Spaltung der Gesellschaft?! – Was hält unsere Gesellschaft zusammen?

Geschrieben von Nico Wunderle (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Mai 2017 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2017/05/spaltung-der-gesellschaft-was-haelt-unsere-gesellschaft-zusammen/>
Abgerufen am 16. Dezember 2017 um 06:32 Uhr

In den letzten Monaten hören wir immer wieder in den Medien oder in Reden von Politiker*innen  von der »Spaltung der Gesellschaft«. Doch was hat es genau auf sich mit ihr? Leben wir in einer gespaltenen Gesellschaft? Wer oder was spaltet die Gesellschaft? Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Dies sind alles Fragen, die uns als engagierte Weltbürger und Weltbürgerinnen beschäftigen und uns brennend interessieren. Hier folgen nun ein paar Überlegungen zu diesen Fragen!Das Leben in Europa ist seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gekennzeichnet von dem Streben nach einem funktionierenden Miteinander. Es gründet sich nach Ende des zweiten Weltkrieges eine Gemeinschaft nahezu aller Nationen der Welt (UN), die miteinander zusammenarbeitet und miteinander in Kontakt steht. Auch in Europa entwickelt sich nach Ende des zweiten Weltkrieges aus der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) eine Europäische Gemeinschaft, die jetzt als Europäische Union (EU) bekannt ist. Die EU als Europäische Staatengemeinschaft und gleichsam auch Europäische Wertegemeinschaft ist bis vor wenigen Jahren stetig gewachsen und als große Chance verstanden worden. Sie umfasst nach heutigem Stand (31.05.2017) 28 Nationen. 19 der 28 Mitglieder der EU sind auch Mitglied der Europäischen Währungsunion und haben den Euro als offizielles Zahlungsmittel eingeführt.

In den letzten Jahren hat sich der Blick auf die EU geändert. Es hat sich eine negierende, aversive Haltung vieler Bürger Europas breit gemacht, die häufig als EU-Skepsis bezeichnet wird. Rückblickend kann man sagen, dass diese kritische Haltung gegenüber der EU 2009 mit dem drohenden Staatsbankrott Griechenlands und dem drohenden Ausscheiden aus der Euro-Zone (Grexit) begonnen hat. Verstärkt hat sich die EU-Skepsis durch immer größere Ströme von geflohenen Menschen, die aus einigen Kriegsgebieten nach Europa kamen und dort Asyl suchten. Die Ankunft vieler Fliehenden wurde in unseren Medien und den Reden der Politiker*innen als »Flüchtlingskrise« bezeichnet und war so ganz klar negativ behaftet.

Die Flüchtlingsthematik sorgte in Deutschland ein Stück weit für eine Spaltung der Gesellschaft. Auf der einer Seite steht die Willkommenskultur, die Herzlichkeit und das Engagement für die Belange der Geflohenen und auf der anderen Seite, stehen die Menschen, die Fliehende als eine Bedrohung für sich selbst und ihre eigene Zukunft wahrnehmen.  Diese fühlten sich durch ihre neuen Mitbürger gestört.
Dies führte dazu, dass menschenfeindliches, xenophobes, rechtes Gedankengut wieder salonfähig wurde und sorgte für einen rasanten Anstieg der Popularität von nationalkonservativen Parteien, in ganz Europa. Diese Parteien haben es teilweise sogar in die Regierung einiger Länder geschafft. In Deutschland häuften sich Meldungen von Brandstiftungen auf Asylunterkünfte und immer mehr Menschen machten keinen Hehl daraus, dass sie Fliehenden gegenüber nicht positiv gesonnen sind. Auf der anderen Seite gibt es in jeder Gemeinde engagierte Ehrenamtliche, die sich zum Beispiel in Helferkreisen organisieren und sich um die neu angekommenen Flüchtlinge kümmern. Sie sorgen dafür, dass die Fliehenden in Deutschland einen möglichst guten Start erleben und schnell  in ihrem neuen sozialen Umfeld im Heimatort Fuß fassen können, sich also dort gut integrieren.

Auch im Bezug auf die Haltung gegenüber Abschiebungen spaltet sich Deutschland. Die Einen fordern konsequente Abschiebungen und möglichst viele Nationen, die als »Sichere Herkunftsländer« deklariert werden, um die Abschiebungsprozesse zu beschleunigen. Die Anderen kämpfen hartnäckig gegen Abschiebungen von Menschen, die sich in Deutschland gut integrieren. Sie möchten verhindern, dass die Flüchtlinge in unsichere Gebiete zurückkehren müssen.

Wenn wir jetzt nochmal unseren Blick auf das Weltgeschehen des vergangenen Jahres wenden, erinnern wir uns an zwei richtungsweisende Entscheidungen, die nahe legen, dass wir uns auf dem Weg zur Spaltung der Gesellschaft befinden.  Das ist einerseits die Entscheidung der Bürger Großbritanniens gegen ihren Verbleib in der Europäischen Union im Brexit-Referendum und andererseits die Wahl eines äußerst umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump, der nicht selten die »Wahrheit« so auslegt, wie sie ihm gerade am besten passt und deshalb häufig auf Alternativ-Fakten ausweicht.

Abgesehen von Trump hätte in Europa beinahe ganz viel schief gehen und in eine sehr undemokratische Richtung abdriften können:  Norbert Hofer (FPÖ) wäre fast Bundespräsident von Österreich geworden.
Die nationalkonservative Marine le Pen erreichte die Stichwahl, um französische Präsidentin zu werden.
Geert Wilders hatte gute Chancen, die meisten Stimmen bei den Wahlen in den Niederlanden zu bekommen und die Alternative für Deutschland (AfD) sitzt mittlerweile in 13 Landtagen.

Aber egal ob, Trump, le Pen oder AfD – eines ist sicher:  Die Demokratie in der Welt steht zurzeit vor einer großen Zerreißprobe.

Was kann die Gesellschaft – sowohl in Deutschland als auch in der Welt – zusammenhalten?

Mit diesem Thema möchte sich der Bezirksjugendring Schwaben bei seiner Veranstaltung zum Thema: »Die gespaltene Gesellschaft« am 08. Juli 2017 in der Jugendbildungsstätte Babenhausen beschäftigen.

Deswegen laden wir alle Interessierten zu einem Projekttag mit Workshops, Diskussionsgruppen und einem interessanten Vortrag ein! Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr und endet um 15 Uhr.

Ablauf des Projekttages:

Vortrag zum Thema: »Zusammenhalt vs. Spaltung der Gesellschaft im Kontext der Bundestagswahl« – Referent: Christian Boeser-Schnebel (Lehrstuhl Pädagogik Universität Augsburg)

Übersicht der Workshop:

»Wie man richtig streitet – der Umgang mit Stammtischparolen«  mit Büsra Köse und Nico Wunderle

»Politik und Jugendarbeit – Zeitgemäße Politische Bildung« mit Silvia Simbeck (CAP-Institut München)

»Umgang mit Hass und Rassismus in Social Media« mit Hans-Jürgen Palme (Geschäftsführer des medienpädagogischen Projekts Studio im Netz)

Übersicht  der Diskussionsgruppen zu den Themen:

Tradition und Heimat – Expertin: Renate Denifl (Jugendbeauftragte des Bezirkstags Schwaben)

Vielfalt für alle -   Experte: Manuel Wenda (Sozialarbeiter und Aktivist in der Arbeit mit Flüchtlingen)

Angst vs. Mut – Expertin: Roswitha Kugelmann (Gründerin des Sozialkaufhauses »Contact« und des Mehrgenerationenwohnprojekts »Contact-Dorf«

Für nähere Infos gelangen Sie hier zum Flyer der Veranstaltung:

https://files.acrobat.com/a/preview/d51a4e43-3044-4112-ac19-22ddc5dfb6d1 (https://files NULL.acrobat NULL.com/a/preview/d51a4e43-3044-4112-ac19-22ddc5dfb6d1)

Wer am 8. Juli teilnehmen möchte, meldet sich bitte bis 27. Juni 2017 an. (lorenz.semmler@bezjr-schwaben.de)