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Lernort Bayerischer Landtag: Schüler diskutieren mit Abgeordneten Drucken E-Mail
Geschrieben von Fritz Multrus   
Sonntag, 3. Dezember 2006

Schüler der Kurse Sozialkunde und Geschichte des Leonhard-Wagner-Gymnasiums besuchten am 30. November 2006 den Bayerischen Landtag.

Oberstudienrat Michael Schmitt, Leiter des Besucherdienstes, führte die Schüler kompetent und engagiert durch das Maximilianeum und in den neu gestalteten Plenarsaal. Auf den Sitzen der Abgeordneten erhielten die Schüler eine Kurzeinführung in die Aufgaben und den Aufbau der bayerischen Volksvertretung. Vor Ort konnten die Informationen viel anschaulicher vermittelt und interessierter aufgenommen werden als im nüchternen Klassenzimmer.

2006_bayerischerlandtag_plenar.jpg

Anschließend stand ein Besuch des Ausschusses für „Bildung, Jugend und Sport“ auf dem Programm. Ein Dringlichkeitsantrag der SPD-Opposition zur Hauptschule wurde behandelt. In dieser Sitzung mussten die Schüler alle Unarten der politischen Kultur erleben. Eine giftige und feindselige Atmosphäre war offensichtlich, mehrfach klingelte während der Sitzung ein Handy, Abgeordnete lasen die Zeitung und unterhielten sich laut. Insbesondere die Ausschussmitglieder der Mehrheitsfraktion quittierten die Aussagen der Opposition mit hämischem Gelächter und Feixen, ein Abgeordneter ließ sich sogar zur Aussage hinreißen, alles sei „erstunken und erlogen“. Seine halbherzige Entschuldigung, er habe gesagt, so würde man „im Bierzelt“ sagen, legt die Vermutung nahe, dass eher persönliche Verunglimpfungen statt sachlicher Debatte den Arbeitsstil des Ausschusses prägen - keine gute Basis für die bayerische Bildungspolitik.

Zu den Merkwürdigkeiten gehörte auch, dass der Ausschussvorsitzende das Abstimmungsergebnis bekannt gab, ehe seine Parteikollegen überhaupt die Hände oben hatten. Wäre es bei diesem Einblick in die parlamentarische Arbeit geblieben, wären wohl alle Vorurteile über Politik bestätigt und das politische Desinteresse von Jugendlichen gefördert worden.

Allerdings zeigte sich in einer anschließenden Diskussion mit den Abgeordneten Dr. Simone Strohmayr (SPD) und Martin Sailer (CSU), dass es auch ganz anders gehen kann. Den beiden jungen Abgeordneten aus dem Landkreis Augsburg war die Diskussion mit den Schülern wichtiger als die Teilnahme an dem gleichzeitigen Festakt zum Jubiläum der bayerischen Verfassung. Sie nahmen sich eine ganze Stunde Zeit für die Diskussion, in der die Schüler vorbereitete Fragen zum Handyverbot, dem Verbraucherschutz beim Fleischskandal, der Rolle der politischen Bildung im G8 und der Forstreform stellten. Obwohl beide Abgeordnete die Positionen ihrer Partei deutlich und unmissverständlich zum Ausdruck brachten, blieben ihre Aussagen sachlich und das menschliche Verhältnis trotz der Gegensätze freundlich. Auch eine Entgleisung eines Schülers, der sich vehement für den abgeschossenen Braunbären Bruno und alle anderen Wildtiere in Bayern einsetzte, wurde humorvoll, aber auch klar zurückgewiesen. Diese Diskussion konnte die erschreckenden Eindrücke der Ausschusssitzung mehr als ausgleichen.

2006_bayerischerlandtag_gruppe.jpg

Das Gruppenfoto der Schülergruppe mit den beiden Abgeordneten zeigt allseits zufriedene und entspannte Gesichter. Von den Jugendlichen wurde dennoch beklagt, dass Gespräche mit Politikern viel zu selten möglich sind. Dies kann auch als Hinweis für die Volksvertreter verstanden werden, die politische Bildung und das Fach Sozialkunde weiter zu stärken - denn sie wollen doch gewählt werden!


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