Lesenswertes zur politischen Bildung – Eine Rezension zu Klaus-Peter Hufers »Erwachsenenbildung«

Geschrieben von Frauke Ulrike Arlt (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 25. August 2010 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/08/lesenswertes-zur-politischen-bildung-eine-rezension-zu-klaus-peter-hufers-erwachsenenbildung/>
Abgerufen am 8. Februar 2012 um 11:08 Uhr
Klaus-Peter Hufer Erwachsenenbildung

»Erwachsenenbildung – Eine Einführung« lautet der Titel des im Wochenschau Verlag (http://www NULL.wochenschau-verlag NULL.de/) erschienenen Buches von Klaus-Peter Hufer. Der aufmerksame Leser mag sich fragen, was eine Veröffentlichung über »Erwachsenenbildung« mit politischer Bildung zu tun haben mag. Dazu sei gesagt, dass politische Bildung, wenn man sie als außerschulische Bildung versteht, Teil der Erwachsenenbildung und auch der außerschulischen Jugendbildung ist. Auf beide Bereiche geht Klaus-Peter Hufer in seinem Werk ein.

Beim ersten Aufschlagen überzeugt das Buch durch eine übersichtliche Struktur. Im ersten Kapitel werden die Begrifflichkeiten der außerschulischen Jugendbildung und der Erwachsenenbildung erläutert. Auch die Frage danach, ob lebenslanges Lernen eine Freiheit oder ein Zwang sei, wird nicht ausgelassen. Im folgenden Kapitel kann man in die Geschichte der Erwachsenenbildung eintauchen. Geschildert wird einen Abriss von ihren Anfängen, über die Veränderungen während der Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Entwicklungen in der Bundesrepublik bis hin zum heutigen Stand. Außerdem werden die rechtlichen Grundlagen der außerschulischen Jugendbildung und der Erwachsenenbildung verständlich dargelegt. Unter der Überschrift »Die Ziele der Jugend- und Erwachsenenbildung« befasst sich der Autor unter anderem mit der Frage nach der Messbarkeit von Bildung. Diese nimmt in einer Gesellschaft, in der Finanzierungen und Angebote auch immer dem Mandat der Kosten-Nutzen-Rechnung unterworfen sind, eine wichtige Rolle ein. Im weiteren Verlauf beschäftigt sich Hufer mit dem System der Jugend- und Erwachsenenbildung und stellt deren plurale Systeme vor. Nachdem ein Überblick der Aufgabenfelder der Erwachsenenbildung gegeben wurde, befasst sich das sechste Kapitel ausführlich mit der politischen Bildung. Dies ist auch das Kapitel, welches hier am ausführlichsten besprochen werden soll.

In den einleitenden Worten zur politischen Bildung zitiert der Autor den Soziologen Oskar Negt mit den Worten »Demokratie ist die einzige Staatsform, die gelernt werden muss«. Damit lässt sich auch ein gemeinsames Grundmerkmal der pluralistischen Vorstellungen zur politischen Bildung charakterisieren. In einer Demokratie ist das Ziel politischer Bildung die Anerkennung und die Verteidigung der Menschenrechte. Sie soll ein Bewusstsein schaffen für die soziale Demokratie und damit auch für die Ablehnung von Extremismus, Totalitarismus und Diskriminierung. Ansonsten sind die Definitionen von politischer Bildung sehr vielfältig. Daher geht Klaus-Peter Hufer der Frage nach, was Ziele politischer Bildung sind und wie diese im außerschulischen Bereich aussehen kann. In der Geschichte der Ideen und Ziele kann man nachlesen, dass die Vorstellungen von politischer Bildung auch immer mit den einzelnen gesellschaftlichen Strömungen in der Bundesrepublik verbunden waren und verbunden sind. Politische Bildung spiegelt somit in ihrer Geschichte auch immer die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zur Geschichte der Bundesrepublik gehört aber auch die Geschichte der DDR und damit eine ganz andere Entwicklung von politischer Bildung.

In der DDR galt es, das Volk zu erziehen und die Ideologien von Marxismus und Leninismus in der Bevölkerung zu verbreiten. Somit hatte die politische Bildung in der DDR wenig gemeinsam mit den demokratischen Lernformen in der BRD. Dies führte dazu, so Hufer, dass auch heute noch bei vielen Bürgern der ehemaligen DDR der Begriff politische Bildung mit negativen Assoziationen belegt sei.

Besonderheiten der politischen Bildung sind nicht nur die Subjektorientierung, welche in der schulischen Politikdidaktik durch ein vorgegebenes Curriculum oftmals hinten anstehen muss, sondern auch die Kontroversen über die Ziele und Umsetzung von politischer Bildung. Hufer bietet auch interessante Zahlen zur politischen Bildung an. Hierbei stellt sich auch heraus, dass in nur 300 von 998 Volkshochschulen Deutschlands Angebote zur politischen Bildung nachweisbar sind. Zudem gibt es im folgenden Unterkapitel eine Übersicht über Evaluationen zur politischen Jugendbildung. Einen vergleichsweise großen Raum nimmt die Beschreibung der Bildung gegen Rechtsextremismus ein. Hier versteht es der Autor auch mit Zahlen zu belegen, wie wichtig dieser Bereich der politischen Bildung ist, da die nationalistischen Geisteshaltungen in der Bevölkerung durchaus stärker sind, als allgemein angenommen wird.

Beim Lesen des Kapitels über politische Bildung wird schnell klar, dass politische Bildung nicht nur darin steckt, wo es auch draufsteht. Politische Bildung ist doch auch das, was dem Menschen hilft sich in seiner Welt und seiner Gesellschaft zurechtzufinden und seine Fähigkeiten als »mündiger Bürger« zu stärken. Und so sehe ich auch die folgenden Kapitel, die sich mit den Trends in der Gesellschaft und den daraus resultierenden Aufgabenfeldern für die Erwachsenenbildung befassen, als Literatur zur politischen Bildung. Die Ausführungen zur interkulturellen Bildung und zur Globalisierung und Altenbildung sind hier besonders interessant.

Außerdem behandelt Hufer auch noch die Adressaten, Zielgruppen und Teilnehmer, sowie die Methoden der außerschulischen Bildung. Abschließend ist  eine umfassende Übersicht über die Institutionen dargestellt und ein ausführliches Literaturverzeichnis zu finden.

Das Werk ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bildungsinstitutionen, aber auch für Menschen, die sich für das Arbeitsfeld interessieren gut geeignet. Die Sprache ist für Interessierte gut verständlich gewählt, ohne dabei beliebig zu klingen und die Teilstücke der einzelnen Kapitel lassen sich auch etappenweise »verdauen«. Der übersichtliche Aufbau des Buches erlaubt es, Stichworte in den einzeln, gut strukturierten, Kapiteln nachzuschlagen, aber auch sich kapitelweise in die Materie einzulesen. Zudem bietet es nicht nur eine Einführung im Sinne des »Neu-Kennen-Lernens«, sondern ermöglicht auch Erwachsenenbildnerinnen und –bildnern mit langjähriger Erfahrung eine Reflexion und ein Überdenken der Strategien und Methoden. Es hat keineswegs den Anspruch alle Nuancen und Felder der Erwachsenenbildung abzudecken. Klaus-Peter Hufer formuliert selbst in seinem Vorwort, dass er vor allem aus den Arbeitsbereichen berichtet, die er selbst in seinen 33 Jahren Berufserfahrung unterrichtete. Er wolle in diesen Bereichen nicht nur einen Zustand abbilden, sondern auch Impulse zum Nachdenken geben, die über seine Ausführungen hinausgehen. Sehr deutlich wird diese Anregung zum »Weiterdenken« an den Fragen, die er am Ende jedes Unterkapitels formuliert hat. Sie eröffnen die Möglichkeit das Gelesene Revue passieren zu lassen und  diese Aspekte in einen größeren Kontext einzuordnen. Mit der ausführlichen Beschreibung der politischen Bildung und der langjährigen Erfahrung in diesem Arbeitsfeld, die Klaus-Peter Hufer immer wieder einfließen lässt, ist das Buch als Grundlagenliteratur in der politischen Bildung sehr zu empfehlen. Vor allem ist es ein inspirierendes Werk, weil es den Blick öffnet für die Bereiche der außerschulischen Bildung, in denen Aspekte politischer Bildung stecken, auch wenn sie nicht speziell das Label »Politische Bildung« tragen sollten.

Hufer, Klaus-Peter: »Erwachsenenbildung. Eine Einführung« erschienen im Wochenschau Verlag; ISBN 978-3-89974571-9