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Europa - in guter Verfassung? 2. Tag der Sozialkunde an der Universität Augsburg Drucken E-Mail
Geschrieben von Fritz Multrus   
Dienstag, 27. März 2007

Zum zweiten Mal fand der „Tag der Sozialkunde“ am 17. Januar 2007 an der Universität Augsburg statt. Beteiligt waren Professoren und Dozenten, die mit der Ausbildung von Sozialkundelehrern befasst sind. Dieser Veranstaltung liegt der Gedanke zugrunde, dass durch die Aktualität und schnelle Veränderung in Staat und Gesellschaft für Sozialkundelehrer ein erhöhter Informations- und Fortbildungsbedarf besteht. Augsburger Hochschullehrer waren deshalb bereit, die neuesten fachwissenschaftlichen sowie didaktischen Ergebnisse vorzustellen. Der Sozialkundeunterricht an den bayerischen Gymnasien kann diese Innovationen und inhaltlichen Bereicherungen wohl sehr gut gebrauchen.

Prof. Mühleisen
Prof. Dr. Hans-Otto Mühleisen

Das Einführungsreferat hielt Prof. Dr. Hans-Otto Mühleisen zum Thema „Europäische Außenpolitik zwischen Machtpolitik und Zivilgesellschaft.“ Zu seinen langjährigen Arbeitsgebieten gehören Internationale Politik, Europa und politische Kultur. Als ausgewiesener Experte behandelte er zuerst die Grundlagen und Probleme der „Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik“ (GASP) und lieferte dann einen kurzen, aber sehr informativen Abriss der europäischen Außenpolitik. Als Schwerpunkt setzte er sich mit dem EU-Verfassungsentwurf auseinander und untersuchte, ob darin eher eine traditionelle Machtpolitik oder eine moderne friedliche Zivilmacht für die EU festgeschrieben ist. Die detaillierte Analyse des Verfassungsentwurfs ergab, dass mit der vorgesehenen „Verteidigungsagentur“ als Vorform eines europäischen Verteidigungsministeriums eine Institutionalisierung von Aufrüstung und Militärpolitik möglich ist. Ebenso sind aber zivilgesellschaftliche Elemente einer kooperativen, friedensfördernden Außenpolitik vorhanden. Sein Resümee war, dass beide Elemente angelegt sind und dass eine Gefahr der Militarisierung der EU frühzeitig verhindert werden sollte.

Prof. Werner Schneider
Prof. Dr. Werner Schneider

Prof. Dr. Werner Schneider, Lehrstuhl Soziologie unter Berücksichtigung der Sozialkunde, hielt danach einen sehr lebensnahen Vortrag „Zur Bedeutung von Geld im Alltag von jungen Paaren - Ein Ländervergleich.“ Die Forschungsergebnisse einer Vergleichsstudie über Deutschland, Schweden, Spanien und die USA zeigte interessante, aber auch amüsante Aspekte unseres Verhältnisses zum Geld auf. Mit dem 'eigenen Geld' beider Partner verändern sich die Bedingungen für die Produktion und Reproduktion von Machtverhältnissen und Geschlechterungleichheit in der intimen Paarbeziehung grundlegend, so die Ausgangsthese. Nach einer differenzierten und auch vergnüglichen Darlegung der Forschungsergebnisse garantiert eigenes Geld von Frauen dagegen keineswegs ein eigenes Leben im Sinne von Unabhängigkeit vom Partner, von der Paarbeziehung oder mehr Gleichberechtigung. Vielmehr produziert die Vergemeinschaftung durch Beziehungsgeld eigene Macht- und Ungleichheitseffekte für Männer und Frauen in der gemeinschaftlichen Beziehung.

Mittlerweile werden von vielen Bildungseinrichtungen Planspiele angeboten und durchgeführt - Grund genug für Dr. Christian Boeser, Lehrstuhl Pädagogik, sich im Workshop I mit „Planspielen - Möglichkeiten und Grenzen am Beispiel Europa“ auseinanderzusetzen. An Beispielen mit Hilfe von Videoaufzeichnungen konnte Dr. Boeser aufzeigen, dass Planspiele nicht nur gewichtige Vorteile haben, sondern dass die manchmal zu starke Vereinfachung, der Zeitmangel und die Verfälschung politischer Wirklichkeit durch vorschnelle Harmonisierungen und unrealistische Lösungen durchaus Probleme aufwirft.

Plenum
Das Plenum am 2. Tag der Sozialkunde

Im Workshop II stellte Prof. Dr. Andreas Brunold als Unterrichtsmethode die Fallstudie mit dem Thema „Die europäische Zuckermarktordnung - Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierung?“ vor. Diese Methode eignet sich besonders für die exemplarische Analyse von komplexen Problemen und Abläufen. Obwohl viel Text für die Erfassung der komplizierten europäischen Zuckermarktordnung erforderlich ist, bleibt dennoch Raum für Eigenaktivität der Schüler sowie eigenständige Urteilsbildung - so im erprobten Unterrichtsmodell, das Prof. Dr. Brunold vorstellte.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Didaktik der Sozialkunde an der Universität Augsburg

Insgesamt kamen die vielfältigen und ganz unterschiedlichen Themen der europäischen Einigung und der unterschiedlichen Unterrichtsmethoden bei den Teilnehmern sehr gut an. Die Verbindung von fachwissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischer Darstellung von Unterrichtsmethoden ist ein wichtiger Pluspunkt der Veranstaltung, die nach der Meinung vieler Teilnehmer zur Tradition werden sollte.

Fritz Multrus


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