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5. Netzwerkforum Politische Bildung Schwaben: Interview mit den Begründern Drucken E-Mail
Geschrieben von Redaktion   
Donnerstag, 30. August 2007

logo_3_klein_web_copy.gif Den Startpunkt für das Netzwerk Politische Bildung Schwaben bildete im Sommer 2002 die Kooperation zwischen Bezirksjugendring Schwaben, Katholischer Stiftungsfachhochschule München - Abteilung Benediktbeuern und der Universität Augsburg. Zunächst wurde an einer Bestandsaufnahme zur politischen Bildung im Bezirk Schwaben gearbeitet. Diese diente unter anderem dem Ziel, eine Standortbestimmung in Schwaben durchzuführen und eine Kommunikationsplattform mit den Akteuren und der politischen Bildung im Bezirk aufzubauen.

Begründer und Initiator des Projekts war Winfried Dumberger-Babiel, Prof. Dr. Gerhard Kral, leitete die erste Projektphase und führte die Bestandserhebung durch.

Fünf Jahre später hat sich aus der Bestanderhebung und der Kommunikationsplattform ein Netzwerk entwickelt, aus dessen Mitte wiederum verschiedene Kooperationen und Projekte entstanden sind. In diesem Jahr findet zum fünften Mal ein Forum statt, bei dem sich alle Beteiligten jährlich zum Austausch treffen.

Wir haben mit Herrn Dumberger-Babiel und Herrn Kral über das Netzwerk Politische Bildung Schwaben gesprochen.

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Prof. Dr. Gerhard Kral arbeitet seit 15 Jahren als Professor für Politik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München – Abteilung Benediktbeuern

 

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Winfried Dumberger-Babiel ist seit über 20 Jahren Geschäftsführer beim Bezirksjugendring Schwaben.

 
Redaktion:Was war Ihre Motivation für die Projektinitiierung?! Wie kam es zur Kooperation von Bezirksjugendring Schwaben und Katholischer Stiftungsfachhochschule?

Dumberger-Babiel: Begonnen hat das Ganze bei einem Forum zum Thema „Zukunftsperspektiven der Jugendarbeit“ im Jahr 2001, bei dem Prof. Franz Schmid, Vizepräsident der Stiftungsfachhochschule, einen Vortrag gehalten hat. Hier hat er u.a. auf Defizite im Bereich der Politischen Bildung hingewiesen. Auch mein Eindruck war, dass wir in der außerschulischen Jugendarbeit der Politischen Bildung wieder mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, da wir laut Jugendhilfegesetz einen Auftrag dazu haben. Ein weiterer Aspekt war, dass bei der Kommunalwahl 2002 eine sinkende Wahlbeteiligung festgestellt wurde, was im Rahmen des damals vom Bezirk Schwaben organisierten Agenda 21-Prozesses thematisiert wurde. Unsere Idee war es, die aktuelle Situation der Politischen Bildung in Schwaben mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Der Bezirk Schwaben war bereit, dies zu finanzieren.

Prof. Kral: Prof. Schmid hat mich daraufhin angesprochen, ob ich hier nicht mitwirken möchte. Da Politik und Politische Bildung schon lange zu meinen wichtigsten Interessensgebieten gehören, war ich sehr motiviert. Günstig war auch, dass ich als Forschungsbeauftragter meiner Fachhochschule das Projekt gut in meine berufliche Tätigkeit einbauen konnte.

Die Bestandserhebung hatte ja den Atlas Politische Bildung Schwaben zum Ergebnis, der dann zur Grundlage der Institutionen- und Referentendatenbank auf www.politische-bildung-schwaben.net wurde. Warum haben Sie nach der Bestandserhebung mit Ihrem Projekt weitergemacht?

Dumberger-Babiel: Die Ergebnisse haben uns herausgefordert weiterzumachen. Ein Ergebnis war, dass die Schulen die Politik vor Ihrer Haustür, also die Kommunalpolitik, kaum im Blick haben und hier wenige Angebote bestehen. Gleichzeitig wurde aber das Interesse an solchen Angeboten von sehr vielen artikuliert.

Prof. Kral: Was auch sehr beeindruckend gewesen ist, waren die Rückmeldungen im Rahmen meiner Forschungsinterviews, dass sich z.B. viele Lehrerinnen und Lehrer als Einzelkämpfer fühlen und ein großes Interesse am Austausch mit anderen haben. Konkret wurde hier bemängelt, dass eine Plattform für den kollegialen Austausch fehle. Das hat uns dann sehr motiviert, ein Netzwerk der Politischen Bildung in Schwaben aufzubauen.

Was sind aus heutiger Sicht die wichtigsten Erfolge des seit 2003 bestehenden Netzwerkes?

Dumberger-Babiel: Seit 2003 haben wir jährliche Forumsveranstaltungen um sich in einer lockeren Atmosphäre mit Themen der Politischen Bildung auseinander setzen zu können. Die Teilnehmer haben ein gemeinsames Interesse Politische Bildung weiter zu entwickeln. Dadurch dass wichtige Schlüsselpersonen teilnehmen, streuen die Ergebnisse dann auch in ganz unterschiedliche Bereiche. Für den Bezirksjugendring Schwaben war es sehr positiv, neue Kontakte aufzubauen, insbesondere zu Schulen aber auch zur Kommunal- und zur Bezirkspolitik. Dies war für die Entwicklung von zwei inhaltlichen Bausteinen sehr zentral.

Prof. Kral: Bei den beiden Bausteinen „Kommunalpolitik erleben“ und „Bezirk Schwaben erleben“ war die Kooperation von Jugendarbeit, Schule, Wissenschaft und Politik sowie Verwaltung Voraussetzung für den Erfolg. Bemerkenswert war, dass sich durch die Auseinandersetzung mit Politischer Bildung auch bei Politik und Verwaltung positive Entwicklungen ergeben haben, dass zum Beispiel Barrieren gegenüber Jugendlichen überwunden werden konnten.

Dumberger-Babiel: Und es wurden mit den Bausteinen Projekte realisiert, die im Vorfeld für unmöglich gehalten wurden. Das konnte nur geschehen weil Schlüsselpersonen aller relevanten Institutionen von Anfang an beteiligt gewesen sind und Skeptiker in den eigenen Reihen überzeugen konnten.

Was sind aus Ihren Erfahrungen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Vernetzungsprojekt?

Dumberger-Babiel: Wenn man vernetzt arbeiten möchte, müssen die verschiedenen Gruppen auch direkt miteinander kommunizieren können, also nicht nur über das Internet, sondern auch über reale Treffen. Und man muss bei der Entwicklung konkreter Projekte, wie z.B. den erwähnten Bausteinen, darauf achten, dass es sich um win-win-Situationen handelt, dass also alle Beteiligten von der Arbeit profitieren können.

Prof. Kral: Wichtig ist es auch, die möglichen Interessenten immer wieder direkt anzusprechen und zur Mitwirkung einzuladen. Man muss wirklich auf die Leute zugehen. Und wenn man mit den Menschen zusammenarbeitet, ist es nötig, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, man muss die Bereitschaft haben, andere Arbeitsstile und spezifische Eigenheiten der Kooperationspartner zu akzeptieren.

Welchen Stellenwert haben die jährlichen Forumsveranstaltungen?

Prof. Kral: Der besondere Charme unserer Forumsveranstaltungen liegt in der Offenheit und in der Art wie man dort miteinander umgehen kann. Dies liegt auch am bewussten Verzicht auf traditionelle Veranstaltungsformen, wie der Aneinanderreihung von Vorträgen berühmter Einzelpersönlichkeiten. Durch Methoden wie den sog. Markt der Möglichkeiten oder auch die sog. Open Space Technology hat man die Möglichkeit, sich das anzuschauen was einen interessiert. Es ist angenehm wie sich diese Foren von konventionellen Tagungen unterscheiden.

Dumberger-Babiel: Bedeutsam sind auch die Räumlichkeiten, welche die Methoden erst voll zur Geltung kommen lassen. Hier haben wir in Augsburg mit dem Priesterseminar optimale Rahmenbedingungen. Mir ist es besonders wichtig, dass ich auf den Foren neue Personen kennen lernen, dass ich eigene Ideen einbringen und entwickelte Konzepte zur Diskussion stellen kann. Durch die Diskussion auf den Forumsveranstaltungen ist die Arbeit an den Bausteinen immer befruchtet worden und neue Leute haben angefangen sich dafür zu interessieren.

Welche Visionen haben Sie für die Zukunft?

Dumberger-Babiel: Ich würde gerne darüber nachdenken, wie z.B. die Zielgruppe Offene Jugendarbeit stärker für die Politik vor Ort interessiert werden kann. Auch die Intensivierung des Kontaktes zu Volkshochschulen wäre sehr wünschenswert.

Prof. Kral: Ein gerade entstehendes Projekt ist, anlässlich der Kommunalwahlen im März 2008, ein Begegnungsmodell von Erstwählern und Kandidaten für den Gemeinde- bzw. Stadtrat. Ideen dazu wollen wir auf dem Forum am 19. Oktober vorstellen. Für mich wäre es darüber hinaus sehr reizvoll, dass wir uns mit unseren Netzwerkangeboten auch stärker auf dem Land, also jenseits der Städte, etablieren.

Herr Prof. Kral, Herr Dumberger-Babiel, vielen Dank für das Gespräch!



 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier

Informationen zu Erfolgsfaktoren von Netzwerken finden Sie hier

Weitere Informationen zum Baustein Kommunalpolitik erleben finden Sie hier und hier 


 


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