Wie man richtig streitet – Argumentationstraining gegen Stammtischparolen

Geschrieben von Nico Wunderle (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. Mai 2017 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2017/05/wie-man-richtig-streitet-argumentationstraining-gegen-stammtischparolen/>
Abgerufen am 16. Dezember 2017 um 06:29 Uhr

In unserer Kultur ist Streiten sehr negativ behaftet. Dennoch ist eine gepflegte Streitkultur nichts Verwerfliches – im Gegenteil – es ist wichtig, konstruktiv streiten zu können und eigene Meinungen argumentativ zu vertreten. Christian Boeser-Schnebel, beschäftigt am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Augsburg, Karin Schnebel und Florian Wenzel haben deswegen ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen für Demokratie entwickelt. Damit soll gezeigt werden, wie man richtig streitet. Um dieses Argumentationstraining noch weiter an die Öffentlichkeit zu tragen, werden momentan Multiplikator*innen zu Argumentationstrainer*innen ausgebildet.

Welche Ziele verfolgt der Workshop?

Der Workshop möchte dazu anregen, Streitgespräche über Politik einzugehen, denn unsere Demokratie lebt von Meinungspluralität und unterschiedlichen Perspektiven der Wahrnehmung. Ein objektives »Richtig« oder »Falsch« gibt es dabei eher selten, da nahezu jede Meinung – außer sie ist offensichtlich menschenfeindlich –  sowohl ein Für als auch ein Wider mit sich bringt.

Außerdem möchte er zeigen, dass streiten, wenn man es richtig tut, nicht zwangsläufig etwas Negatives ist, sondern nur das Austragen von Meinungsverschiedenheiten ist. Dies muss nicht unbedingt in bösartiger, feindseliger Art und Weise stattfinden.

Es geht darum, zu lernen, sich in die Meinungen anderer Menschen hineinzuversetzen und andere Meinungen nicht per se als »falsch« abzustempeln. Wir wollen also, die Beweggründe und Perspektiven der anderen Meinung verstehen und sie als eine legitime Meinung zu akzeptieren. Um unterschiedliche Perspektiven besser verstehen zu können, empfiehlt es sich nachzufragen und über die unterschiedlichen Ansichten in den Diskurs zu kommen.

Um dies zu lernen, bringt das Konzept von Christian Boeser-Schnebel, Karin Schnebel und Florian Wenzel einige Methoden ins Spiel, die begreiflich machen, dass es kein objektives Richtig oder Falsch gibt. Dies hilft zum Beispiel dabei, politische Meinungen nachvollziehen zu können, die nicht der eigenen Meinung entsprechen, ohne dabei in den »Grizzly-Modus« abzurutschen.

Der im Konzept genannte »Grizzlymodus« beschreibt eine abwehrende Grundhaltung, die konstruktive Diskussionen erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht. Bis sich der Adrenalinpegel und die impulsive Grundhaltung normalisiert, kann es stundenlang dauern. Erst dann kann man wieder in eine konstruktive Diskussion zurückfinden.

Der Workshop möchte sich einerseits konkret und eindeutig gegen Menschenfeindlichkeit stellen, andererseits soll eine Gesprächsfähigkeit über gesellschaftlich kontroverse Themen aufrechterhalten werden und dabei auf die Ängste und Sorgen aller eingegangen werden

Die Ursachen für Stammtischparolen liegen oftmals in Verallgemeinerungen, widersprüchlichen Argumenten, Betroffenheit aber auch dem fehlenden Denken in Wechselwirkungen. Menschen neigen sehr dazu, in Schubladen zu denken und können diese Denkweise – wenn überhaupt – nur sehr schwierig abstellen.
Helfen kann dabei eine analytische Perspektive, die nach den Ursachen für die Stammtischparole fragt.

Wie werde Multiplikator*in und Argumentationstrainer*in gegen Stammtischparolen?

Die Ausbildung zum*r Argumentationstrainer*in baut sich aus vier verschiedenen Modulen auf. Im ersten Modul, – fand im Mai 2017 in der Vollmar-Akademie in Kochel statt – erlernten die Trainer*innen die Grundzüge des Konzeptes.  Anschließend folgt eine Hospitation bei einem Argumentationsworkshop, ehe die Teilnehmenden in Modul 3 selbstständig ein Argumentationstraining durchführen. Abschließend treffen sich die angehenden Trainer*innen nochmals in Kochel für ein Wochenende und erhalten theoretischen Input  und Antworten auf entstandene Fragen.