Containern – der neue Trend?

Geschrieben von Nico Wunderle (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Mai 2017 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2017/05/containern-der-neue-trend/>
Abgerufen am 21. August 2017 um 17:49 Uhr

Containern gehen!

Sind Sie Fan von Abenteuern bei Nacht und wollen gleichzeitig auch etwas Gutes tun? Haben Sie nachts manchmal Hunger, aber der Kühlschrank ist so leer, dass nicht einmal eine Maus sich satt essen kann? Versuchen Sie es doch einmal mit »Containern«.

»Containern« ist heute das, was früher einmal Graffiti-Malerei war: Bei den jungen Leuten beliebt, sie sind nachts unterwegs un ihr Handeln kann strafrechtlich verfolgt werden.

Im Gegensatz zum Graffiti, werden beim »Containern« keine Wände beschädigt oder  verschmiert. Es entstehen auch keine großartigen Bilder an Zügen, Häusern oder Mauern. Beim »Containern« geht es darum, aus Mülltonnen von Supermärkten und Lebensmittelgeschäften essbares und wiederverwendbares rauszuholen.

Warum kann »Containern« strafbar sein?

Der Gesetzgeber argumentiert zum einen mit Hausfriedensbruch: »Wer in die Wohnung, in die Geschäftsräume oder in das befriedete Besitztum eines anderen oder in abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind, widerrechtlich eindringt, oder wer, wenn er ohne Befugnis darin verweilt, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft« (§123 Abs.1 StGB). Neben Hausfriedensbruch können auch »Containerer« wegen Diebstahl angezeigt werden.

Normalerweise dienen Gesetze zum Schutz der Gesellschaft und bestraft diejenigen, die etwas Böses getan haben. In diesem Falle werden eindeutig die Falschen bestraft.

Sicherlich können beim »Containern« Container beschädigt werden. Es ist auch nachvollziehbar, dass sich Nachbarn gestört fühlen, wenn Fremde nachts in Hinterhöfen herumschleichen. Doch was auf dem Spiel steht, sind Lebensmittel und Ressourcen, die weder abgelaufen, noch großartig beschädigt sind und trotzdem weggeworfen werden. Nach Schätzungen der Naturschutzorganisation »World Wide Fund for Nature« (WWF), werden in Deutschland jährlich rund 18. Millionen Tonnen an Lebensmittel verschwendet, davon ungefähr 14 Prozent durch die landesweiten Supermärkte.

Was hier verdeutlicht wird ist, dass wir weit entfernt von einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt, und dass Politik zugunsten von Supermarktketten und der Lebensmittel-industrie gemacht wird. Ein Gesetz zum Wegwerfverbot von Lebensmittel, wie es in Frankreich eingeführt wurde, gibt es hier in Deutschland nicht. Dieses Gesetz verbietet Supermärkten nicht nur, Lebensmittel wegzuwerfen, sondern soll dazu führen, dass Unverbrauchtes gespendet oder anders verwertet werden soll, zum Beispiel als Tiernahrung. Vive la Grande Nation! Auch wenn das Gesetz nicht die ultimative Lösung ist. Genauso wie auch das »Containern« auf Dauer nicht die Antwort auf die Frage nach einem nachhaltigen Ressourcenverbrauch sein kann. Aber »Containerer« teilweise rechtlich so  einzustufen, wie Auto-.oder Taschendiebe und im Gegensatz dazu nicht zu verbieten, dass  Lebensmittel grundlos weggeschmissen werden, sollte überdacht werden.

Zur aktuellen Situation der »Containerer« passt das Zitat vom amerikanischen Musiker und Komponist Frank Zappa, wie die Faust aufs Auge: »Ohne Abweichung von der Norm, ist kein Fortschritt möglich!«.

 

Geschrieben von Omar Abdelkader