Klaus Settele ist »am Puls der Zeit der Zeit voraus«

Geschrieben von Lisa Bundlechner (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 22. Juli 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/07/klaus-settele-ist-am-puls-der-zeit-der-zeit-voraus/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 09:59 Uhr
Klaus Settele

Seit März ist er es nun schon: Bundesvorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung Deutschland (http://www NULL.kljb NULL.org/) (KLJB). Klaus Settele trat damit ein Amt im fünfköpfigen Bundesvorstand an, das in den drei Jahren Amtszeit wohl viel Engagement von ihm fordern wird. Politisch gesehen ist Klaus Settele kein unbeschriebenes Blatt. Wer schon länger Rundbriefabonnent ist und alle Artikel verfolgt hat kennt den jungen Sozialpädagogen als Mitarbeiter der Politischen Bildung Schwaben. Darüber, über Entwicklungen und Anpassungsstrategien im ländlichen Bereich und die Schritte der Kommunalpolitik berichtet er im folgenden Artikel.

Du hast im Projekt Politische Bildung Schwaben mitgearbeitet. Was hat Dir das gebracht?

Zunächst ist das Projekt »Politische Bildung in Schwaben« für mich ein wirklich innovatives Projekt, ein Projekt, das die Bezeichnung »innovativ« wirklich verdient hat.

Der Bezirksjugendring Schwaben hat es mit diesem Projekt geschafft, die politische Bildung auf kommunaler Ebene zu fördern, sie für junge Menschen attraktiv zu machen sowie die unterschiedlichsten Akteurinnen und Akteure der politischen Bildung zu vernetzen.

Ich persönlich war sehr motiviert, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Zum einen, weil ich davon überzeugt bin dass es notwendig ist, in der politischen Bildung aktiv zu werden. Ich denke, dass dies für jede und jeden einzelnen, für das Zusammenleben und nicht zuletzt für die Demokratie von höchster Bedeutung ist. Zum anderen hat es mir auch jede Menge Spaß gemacht, gemeinsam an unterschiedlichen Projekten zu arbeiten, wie beispielsweise die Entwicklung von Planspielen zu den Kommunalwahlen. Gleichzeitig konnte ich viel lernen. Da ist einmal das methodische Wissen, aber auch fachliches Wissen darüber, wie die kommunale Ebene arbeitet. Interessant war auch das Arbeiten in Multi-Stakeholder-Teams aber vor allem auch die Kontakte – die Menschen, die ich kennenlernen und mit welchen ich zusammenarbeiten durfte, was mich natürlich auch sehr prägte.

Wie siehst Du als Vertreter der Landjugend die derzeitige Entwicklung im ländlichen Bereich?

Ich denke, dass es aktuell jede Menge Herausforderungen gibt, denen wir uns zu stellen haben. Ich denke aber auch, dass dies keine Besonderheit unserer Zeit ist. Jede Generation begegnet unterschiedlichen Phänomenen und stellt sich diesen auch. Aktuell zeigt sich, dass junge Menschen und vor allem auch junge Frauen ländliche Räume eher verlassen. Dies hat natürlich Folgen für das Land, zum einen sozial, so verlieren die Dörfer an Leben, und die Bevölkerung altert, zum anderen wirtschaftlich; so sind beispielsweise die sogenannten Tante-Emma-Läden vom Aussterben bedroht.

Aber auch die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten gravierend verändert. Hier ist ein Trend weg von einer kleinstrukturierten Landwirtschaft und hin zu einer industriellen Produktion festzustellen. Aber auch im Schulbereich sind Änderungen festzustellen. So verschärft sich der Trend, kleinere Dorfschulen zu schließen. Dies sind nur einige Herausforderungen, welche die KLJB in ihre Überlegungen und in ihr Engagement mit einbezieht.

Zunächst einmal denkt die KLJB über die eigene Situation und auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Handlungsleitend ist das Motto des bayerischen Gründers der KLJB »Am Puls der Zeit der Zeit voraus.«

Gefragt nach den Anpassungsstrategien der KLJB auf die aktuellen Entwicklungen im ländlichen Bereich möchte ich das politische und praktische Engagement vorstellen. Die KLJB ist dabei Akteurin , aber auch Ort des sich selbst Ausprobierens und Kennenlernens , damit junge Menschen sich heute und morgen aktiv und kritisch in die Gesellschaft einbringen können.

Partizipation und Mitbestimmung haben sich dabei innerhalb der Jugendverbände über Jahrzehnte bewährt. Die Jugend zu hören, sie ernst zu nehmen, ist der erste Schritt, um ländliche Lebensräume von Morgen zu gestalten, und führt zu verstärktem Engagement aller Beteiligten.

Gibt es bei der Katholischen Landjugend Überlegungen oder Projekte, die sich mit geeigneten Anpassungsstrategien für den ländlichen Bereich befassen?

Als Fachverband für ländliche Jugendarbeit hat die KLJB vor allem den Erhalt und Aufbau ländlicher Infrastruktur im Fokus. Wichtige Bestandteile sind dabei wohnortnahe Kindergärten und Schulen als wichtiger Ort des öffentlichen Lebens, gleichzeitig auch als Ort der Integration. Darüber hinaus sind die Anbindung und der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs gerade für junge Menschen vom Land unumgänglich. Eine weitere Forderung, die bereits auch von den unterschiedlichen Parteien aufgenommen wurde, ist die Anbindung an eine Breitbandversorgung. Mit dem Leitbild »Für eine Landwirtschaft der Zukunft«, welches die KLJB-Bundesversammlung im Frühjahr dieses Jahres verabschiedet hat, wirbt die Landjugend für eine bäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft. Ihr Fachwissen und ihren ganzheitlichen Blick für die ländliche Entwicklung möchte die KLJB in die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union einbringen.

Ein weiterer Ansatzpunkt, um die Attraktivität ländlicher Räume zu erhalten, ist die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Neben wirtschaftlichen spielen dabei auch ökologische und soziale Aspekte eine wichtige Rolle. Zu nennen sind dabei Arbeits- und Ausbildungsplätze, kürzere Transportwege, aber auch die höhere Wertschätzung für Produkte, die in der eigenen Region hergestellt wurden.

Diese Überlegungen und Konzepte, die auf den unterschiedlichen Ebenen und Gremien diskutiert und weiterentwickelt werden, bilden ein breites Repertoire für die Arbeit vor Ort. 70.000 Mitglieder in rund 1.900 Ortsgruppen prägen und gestalten die ländlichen Räume von Morgen. Das jeweilige Engagement unterscheidet sich dabei häufig von Region zu Region. Begeistert engagieren sich 14- bis 30-Jährige bei Gruppenstunden, Leiterrunden, thematischen Abenden, bei der Gestaltung von Freizeit- und Ferienprogrammen, Ferienfahrten, bei der Diskussion mit Gemeinderäten, Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen oder Pfarrern. Allein diese kurze Aufzählung zeigt die Vielfalt, die Begeisterung, aber auch die Verantwortung junger Menschen für ihre Zeit.

Die Dorfanalyse ist eine Methode der Akademie der katholischen Landjugend, welche die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner sichtbar macht. Sie deckt schlummernde Potenziale auf, verbindet die Menschen und steigert das Engagement der Bürger und Bürgerinnen, was schließlich zu einer gesteigerten Attraktivität des Orts führt.

Wo sollte die Kommunalpolitik ansetzen, damit die Gemeinden wieder attraktiver werden?

Der in meinen Augen wichtigste Schritt der Kommunalpolitik muss die Förderung des Engagements der Bürgerinnen und Bürger sein. Dabei gilt es, von Seiten der Kommunalpolitik offen zu sein, offen für Neues, offen für eine andere Art und Weise des Engagements, offen auch für neue Wege als Resultat neuer und anderer Herausforderungen.

Aber auch Freizeitangebote müssen weiterentwickelt werden. Gerade für Jugendliche fehlen diese. Selbstorganisierte Treffpunkte müssen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Räume für Engagement – sei es nun in Sport, Kirche oder Musik – müssen gefördert und bereitgestellt werden.

Oft fehlen auch Freizeitangebote für Familien und Menschen, die neu in eine Ortschaft ziehen. Darüber hinaus müssen Schule, Kindergärten und Horte als Orte des sozialen Lebens bewahrt und ausgebaut werden. Sie sind ein wichtiger Ort für generationsübergreifende Begegnungen.

Auch gilt es, sich über die männliche Dorföffentlichkeit bewusst zu werden und entsprechende Schritte vorzubereiten. In Vereinsvorständen und Kommunalpolitik dominiert nach wie vor häufig das männliche Geschlecht. Diese Tatsache birgt natürlich die Gefahr, dass vor allem männliche Interessen berücksichtigt werden. Dies wiederum trägt mit dazu bei, dass Mädchen und junge Frauen eher ans Abwandern denken und somit mit ihrer Kreativität und ihrem Engagement nicht länger den ländlichen Räumen zur Verfügung stehen.