Was tun Jugendliche in und mit Politik?

Geschrieben von Julia Poweleit (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 31. August 2017 unter <http://www.politische-bildung-schwaben.net/2017/08/was-tun-jugendliche-in-und-mit-politik/>
Abgerufen am 17. Oktober 2017 um 22:31 Uhr

Dieser Frage geht der 15. Kinder und Jugendbericht »Zwischen Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten – Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsanspruch im Jugendalter« auf den Grund. Wie wird Politik und politisches Engagement hier definiert? Und ist unsere Jugend tatsächlich politisch desinteressiert?

Das Verständnis von Politik

Häufig definieren wir Politik oder politische Teilhabe mit der regelmäßigen Teilnahme an Wahlen oder gar der Mitgliedschaft in einer Partei. Hier wird jedoch oft vergessen, dass junge Menschen nach wie vor nur eingeschränkte Mitbestimmungsrechte besitzen, z.B. dass sie erst ab 16 bzw. 18 Jahren wählen gehen dürfen. Gerade Jugendliche unter 18 Jahren werden damit in ein politisches Übungsfeld ohne tatsächliche Mitbestimmung katapultiert und ihre Möglichkeiten politisch zu handeln werden stark eingeschränkt.

Erweitert man jedoch den Bereich der politischen Teilhabe und bezieht in das Verständnis von politischer Aktivität alle Handlungen ein, in denen sich die Bürger in kritischer, verändernder oder gestaltender Absicht einbringen, eröffnet sich ein breites Spektrum an Handlungsmöglichkeiten, die auch Jugendlichen zur Verfügung stehen und von ihnen genutzt bzw. selbst von ihnen hervorgebracht werden.

Dass auch Jugendliche selbst häufig das traditionelle Verständnis von den Erwachsenen übernehmen, zeigt sich im Bericht an der Tatsache, dass sich nur 35% der jungen Erwachsenen selbst als politisch interessiert sehen. Fragt man jedoch nicht nach politischem Interesse, sondern nach spezifischen Themenbereichen, zeigt sich, dass ein hoher Anteil an Jugendlichen am Umweltschutz, dem aktuellen Weltgeschehen sowie der Energiepolitik interessiert sind.

 

Engagement und Politikverdrossenheit

In der öffentlichen Wahrnehmung wird oft übersehen, dass sich Jugendliche freiwillig engagieren, sei es in der Jugendarbeit, bei Wohlfahrtsverbänden oder durch politische Beteiligung im Internet.

Insgesamt sind die 14- bis 19- Jährigen die ehrenamtlich aktivsten: Jeder zweite von ihnen ist regelmäßig ehrenamtlich aktiv. In Jugendverbänden übernehmen Jugendliche Leitungsverantwortung, entscheiden über gemeinsame Aktivitäten, , organisieren Beteiligung auch über die eigenen Verbände hinaus, entwickeln politische Positionierungen und wirken in verschiedenen Themenbereiche auf politische Prozesse ein.

Der Bericht widerspricht (mit dem Blick auf ein erweitertes Politikverständnis) der verbreiteten Ansicht die junge Generation sei politikverdrossen, bestätigt aber ein anhaltend niedriges Vertrauen in Parlamente und Parteien. Im Mittelpunkt stünden zunehmend alternative Formen der Mitwirkung.

Unkonventionelle politische Aktivitäten

Im Fokus stehen hier nicht-organisationsbezogene politische Aktivitätsformen, wie die Teilnahme an Demonstrationen, Unterschriftensammlungen oder Warenboykotten, aber auch Mediale Protestformen wie Internetpostings. Auch Soziale Bewegungen, Nichtregierungsorganisationen und Protestgruppen bieten den Jugendlichen und jungen Erwachsenen interessenspezifische Teilhabe. Vor allem die punktuelle Teilhabe an Protestereignissen scheint bei der Jugend gefragter als bindende Mitgliedschaften. Dies zeige die hohe Beteiligung junger Menschen an Demonstrationen zum Erhalt der Bürgerrechte oder gegen Asylrechtsverschärfungen.  Protestformen und unkonventionelle Aktionen werden von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen als kreativ, aussagekräftig, sichtbar und offen für Interessierte gesehen.

Fazit

Zusammenfassend beschreibt der Bericht, dass das politische Interesse der Jugend je nach Politikfeldern sowie Politikebenen unterschiedlich ausgeprägt ist. Etwa 40 % sehen sich selbst als politisch interessiert, etwa genauso viele sind in Vereinen oder Verbänden ehrenamtlich aktiv. Mehr als die Hälfte der jungen Erwachsenen beteiligt sich an Wahlen. Durch ein erweitertes Begriffsverständnis von Politik, sind junge Erwachsene politisch aktiv, jedoch weniger stark in politisch institutionalisierte Zusammenhänge eingebunden als ältere Erwachsene. Gerade in formalisierten Entscheidungsprozessen seien sie daher weniger repräsentiert und einflussreich.

 

Zum vollständigen Bericht geht es hier. (https://www NULL.bmfsfj NULL.de/bmfsfj/service/publikationen/15--kinder--und-jugendbericht/115440)