiteres Mal ausgestellt und das Projekt bekam großen Zuspruch von der Pfaffenhausener Bevölkerung. Die Jugendlichen trugen Ihr Projekt voller Begeisterung in die Welt und erreichten es schließlich den 1. Bürgermeister als Kooperationspartner zu gewinnen. Das Modell »Oase der Friedfertigkeit – Ein Park der Generationen« wird nun in die Innerortsplanung einbezogen und so gut wie möglich realisiert werden. Dieses außerordentliche Engagement für Politik und Kommune wurde ein weiteres Mal gewürdigt, als die Pfaffenhausener beim LEW-Wettbewerb »Volle Energie 2009« ganz groß abräumten und den mit 1.000 Euro dotierten 1.Platz belegten.
Die drei Mädchen waren als Vertreterinnen des Teams zur Preisvergabe gereist. Sie berichten, dass sie von dem Gewinn völlig überrascht waren. Auch Cordula Neß hatte mit solch einem Erfolg nicht gerechnet: »Dabei sein ist alles! Das war der Gedanke, mit dem wir hingefahren sind.«. Noch am selben Abend ging die SMS mit der freudigen Botschaft an die übrigen Projektmitglieder raus und die Jungen und Mädchen sind über Nacht ein ganzes Stück gewachsen vor Stolz. Das ist etwas, das man spürt, wenn man mit der Gruppe der engagierten Teens zusammentrifft. Sie haben ein Feuer in sich. Eine Begeisterung für das Leben in der Gemeinde und ein Denken an die Zukunft, die Lebenswelt und ihre Mitbürger, das auch den Bürgermeister beeindruckt hat. Er belohnt seine Jugendlichen daher nicht nur mit der Umsetzung des Parks, sondern sie bekommen auch noch ein neues Jugendzentrum, das sich im Moment im Bau befindet.
Bei dem Versprechen der Modell-Umsetzung allein wird es auch nicht bleiben. Bürgermeister Krieger sagt beim Interview fest zu, dass die JUZE-Gruppe auch weiterhin in die Umsetzung mit einbezogen wird und die erste Jugendrätin kündigt an, dass man dem Markt Pfaffenhausen bei der Realisierung auf die Finger schauen werde.
In Pfaffenhausen findet sich das, was es für eine gelungene Partizipation von Jugendlichen braucht: Eine engagierte Sozialpädagogin in der offenen Jugendarbeit, begeisterungsfähige Jugendliche mit Geduld und Selbstbewusstsein und engagierte Kommunalpolitiker, die ein offenes Ohr für die Bedürfnisse und Fähigkeiten der jungen Leute mitbringen. Cordula Neß ist eine Frau, die sich gerne für die Gemeinschaft einsetzt und auch den JUZE- Besucher/innen dieses Engagement näher bringt, die dran bleibt und das Ziel im Auge behält, die zur Mitarbeit motiviert und die Idee weiter trägt. Die Pfaffenhausener JUZE-Kids sind motiviert und selbstbewusst. Sie wollen lernen und in ihrem Ort etwas für die Zukunft schaffen. Mit Roland Krieger treffen diese beiden Komponenten auf einen begeisterten Bürgermeister, der die Jungbürger seiner Gemeinde gerne positiv sieht und in seine Überlegungen zu einer lebenswerten Marktgemeinde mit einbezieht. Somit können wir gespannt darauf sein, was wir aus der kleinen Marktgemeinde mit ihren 2.267 Einwohnern noch hören werden.
