Das Parlament der Generationen

Geschrieben von Malena Schulte-Spechtel (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. Juni 2016 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2016/06/das-parlament-der-generationen/>
Abgerufen am 23. Januar 2018 um 05:15 Uhr

Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Rolf Poss

Die gesellschaftliche Struktur in Deutschland verändert sich. Die Vielfalt an Kulturen und Lebensformen wächst, der Anteil der älteren Menschen steigt und der der Erwerbstätigen nimmt ab.
Diese Entwicklungen wirken in die verschiedensten Lebensbereiche hinein und bringen Herausforderungen mit sich. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Aspekte oder das Sozialversicherungssystem, sondern es stellt sich auch die Frage, wie sich ein verändertes Generationenverhältnis auf politische Entscheidungsprozesse auswirken wird. Wird der Fokus auf Rentenpolitik liegen und Fragen nach Bildung für junge Menschen in den Hintergrund rücken? Werden Konflikte zwischen den Generationen in dieser Hinsicht zunehmen?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, tagte Anfang Juni im Bayerischen Landtag in München ein ganz besonderes Parlament. Das Parlament der Generationen.

Das Besondere: es handelt sich nicht um eine neue politische Institution, sondern um eine Politiksimulation, zu der der Bayerische Landtag und die Akademie für Politische Bildung Tutzing am zweiten und dritten Juni geladen hatten.
Entwickelt und erstmals durchgeführt wurde das Rollenspiel 2013 von der Akademie für Politische Bildung in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des „Wissenschaftsjahrs 2013 – Die demografische Chance“.

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© Akademie für Politische Bildung, Sebastian Haas

Darum geht es bei dem Parlament der Generationen
Wird der demografische Wandel das Abstimmungsverhalten und die politische Meinungsbildung in Zukunft beeinflussen und wenn ja, wie könnte das aussehen? Wie Antworten auf diese Fragen aussehen könnten, soll diese Politiksimulation zeigen.
Während Beobachter*innen aus Politik und Wissenschaft aus den Erfahrungen und Ergebnissen der Diskussionen Anregungen für ihre zukünftige Arbeit erwarten, geht es auch darum, bei Bürgerinnen und Bürgern eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema „Demografischer Wandel“ anzuregen.

Für die Teilnehmenden bietet das Parlament der Generationen die Möglichkeit, sich in einem ganz neuen Rahmen, als Mitglieder eines Parlaments, über gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen für unsere Gesellschaft auszutauschen. Dabei geht es natürlich um mehr als eine Diskussion, denn anders als vielleicht bei einem Gespräch unter Kollegen oder Bekannten sollen konkrete Lösungsvorhaben erarbeitet, verhandelt und verabschiedet werden.

So tagt das Parlament der Generationen
140 bayerische Bürger*innen zwischen 16 und 83 Jahren schlüpften diesen Juni in die Rollen von Abgeordneten und bildeten zwei von einander unabhängig arbeitende, vollkommen getrennte Parlamente. Die Rahmenbedingungen und Themen sind für beide Parlamente die gleichen. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden: die Zusammensetzung der Parlamente repräsentierte die Gesellschaft jeweils der Jahre 2016 und 2050 hinsichtlich Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund.
Jedes Parlament bestand aus vier unterschiedlich stark vertretenen Generationen: die „Starter“ (15-30 Jahre), die „Macher“ (31-50 Jahre), die „Könner“ (51-66 Jahre) und die „Kenner“ (ab 67 Jahren). Zunächst diskutierten jeweils die einzelnen Generationen der jeweiligen Parlamente in den sogenannten „Generationenratssitzungen (http://www NULL.parlament-der-generationen NULL.bayern/download/PDG_Ablauf02 NULL.pdf)“ über die beiden vorgegebenen Themen „regionale Entwicklung“ und „Bildung“. Hierbei sollten die Generationen – ähnlich der politischen Fraktionen in Parlamenten – eine gemeinsame Linie finden und ihre Standpunkte anschließend in die „Ausschusssitzungen (http://www NULL.parlament-der-generationen NULL.bayern/download/PDG_Ablauf03 NULL.pdf)“ hinein tragen. In den zwei Ausschüssen „Regionen“ und „Bildung“ arbeiteten nun die Generationen gemeinsam an jeweils einem der Themen. Dabei wurden politische Maßnahmen und Finanzierungsmöglichkeiten erörtert. Schließlich traf sich ein jedes Parlament im Plenum und stimmte zu den beiden Themenbereichen ab.

Am Ende der Veranstaltung fand eine gemeinsame Auswertung mit allen Teilnehmenden statt. Dabei wurden die Abstimmungsergebnisse und auch der Diskussionsverlauf der beiden Parlamente von den Teilnehmenden, den begleitenden Experten und der Simulationsleitung verglichen.
Dabei wurde sichtbar, wie sich die unterschiedliche demografische Zusammensetzung der Parlamente auf ihre Entscheidungsprozesse auswirkt.

Das Fazit von 2016
Das Diskussionsverhalten der Parlamente unterschied sich nicht unbedingt aufgrund ihrer demografischen Zusammensetzung, dafür aber das Entscheidungsverhalten. Obwohl die Gruppe der 15 – 30-Jährigen die kleinste war, so müsse man sich um diese Jugend keine Sorgen machen, so Ursula Münch (Direktorin der Akademie für Politische Bildung) und Barbara Stamm (Landtagspräsidentin) in der resümierenden Pressemeldung vom 4.6.16 (http://www NULL.parlament-der-generationen NULL.bayern/download/pdg-fazit-pm NULL.pdf).

© Akademie für Politische Bildung, Sebastian Haas

© Akademie für Politische Bildung, Sebastian Haas

Bei der Gruppe, die 2050 die Mehrheit bilden wird, also die Älteren, gab es wohl eine größere Zahl unterschiedlicher Meinungen. Dominieren würde die Diskussion aber die Gruppe, der mitten im Berufsleben Stehenden. So könnten diese gemeinsam vieles erreichen und verhindern, so Ursula Münch.

Thematisch wurde deutlich, dass zwar jede Generation Wert auf ihre Interessen legt, wie Pflege, Gesundheit oder Bildung, aber dass die jeweils anderen Generationen und deren Bedürfnisse dabei nicht aus dem Blick verloren werden.
So konnten die Teilnehmenden hautnah erleben, wie die Arbeit in der Politik abläuft, dass es eine Herausforderung ist, seine Positionen durchzusetzen und dass oftmals Kompromisse geschlossen werden müssen.
Besonders erfreut war Barbara Stamm auch darüber, wie viel Freude gerade die junge Generation an dieser Arbeit hatte und so ein Stück weit der Politikverdrossenheit entgegen gewirkt werden kann.

Ausführlichere Informationen sowie einige Videos und Eindrücke von der Veranstaltung finden sich auf der Homepage des Parlaments (http://www NULL.parlament-der-generationen NULL.bayern/).