|
Den Startpunkt für das Netzwerk Politische Bildung Schwaben bildete
im Sommer 2002 die Kooperation zwischen Bezirksjugendring Schwaben,
Katholischer Stiftungsfachhochschule München - Abteilung Benediktbeuern und der
Universität Augsburg. Zunächst wurde an einer Bestandsaufnahme zur politischen
Bildung im Bezirk Schwaben gearbeitet. Diese diente unter anderem dem Ziel, eine
Standortbestimmung in Schwaben durchzuführen und eine Kommunikationsplattform
mit den Akteuren und der politischen Bildung im Bezirk aufzubauen.
Begründer und Initiator des Projekts war Winfried
Dumberger-Babiel, Prof. Dr. Gerhard Kral,
leitete die erste Projektphase und führte die Bestandserhebung durch.
Fünf Jahre später
hat sich aus der Bestanderhebung und der Kommunikationsplattform ein Netzwerk
entwickelt, aus dessen Mitte wiederum verschiedene Kooperationen und Projekte
entstanden sind. In diesem Jahr findet zum fünften Mal ein Forum statt, bei dem
sich alle Beteiligten jährlich zum Austausch treffen.
Wir haben mit Herrn
Dumberger-Babiel und Herrn Kral über das Netzwerk Politische Bildung Schwaben
gesprochen.
Prof. Dr. Gerhard Kral arbeitet seit 15 Jahren als Professor
für Politik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München – Abteilung Benediktbeuern
Winfried
Dumberger-Babiel ist seit über 20 Jahren Geschäftsführer beim Bezirksjugendring
Schwaben.
Redaktion:Was war Ihre Motivation für die Projektinitiierung?!
Wie kam es zur Kooperation von Bezirksjugendring Schwaben und Katholischer
Stiftungsfachhochschule?
Dumberger-Babiel:
Begonnen hat das Ganze bei einem Forum zum Thema „Zukunftsperspektiven der
Jugendarbeit“ im Jahr 2001, bei dem Prof. Franz Schmid, Vizepräsident der
Stiftungsfachhochschule, einen Vortrag gehalten hat. Hier hat er u.a. auf
Defizite im Bereich der Politischen Bildung hingewiesen. Auch mein Eindruck
war, dass wir in der außerschulischen Jugendarbeit der Politischen Bildung wieder
mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, da wir laut Jugendhilfegesetz einen
Auftrag dazu haben. Ein weiterer Aspekt war, dass bei der Kommunalwahl 2002
eine sinkende Wahlbeteiligung festgestellt wurde, was im Rahmen des damals vom
Bezirk Schwaben organisierten Agenda 21-Prozesses thematisiert wurde. Unsere
Idee war es, die aktuelle Situation der Politischen Bildung in Schwaben mit
wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Der Bezirk Schwaben war bereit, dies
zu finanzieren.
Prof. Kral: Prof.
Schmid hat mich daraufhin angesprochen, ob ich hier nicht mitwirken möchte. Da
Politik und Politische Bildung schon lange zu meinen wichtigsten Interessensgebieten
gehören, war ich sehr motiviert. Günstig war auch, dass ich als
Forschungsbeauftragter meiner Fachhochschule das Projekt gut in meine
berufliche Tätigkeit einbauen konnte.
Die Bestandserhebung hatte ja den Atlas
Politische Bildung Schwaben zum Ergebnis, der dann zur Grundlage der
Institutionen- und Referentendatenbank auf www.politische-bildung-schwaben.net
wurde. Warum haben Sie nach der Bestandserhebung mit Ihrem Projekt weitergemacht?
Dumberger-Babiel: Die
Ergebnisse haben uns herausgefordert weiterzumachen. Ein Ergebnis war, dass die
Schulen die Politik vor Ihrer Haustür, also die Kommunalpolitik, kaum im Blick
haben und hier wenige Angebote bestehen. Gleichzeitig wurde aber das Interesse
an solchen Angeboten von sehr vielen artikuliert.
Prof. Kral: Was auch
sehr beeindruckend gewesen ist, waren die Rückmeldungen im Rahmen meiner
Forschungsinterviews, dass sich z.B. viele Lehrerinnen und Lehrer als
Einzelkämpfer fühlen und ein großes Interesse am Austausch mit anderen haben.
Konkret wurde hier bemängelt, dass eine Plattform für den kollegialen Austausch
fehle. Das hat uns dann sehr motiviert, ein Netzwerk der Politischen Bildung in
Schwaben aufzubauen.
Was sind aus heutiger Sicht die
wichtigsten Erfolge des seit 2003 bestehenden Netzwerkes?
Dumberger-Babiel:
Seit 2003 haben wir jährliche Forumsveranstaltungen um sich in einer lockeren
Atmosphäre mit Themen der Politischen Bildung auseinander setzen zu können. Die
Teilnehmer haben ein gemeinsames Interesse Politische Bildung weiter zu
entwickeln. Dadurch dass wichtige Schlüsselpersonen teilnehmen, streuen die
Ergebnisse dann auch in ganz unterschiedliche Bereiche. Für den
Bezirksjugendring Schwaben war es sehr positiv, neue Kontakte aufzubauen, insbesondere
zu Schulen aber auch zur Kommunal- und zur Bezirkspolitik. Dies war für die
Entwicklung von zwei inhaltlichen Bausteinen sehr zentral.
Prof. Kral: Bei den
beiden Bausteinen „Kommunalpolitik erleben“ und „Bezirk Schwaben erleben“ war
die Kooperation von Jugendarbeit, Schule, Wissenschaft und Politik sowie
Verwaltung Voraussetzung für den Erfolg. Bemerkenswert war, dass sich durch die
Auseinandersetzung mit Politischer Bildung auch bei Politik und Verwaltung
positive Entwicklungen ergeben haben, dass zum Beispiel Barrieren gegenüber Jugendlichen
überwunden werden konnten.
Dumberger-Babiel:
Und es wurden mit den Bausteinen Projekte realisiert, die im Vorfeld für
unmöglich gehalten wurden. Das konnte nur geschehen weil Schlüsselpersonen aller
relevanten Institutionen von Anfang an beteiligt gewesen sind und Skeptiker in
den eigenen Reihen überzeugen konnten.
Was sind aus Ihren Erfahrungen
Voraussetzungen für ein erfolgreiches Vernetzungsprojekt?
Dumberger-Babiel:
Wenn man vernetzt arbeiten möchte, müssen die verschiedenen Gruppen auch direkt
miteinander kommunizieren können, also nicht nur über das Internet, sondern
auch über reale Treffen. Und man muss bei der Entwicklung konkreter Projekte,
wie z.B. den erwähnten Bausteinen, darauf achten, dass es sich um
win-win-Situationen handelt, dass also alle Beteiligten von der Arbeit
profitieren können.
Prof. Kral: Wichtig
ist es auch, die möglichen Interessenten immer wieder direkt anzusprechen und
zur Mitwirkung einzuladen. Man muss wirklich auf die Leute zugehen. Und wenn
man mit den Menschen zusammenarbeitet, ist es nötig, gegenseitiges Vertrauen
aufzubauen, man muss die Bereitschaft haben, andere Arbeitsstile und spezifische
Eigenheiten der Kooperationspartner zu akzeptieren.
Welchen Stellenwert haben die
jährlichen Forumsveranstaltungen?
Prof. Kral: Der
besondere Charme unserer Forumsveranstaltungen liegt in der Offenheit und in
der Art wie man dort miteinander umgehen kann. Dies liegt auch am bewussten
Verzicht auf traditionelle Veranstaltungsformen, wie der Aneinanderreihung von
Vorträgen berühmter Einzelpersönlichkeiten. Durch Methoden wie den sog. Markt
der Möglichkeiten oder auch die sog. Open Space Technology hat man die
Möglichkeit, sich das anzuschauen was einen interessiert. Es ist angenehm wie
sich diese Foren von konventionellen Tagungen unterscheiden.
Dumberger-Babiel:
Bedeutsam sind auch die Räumlichkeiten, welche die Methoden erst voll zur
Geltung kommen lassen. Hier haben wir in Augsburg mit dem Priesterseminar optimale
Rahmenbedingungen. Mir ist es besonders wichtig, dass ich auf den Foren neue
Personen kennen lernen, dass ich eigene Ideen einbringen und entwickelte
Konzepte zur Diskussion stellen kann. Durch die Diskussion auf den
Forumsveranstaltungen ist die Arbeit an den Bausteinen immer befruchtet worden
und neue Leute haben angefangen sich dafür zu interessieren.
Welche Visionen haben Sie für die Zukunft?
Dumberger-Babiel:
Ich würde gerne darüber nachdenken, wie z.B. die Zielgruppe Offene Jugendarbeit
stärker für die Politik vor Ort interessiert werden kann. Auch die
Intensivierung des Kontaktes zu Volkshochschulen wäre sehr wünschenswert.
Prof. Kral: Ein
gerade entstehendes Projekt ist, anlässlich der Kommunalwahlen im März 2008,
ein Begegnungsmodell von Erstwählern und Kandidaten für den Gemeinde- bzw.
Stadtrat. Ideen dazu wollen wir auf dem Forum am 19. Oktober vorstellen. Für
mich wäre es darüber hinaus sehr reizvoll, dass wir uns mit unseren
Netzwerkangeboten auch stärker auf dem Land, also jenseits der Städte, etablieren.
Herr Prof. Kral, Herr
Dumberger-Babiel, vielen Dank für das Gespräch!
|
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie
hier
Informationen zu Erfolgsfaktoren von
Netzwerken finden Sie hier
Weitere Informationen zum Baustein Kommunalpolitik erleben finden Sie hier und hier
|
Aufgerufen: 1123
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich. Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.5 |