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Ein
Blick auf Statistiken zur Wahlbeteiligung macht es deutlich. Ob
Bundestags- oder Kommunalwahlen - nur sehr wenige Zuwanderer und
Aussiedler geben ihre Stimmen ab. Diesem
Problem nehmen sich nun
der Bezirksjugendring Schwaben und die Fachhochschule
Benediktbeuern
an. Gemeinsam entwickeln sie einen Baustein zur politischen Bildung
für
Aussiedler-Jugendliche, um deren Interesse an Politik
und einfachen politischen
Zusammenhängen zu wecken und zu
fördern.
Das Grundgerüst für den Baustein steht
bereits. In drei Schritten - Vorbereitung, Exkursion, Reflexion -
sollen die Jugendlichen diverse Aspekte der Kommunalpolitik
erkunden.
Rund
zwölf Jungen und Mädchen des Jugendzentrums Nördlingen,
dessen Leiterin Birgit Kögl an der Entstehung des Bausteins
beteiligt ist, werden den fertigen Baustein
als erste
erproben.
Zunächst werden die 17- bis 19-Jährigen
mit der Kommune, deren Einrichtungen und Aufgaben vertraut
gemacht, um dann in Dreier-Teams verschiedene Institutionen und die
Menschen die dort arbeiten zu besuchen und kennen zu lernen. Von
ihren Eindrücken und Erlebnissen sollen sie anschließend
den anderen Teilnehmern berichten.
„Ich will nicht auf's
Amt!“ So oder so ähnlich äußern viele zugewanderte
Jugendliche ihre Berührungsängste mit Verwaltung und
Behörden. Birgit Kögl und Larisa Bronner, Regionalkoordinatorin für das Patenprojekt in Schwaben,
kennen die Gründe. Die meisten schätzen ihre
Deutschkenntnisse für unzureichend ein, um einen Besuch auf dem
Amt
meistern zu können. Auch eine kleine Portion Misstrauen,
über's Ohr gehauen zu werden,
oder keine kompetente
Begleitung dabei zu haben, vergrößern die Hemmschwelle.
Durch eine
fundierte Einführung in die Funktionen und
Arbeitsabläufe in einer Kommune sollen diese
Ängste abgebaut werden. Noch entscheidender ist in dieser ersten Phase, dass
die jungen
Menschen erkennen, welchen Nutzen sie aus diesen
Kenntnissen ziehen können. Dazu werden auch ganz praktische
Dinge geklärt, zum Beispiel, welche Fragen man den Mitarbeitern
stellen könnte oder auf was man am Exkursionstag besonders
achten sollte.
Erst dann können sich Kleingruppen bilden,
die parallel unterschiedliche Einrichtungen besuchen und sich
durch Interviews und Gespräche mit einem Vertreter einen
genaueren
Eindruck verschaffen. Bei der Auswahl dieser Stationen
gehen die Entwickler (Winfried
Dumberger-Babiel vom Bezirksjugendring Schwaben, Professor Gerhard Kral von der
Fachhochschule Benedikbeuern, Landeskoordinator des Patenprojekts
Peter Hilkes, Birgit
Kögl sowie Larisa Bronner) von den
Interessen der Teilnehmer und deren direktem Umfeld
aus. Man ist
sich einig, dass für die jugendlichen Zuwanderer aus Nördlingen
im Moment
Berufswahl und Ausbildung im Vordergrund stehen. Alles
rund um Auto und Führerschein
sowie Räume für die
Freizeitgestaltung sind den 17- bis 19-Jährigen darüber
hinaus besonders wichtig. Als mögliche Exkursionsorte kommen
daher das Bürgerbüro, wo
entsprechende Anträge
gestellt werden müssen, die Polizei, das Fortbildungszentrum der Industrie für Westschwaben, unterschiedliche
Beratungsstellen, etwa Caritas oder
Diakonie, das Rathaus und
eventuell Verbände bzw. Vereine, Kirchen, Musikschule und im Stadtrat vertretene Parteien in Betracht.
Nachdem das
Projekt außerhalb der Schule stattfindet und die Teilnahme
völlig freiwillig ist, sind Anreize sehr wichtig, betont die
praxiserfahrene Birgit Kögl. Ein Zertifikat
über die
Teilnahme, vom Bürgermeister unterschrieben, könnte ein
Anreiz sein, aber auch die Möglichkeit, eine Einrichtung als
Ein-Tages-Praktikant näher kennen zu lernen oder
das
Erstellen eines Politik- bzw. Institutionenführers für
Nördlingen könnte die Teilnahme lohnenswert machen.
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