Junge Ideen bringen frischen Wind – Herbert Heisler über das Jugendparlament in Obergünzburg

Geschrieben von Renate Beljan (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 21. Juli 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/07/junge-ideen-bringen-frischen-wind-herbert-heisler-uber-das-jugendparlament-in-obergunzburg/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 11:06 Uhr
heisler_portrait_300

»Wie kann man die Jugend dazu bewegen, sich wieder mehr für die Politik zu interessieren und dann auch aktiv zu werden?« Diese Frage ist allgegenwärtig und auch berechtigt. Eine Form der politischen Partizipation ist das Jugendparlament/Jugendforum. Hierzu haben wir den Jugendbeauftragten Herbert Heisler aus Obergünzburg  im Landkreis Ostallgäu befragt.

Seit wann gibt es das Jugendparlament (JP)?

Das Jugendparlament (bei uns Jugendforum) gibt es seit 2009. Gewählt wird alle zwei Jahre.

Wie viele und welche Jugendliche sind derzeit an der Arbeit beteiligt?

Es werden zehn Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren gewählt. Wahlberechtigt sind alle Jugendlichen in diesem Alter, die mindestens drei Monate in unserer Marktgemeinde wohnen.

Wie läuft die (Zusammen-)Arbeit ab und wie oft trifft man sich?

Es gibt monatliche Sitzungen in unserem Jugendtreff. Diese sind öffentlich. Beteiligt sind die Jugendbeauftragten und unsere Leiterin des Treffs. Allerdings sind wir ohne Stimmrecht

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, hat das JP einen eigenen Etat?

Der Jugendbeauftragte (in diesem Fall ich und eine weitere Kollegin des Marktrates) sind das Bindeglied zum Marktrat. Das Jugendforum hat ein eigenen Etat von € 500.- jährlich.

Welche Beschlüsse werden getroffen und wie werden diese dann umgesetzt?

Es werden Beschlüsse zu Jugendspezifischen Themen behandelt. Diese Beschlüsse werden über den Jugendbeauftragten in den Marktrat getragen. Gleichzeitig hat das Jugendforum ein Anhörungsrecht im Ausschuss für Jugend, Senioren, Familien und Kultur.

Würden Sie das JP als erfolgreiche Form des politischen Partizipation sehen, wenn ja,  woran ist dies erkennbar?

Natürlich ist das JP eine erfolgreiche Form der politischen Partizipation. Jugendarbeit darf sich nicht nur auf organisierte Strukturen beschränken (Verein, Verband etc.), sondern es muss auch offene, selbst verwaltende Jugendarbeit geben. Jugendliche müssen nicht nur gefördert, sondern auch gefordert werden.

Sind Erfolge schon nachweisbar, wie kann man Jugendliche mehr für diese Art von Politik begeistern?

Selbstverständlich gibt es nachweisbare Erfolge. Mittlerweile haben unsere Jugendlichen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Zum einen, weil wir Modellprojekt der Bayerischen Staatsregierung wurden. Zum anderen durch unsere vielen sozialen, kulturellen, integrativen Projekte. Aber auch im Bereich Umweltschutz und Lehrstellenförderung. Die Begeisterung für diese Art der Mitbestimmung muss allerdings immer wieder durch Gespräche und Motivation erneuert werden. Eigeninitiative muss gezielt eingefordert werden.

Wie ist Ihre Sicht, im Hinblick auf die gegenwärtige Situation und die Zukunft des JP?

Gegenwärtig steht eine neue Jugendforumwahl an. Es werden Kandidaten gesucht. Über die Medien, das Marktblatt, Schulen. Durch unsere langjährige Erfahrung sehe ich diese Form der Jugendbeteiligung auch zukünftig als gesichert an. Allerdings ist auch eine Veränderung der Jugendlichen deutlich erkennbar:

  • Kommunikation findet fast nur noch über Handy, PC (Lokalisten) statt.
  • Dies kommt ganz deutlich bei den Diskussionsbeiträgen der Sitzungen zum Vorschein.
  • Die Jugendlichen brauchen noch mehr »Anschubhilfe« bei Aktionen und Ausarbeitung von Themen.
  • Oft fehlt es aber auch an ganz normalem demokratischen Verständnis.
  • Kompromissfindung fällt ihnen zunehmend schwer. Besonders wenn es dann heißt: den Beschluss, der die eigene Meinung nicht widerspiegelt, mitzutragen.