»Früher war selbst die Zukunft besser« (Karl Valentin). 14. Benediktbeurer Gespräche der Allianz Umweltstiftung

Geschrieben von Lisa Bundlechner (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 26. Mai 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/05/fruher-war-selbst-die-zukunft-besser-karl-valentin-14-benediktbeurer-gesprache-der-allianz-umweltsstiftung/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 11:22 Uhr

Quelle: Allianz Umweltstiftung

Seit vor mehr als einem Monat die Bohrinsel »Deepwater Horizon« versunken ist, strömen täglich 800.000 Liter Rohöl in den Golf von Mexiko (nach Expertenschätzungen sind mittlerweile 40.000 Tonnen Öl ins Meer geflossen). Schon jetzt die größte Umweltkatastrophe, verursacht durch Menschenhand. Mehr als hundert Kilometer Strände und Marschland sind verseucht und BP hat immer noch kein Mittel gegen das ausströmende Öl gefunden. Es vergeht kein Tag mehr, an dem nicht in den Medien über den Ölteppich im Golf von Mexiko gesprochen wird: über die vergeblichen Versuche das Bohrloch zu schließen. Wer Schuld an der Sache hat, ist klar. Aber beseitigt der Öl-Konzern die Schäden auch und wer bezahlt für sie?.

Ökologie und Umweltschutz sind im Moment in aller Munde. Ganz weit oben mit dabei ist sicher auch die Frage: Wäre das alles passiert, wenn zukunftsorientierter und weniger gewinnorientiert gedacht worden wäre? Hätten nicht nur Profitdenken, sondern auch ökologische Verantwortlichkeit im Mittelpunkt gestanden, hätte es dann überhaupt zu dieser Katastrophe kommen können?

Nachhaltigkeit, das war auch das große Thema, mit dem sich Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bei den 14. Benediktbeurer Gesprächen am 29. und 30. April 2010 im Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern beschäftigten. Die Allianz Umweltstiftung hat sich zum Ziel gesetzt, »mit dem Symposium ein unabhängiges, überprofessionelles und überparteiliches Forum für die Diskussion grundlegender Umweltfragen zu schaffen«. Seit Beginn der Gespräche im Jahr 1997 treffen sich jedes Frühjahr Naturwissenschaftler und Politiker, Manager aus Wirtschaft und Kultur, Vertreter von Umweltverbänden und Presse zum Gedankenaustausch in Benediktbeuern. Durch die Themenauswahl und die oft unterschiedlichen Meinungen der Experten und Gäste sollen die Benediktbeurer Gespräche dazu beitragen, umweltpolitische Diskussionen zu versachlichen, starre Konfrontationen aufzubrechen sowie eine konstruktive Streitkultur zu etablieren und lösungsorientierte Ansätze zu finden. Die Benediktbeurer Gespräche der Allianz Umweltstiftung werden in der Schriftenreihe »Diskussion« dokumentiert.« So ist es auf der Homepage der Allianz Umweltstiftung zu lesen.

Zu den 14. Gesprächen, mit dem Thema«Früher war selbst die Zukunft besser« (K. Valentin) – Wirtschaft, Politik und Wissenschaft präsentieren Visionen für eine nachhaltige Zukunft, waren als Redner eingeladen: Barbara Kux, Mitglied des Zentralvorstandes der Siemens AG, Prof. Dr. Claudia Kempfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V., Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltigkeit und Fritz Kuhn, MdB, stellvertretender Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/die Grünen. Barbara Kux bezeichnete in ihrem Impuls die Effizienz, vor allem im Bereich der Energieversorgung als einen der Schlüsselfaktoren. Unter dem Motto »Freude am Entwickeln« wolle man sich dieser Herausforderung auch weiter stellen. Prof. Dr. Claudia Kemfert umschrieb den Klimaschutz als »Weg aus der Krise«. Dabei stellte sie die Gewinnung von erneuerbarer Energie als Lösung aller Probleme dar: Wirtschafts-, Energie- und Klimakrise könnten so in den Griff bekommen werden. Dr. Günter Bachmann dagegen bezeichnete Visionen als das Salz in der Suppe der nachhaltigen Entwicklung. Als konkrete Zukunftsvision forderte er: »one man, one vote, one carbon footprint«. Spannend war auch der Impuls von Fritz Kuhn. Er sprach an, dass die Ökologie nicht hinter dem Wachstum und der Effizienzsteigerung zurückbleiben dürfe. Seiner Meinung nach besteht das gesellschaftliche Leben aus drei sich bedingenden Dimensionen: Der Ökologie, der Ökonomie und dem Sozialen. Die Ökologie nehme hierbei die wichtigste Stellung ein, denn nur in einer sauberen und sicheren Umwelt sei ökonomisches und sozial gerechtes Handeln möglich. Nachhaltigkeit, so Kuhn, sei nur unter Einbezug des Bildungssystems möglich, das jungen Menschen eine Verantwortung für die Umwelt vermittle. Die Erde sei nicht von den Eltern geerbt, sondern von den Kindern geborgt.