Jugendverbände und Jugendringe stehen vor großen Herausforderungen – Geschäftsführer des Bundesjugendrings Daniel Grein berichtet über die aktuelle Lage der Jugendpolitik
Veröffentlicht am 26. Mai 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/05/jugendverbande-und-jugendringe-stehen-vor-grosen-herausforderungen-geschaftsfuhrer-des-bundesjugendrings-daniel-grein-berichtet-uber-die-aktuelle-lage-der-jugendpolitik/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 11:28 Uhr
Babenhausen – Bei der Ausschusssitzung des Bezirksjugendrings Schwaben Ende April hielt Daniel Grein, Geschäftsführer des Deutschen Bundesjugendrings, eine mitreißende Rede über den Wert und die Herausforderungen der Jugendverbandsarbeit.
Das achte Sozialgesetzbuch (SGB VIII) legt fest, dass die Förderung der der Jugendarbeit durch öffentliche Träger eine Pflichtaufgabe ist. Der Rechtsanspruch ist zwar nicht individuell einklagbar, was die Leistungen aber nicht weniger zur Pflicht macht. Gerade in Zeiten finanziell knapper Ressourcen werden von kommunalen Entscheidungsträgern gern vermeintlich freiwillige Leistungen der Jugendarbeit gekürzt. Diesem Trend gilt es entschieden entgegen zu treten, so Daniel Grein vor dem Bezirksjugendringausschuss.
Er setzte sich nicht nur mit der Kürzung in der Jugendarbeit und damit vor allem der Jugendverbandsarbeit auseinander, sondern sprach auch die derzeitige Orientierung von Jugendpolitik an. »Jugendpolitisches Handeln scheint weniger an den Bedarfen und Interessen junger Menschen orientiert, sondern lediglich durch eine Fokussierung auf Schutz und Restriktion soziale Problemlagen mildern zu wollen. Die Ziele des SGB VIII, die Teilhabe und Entwicklung implizieren, und ein gesamtgesellschaftliches Interesse an gutem Aufwachsen aller Kinder und Jugendlichen spiegeln sich in der wahrgenommenen Jugendpolitik an vielen Orten nicht ausreichend wider.«
Die Gefahr bestünde darin, dass vermehrt eine Verschiebung zu Gunsten der Kinderganztagesbetreuung und zu Lasten der Jugendarbeit stattfände. Bei Politikern fehle das Verständnis, was Jugendverbandsarbeit sei. Daniel Grein beschreibt die Problematik folgendermaßen: »Ich sehe einen zentralen Punkt im Verstehen dessen, was Jugendverbände überhaupt sind: Junge Menschen schließen sich freiwillig und selbstbestimmt zusammen. Dies ist Grundlage und leitendes Prinzip aller Jugendverbände. Sie sind somit nicht einfach Struktur und Organisation für Kinder und Jugendliche, sondern Kinder und Jugendliche selbst bilden die Organisation und die Struktur der Jugendverbände.« Immer öfter sei zu beobachten, dass von den Verbänden spezielle Leistungen als Reaktion auf soziale Problemlagen verlangt würden. Auch die Ausstattung mit Ressourcen durch öffentliche Gelder würde somit immer mehr an konkrete Angebote und Maßnahmen gebunden. Die Wesensmerkmale Selbstorganisation, Peer-Learning und Interessenvertretung – wie sie in § 12 des SGB VIII beschrieben werden – rücken somit in den Hintergrund. Wenn Jugendverbände zu »gesellschaftlichen Reparaturbetrieben« degradiert, werden sind sie nur noch auf eine ihrer Grundfunktionen reduziert. Die eigentliche Aufgabe der Jugendverbandsarbeit aber ist die Selbstverwaltung und Selbstorganisation junger Menschen. »In Jugendverbänden und Jugendgruppen wird Jugendarbeit von jungen Menschen selbst organisiert, gemeinschaftlich gestaltet und mitverantwortet. Durch Jugendverbände und ihre Zusammenschlüsse werden Anliegen und Interessen junger Menschen zum Ausdruck gebracht und vertreten«. Diesen Kernpunkt stellte der Bundesgeschäftsführer deutlich heraus.
Hierin versteht Daniel Grein dann auch die Herausforderung für die Jugendverbände und Jugendringe selbst. Sie müssen dieser Reduzierung ihrer Aufgaben entgegenwirken. Zudem müssen sie als Interessenvertreterinnen junger Menschen für eine andere Wahrnehmung kämpfen und die derzeitige Jugendpolitik verändern. Der Bundesgeschäftsführer sieht diese Aufgabe als große Herausforderung für die kommenden Jahre. Er ist aber auch davon überzeugt, dass die Jugendverbände und Jugendringe in der Lage sein werden, diese Herausforderung zu meistern. Denn die Bedeutung der Jugendverbände zeigt sich auch in der Annahme durch die Kinder und Jugendlichen selbst. »Jugendverbände und Jugendringe kommen mit ihren Aktivitäten immer noch gut bei Kindern und Jugendlichen an, sie haben viel zu bieten und bringen viel mit«.
Nicht nur in der Binnenwahrnehmung der Verbände selbst wird die Relevanz der Jugendverbände in ihrer Eigenständigkeit hervorgehoben. Auch eine Studie des Deutschen Jugendinstitutes stellte fest, dass Jugendverbände ein unverzichtbarer und wichtiger Pfeiler im System der Kinder- und Jugendhilfe und bedeutsames Feld der Sozialisation für Kinder und Jugendliche seien. Seine Ansprache schloss Daniel Grein mit den Worten: »Dafür zu streiten lohnt sich!« .
