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"Europa" am Leonhard-Wagner-Gymnasium Drucken E-Mail
Geschrieben von Fritz Multrus   
Donnerstag, 8. Dezember 2005

2004_jugendgestalteteuropa.jpg„Jetzt habe ich endlich verstanden, warum es für Politiker so schwierig ist, solche Fragen zu beantworten!“ Diese Aussage einer Schülerin zeigt, welche Schwierigkeiten Schüler, Lehrer und auch der Europaabgeordnete Markus Ferber mit dem komplexen Thema Europa haben. Der Studientag der Klasse 11 d zum Thema „Europa – in guter Verfassung?“ beschäftigte sich mit diesem wichtigen, aber oft vernachlässigten Gegenstand.

Das Leonhard-Wagner-Gymnasium hatte einen der seltenen Veranstaltungstermine ergattert - finanziert vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und durchgeführt von Mitarbeitern des Centrums für angewandte Politikforschung (CAP). Die Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse reagierten mit großem Interesse und Engagement auf dieses ungewöhnliche Angebot. Die beiden jungen Teamer Gertrud Rieger-Beck, Universität Augsburg, und Martin Uhlir, Universität Salzburg, leiteten mit großem Geschick diese Veranstaltung.

2005_europa_lwg_gertrud__martin.jpg
die Teamer Martin Uhlir und Gertrud Rieger-Beck 

Handlungsorientierte Methoden  und Präsentation im Vordergrund

Am Vormittag erarbeiteten Arbeitsgruppen zentrale Aspekte der europäischen Einigung: Die Geschichte der europäischen Integration, Europa als Wertegemeinschaft und die Institutionen der EU. Hierbei zeigte sich doch ein großer Nachholbedarf an Informationen. Die Ergebnisse der Gruppen wurden dann durchaus gekonnt präsentiert.

2005_lwgstudientag_europa.jpg

In einem zweiten Teil befasste man sich mit dem Entwurf einer europäischen Verfassung. Anhand von zentralen Verfassungsartikeln aus dem 482 Seiten umfassenden Entwurf und Zeitungsartikeln zu Kernpunkten der Verfassung, deren Auswirkungen auf den Alltag sowie sozial- und wirtschaftspolitischen Aspekten beschäftigten sich wiederum Arbeitsgruppen mit dem Verfassungsentwurf. Als Resultat wurde am Nachmittag der Europaabgeordnete Markus Ferber mit jeweils fünf Punkten als Verbesserungsvorschläge bzw. Fragen konfrontiert. Von der Kritik an einem bloßen Mindeststandard an Umweltschutzrichtlinien über die Frage der Vereinbarkeit der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mit der Möglichkeit einer Frauenquote bis hin zu ganz aktuellen Fragen nach Sanktionsmöglichkeiten gegen EU-Mitgliedsländer, die Foltergefängnisse für Terrorverdächtigte in ihren Ländern dulden, reichte die Palette der Nachfragen. Auch Markus Ferber musste zugestehen, dass diese Schülerfragen ein „hartes Brot“ für ihn darstellten. Zudem enttäuschte er Schüler, die meinten, er würde in seinem Privatjet in Europa herumreisen.

Positive Resonanz des Abgeordnetenbesuchs bei den Schülern

Markus Ferber fand bei den Schülern eine sehr positive Resonanz, weil er keinen Vortrag hielt, sondern den Schülern zuhörte und deren manchmal unbequeme Fragen offen beantwortete. In der Nachbesprechung waren alle einhellig der Meinung, dass dieser direkte Kontakt von Abgeordneten mit ihren zukünftigen Wählern viel zu selten stattfindet. Profitieren könnten davon sicherlich beide Seiten. Natürlich kann eine eintägige Veranstaltung nicht alle Vorurteile und Informationsdefizite ausräumen – dafür hätten auch mehrere Tage nicht ausgereicht. Die im Gymnasium von der Stundenanzahl stiefmütterlich vernachlässigte politische Bildung konnte aufzeigen, dass das Interesse und auch die Wissbegierde der Schüler recht groß sind. Vielleicht könnte dies als Fingerzeig verstanden werden, dass sich ein Europaabgeordneter und CSU-Bezirksvorsitzender wie Markus Ferber für ein größeres Gewicht des Sozialkundeunterrichts im Gymnasium einsetzen sollte. Auch die eher ungewöhnlichen Arbeitsmethoden wurden als „tolle Abwechslung zum Unterrichtsalltag“ von den Teilnehmern begrüßt. Leider wird aber eine solch gelungene Veranstaltung der politischen Bildung wohl die Ausnahme bleiben.


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