»Von der Struktur und den Möglichkeiten ausgehend, ist das Angebot absolut ausreichend« – Interview mit Prof. Dr. Gerhard Kral, Projektleiter der Sozialraumanalyse für die Stadt Dachau
Veröffentlicht am 28. Juni 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/06/interview-mit-prof-dr-gerhard-kral-projektleiter-der-sozialraumanalyse-dachau/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 10:49 Uhr

Anlässlich einer Zukunftskonferenz, »Thementisch 5« mit dem Themenschwerpunkt »Familien, Generationen, Soziales, Bildung« und der »Lenkungsgruppe zur Stadtentwicklungsplanung« der »Integrativen Stadtentwicklung Dachau«, ist der Wunsch entstanden, eine wissenschaftlich fundierte Sozialraumanalyse für die Stadt Dachau zu Beständen und Bedarfen sozialer Einrichtungen zu erheben.
Als Gesprächspartner für das Projektteam wurde ein »AK Sozialdaten« eingerichtet, diese Gruppe, bestehend aus folgenden Personen, die aus bürgerschaftlichem Engagement in ihren Funktion mitarbeiteten, waren: Herr Buschhaus (stellvertretender Leiter der VHS Dachau), Herr Domcke (Hauptmann der Stadtverwaltung Dachau), Frau Drexler, Frau Frater, Herr Hannemann (Pate des Thementisches 5 und Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes) Herr Niemeyer (Stadtplanung Dachau) Herr Wamprechtshammer (Leiter des Amtes für Jugend und Familie im Landkreis) und Frau Zimmermann (Stadtratsreferentin für Familie und Soziales).
Der »AK Sozialdaten« traf sich fünf Mal mit der Projektgruppe, dessen Projektleitung Prof. Dr. Kral und als Wissenschaftliche Leitung, Dr. Walter Häcker (Organisationsentwickler und Moderator) und Doris Knaier (MA of Social Work, Diplom- Sozialpädagogin, FH), waren.
Schwerpunktmäßig kamen für die Methoden der Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung, zwei Verfahren in Betracht, erstens die Auswertung vorhandener Daten in aktuellen Publikationen/Analysen und zweitens, die kontinuierliche Presseschau. Hier standen zwei Tageszeitungen als Quellen zur Verfügung. Zum Einen, der »Dachauer SZ – Neueste Nachrichten der Süddeutschen Zeitung für den Landkreis« und zum Anderen die Dachauer Nachrichten, dem Lokalteil des Münchener Merkur.
Prof. Dr. Kral, sind Ihrer Meinung nach, die Angebote im Sozialen Bereich, der Stadt Dachau, »befriedigend« vorhanden? Was ist besonders gut und wo ist es noch verbesserungswürdig?
Das Angebot ist erstaunlich gut vorhanden. Von der Struktur und den Möglichkeiten ausgehend, ist es absolut ausreichend. Allerdings sollte die konkrete Arbeit in den Sozialräumen der Stadt Dachau besser koordiniert werden. Speziell gemeint ist der östliche Teil der Stadt, mit viel Migration und sozial schwachen Familien. Dort zuständig sind Bezirkssozialarbeiter. Es sollte wesentlich besser »vernetzt« werden. Das Thema »Armut« sollte mehr vermindert werden. Die betroffenen Zuständigen kommunizieren noch nicht ausreichend gut miteinander. Wir empfehlen »Stadtteilkonferenzen«, dies ist auch unser Anliegen in unserer, für die Stadt Dachau ausgearbeiteten, »Handlungsempfehlung«. Speziell gemeint sind hier; die Angestellten in der Sozialverwaltung, die Mitarbeiter der AGRE, die Mitarbeiter / innen in den Verbänden, die engagierten von der Tafel, Ärztinnen und Ärzte, die Lehrer/-innen , Erzieher/innen und Sozialpädagogen/-innen und er Kinder- und Jugendarbeit, sowie die Engagierten der Vereinen und den Kirchengemeinden.
Die Stadt Dachau wurde in unserer Sozialraumanalyse in 4 Teile »eingeteilt«. Des Weiteren, gab es darauf folgend noch eine Zweitstudie, das »Senioren sozialpolitische Gesamtkonzept«, im August 2008. Zu Beachten ist, das es Landkreise sind und somit ein Großteil der Kompetenzen auf Landkreisebene ausgerichtet ist. Auch sind in der Analyse, auf bestimmten Seiten, die Arbeitskreise und Gremien aufgelistet. Diese sind ausreichend aufgelistet. Speziell auf der Ebene der Stadt Dachau sind es, um nur ein paar zu benennen, zum Beispiel, der »AK Alkoholprävention beim Faschingsumzug«, der »AK Asyl der Friedenskirche Dachau« und der »AK (Asyl) Hauptschule Süd«.
Wie sehen Sie allgemein die Soziale Lage der Stadt Dachau, ist den Betroffenen Gruppen, wie Kinder- und Jugendlichen, Senioren, Migranten und sozial schwachen Familien, mit Angeboten und Unterstützungen der Stadt, ausreichend geholfen?
Für alle Gruppen gibt es entsprechende Angebote, aber der »Erfüllungsgrad«, gemessen an den Bedarfen, ist unterschiedlich. Zum Beispiel könnte die Migrationsarbeit intensiviert, auch die Berücksichtigung der Bedürfnisse der behinderten Bürger, könnte als »Querschnittsaufgabe« verstärkt werden. Außerdem schlagen wir vor, dass eine »Erwerbslosenhilfsorganisation« angeboten wird. Bezogen auf Familien und Kinder sind die Angebote, dank jahrelanger gezielter Arbeit, inzwischen recht gut ausgebaut.
Was ist Ihre Sicht, im Hinblick auf die gegenwärtige und zukünftige Soziale Lage Dachaus?
Gegenwärtig ist in der Stadt Dachau eine breite Palette bürgerschaftlichen Engagement zu finden. Das Spektrum der Selbsthilfegruppen ist beeindruckend. Das Engagement, sowohl der Stadtverwaltung, als auch bei den freien Sozialen Trägern und Bürger/ innen, insbesondere für benachteiligte Kinder und Jugendliche, für alte und behinderte Menschen, oder auch gegen die Armut, ist bemerkenswert.
Was die Zukunftsperspektive der Stadt Dachau angeht, so ist es Aufgabe des Stadtrates, auf den Grundlagen unserer »Handlungsempfehlung«, Prioritäten zu setzen und mit Sozialverbänden, Kirchengemeinden und Bildungsträgern entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Es ist eine reine politische Entscheidung, in wie fern die Stadt unseren Empfehlungen folgt, natürlich auch unter dem Betracht, der finanziellen Möglichkeiten und eventuellen Einschränkungen.
»Wir schlagen die quantitative und qualitative Ausweitung dieses Bürgerbüros als Scharnier zwischen Bewohnern/-innen, städtischer Verwaltung und Mandatsträgern, sowie den Verbänden, Gremien und Gruppen im Sozialen Bereich vor.« (Zitat aus der Sozialraumanalyse; Handlungsempfehlungen, 7.2.3. Quantitative und qualitative Ausweitung des Bürgerbüros …)
War der »Sozialraum- Workshop«, der anlässlich dieser Sozialraumanalyse stattfand, aus Ihrer Sicht, erfolgreich? Entsprach der Ausgang der Workshops Ihren Erwartungen?
Der Workshop fand im Juli 2009 statt. Im Rückblick war der Workshop sehr erfolgreich, es gab eine hohe Beteiligung und große Engagements aller Anwesenden. Die Teilnehmer war hauptsächlich Vertreter der Arbeitsgruppe »Sozialdaten«. Es waren mehrere Grundschulvertreter, Kindergartenvertreter und auch Vertreter aller sozialen Verbände, wie z. B. die Caritas, AWO und das Rote Kreuz, verschiedene Arbeitskreise wie Vertreter der »Asyl«, Behindertenbeauftragte, Jugendrat, Seniorenbeiräte und schließlich auch die Stadtverwaltung und das Landratsamt, anwesend. Aus den verschiedenen Arbeitsgruppen konnten wir eine Fülle an Empfehlungen aufnehmen. Die Schwerpunkte dieser Arbeitsgruppen waren; Jugend, Kinder und Familien, Förderung des Bürgerlichen Engagements, Mehrgenerationenideen, Kooperation, Armut (Wohnraum) und Senioren (Demenz).
Wozu werden Sozialraumanalysen erstellt?
Die Sozialraumanalyse ist eine gute Grundlage für politisch – administrative Zukunftsplanungen und Zukunftsgestaltungen eines Landkreises oder Stadt. Das heißt, sie liefert die Eckdaten über den momentanen und zu erwartenden Bedarfen in allen kommunalpolitischen und sozialen Fragen. D.h., »Wenn ich wissen möchte, wie soll es weiter gehen?«.
Eine solche Analyse macht transparent, welche Angebote im sozialen Bereich, einer Stadt, bereits angeboten werden und welche Formen freiwilligen Engagements vorhanden sind und wie gut diese »funktionieren«. Auch wird erkennbar, welche Gremien der Kooperation und Koordination bereits vertreten sind.
