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Politische Bildung für jugendliche Zuwanderer - ein Baustein entsteht Drucken E-Mail
Geschrieben von Yvonne Salvamoser   
Dienstag, 20. Mai 2008

Ein Blick auf Statistiken zur Wahlbeteiligung macht es deutlich. Ob Bundestags- oder Kommunalwahlen - nur sehr wenige Zuwanderer und Aussiedler geben ihre Stimmen ab. Diesem Problem nehmen sich nun der Bezirksjugendring Schwaben und die Fachhochschule Benediktbeuern an. Gemeinsam entwickeln sie einen Baustein zur politischen Bildung für Aussiedler-Jugendliche, um deren Interesse an Politik und einfachen politischen Zusammenhängen zu wecken und zu fördern.

Das Grundgerüst für den Baustein steht bereits. In drei Schritten - Vorbereitung, Exkursion, Reflexion - sollen die Jugendlichen diverse Aspekte der Kommunalpolitik erkunden.

Rund zwölf Jungen und Mädchen des Jugendzentrums Nördlingen, dessen Leiterin Birgit Kögl an der Entstehung des Bausteins beteiligt ist, werden den fertigen Baustein als erste erproben.

Zunächst werden die 17- bis 19-Jährigen mit der Kommune, deren Einrichtungen und Aufgaben vertraut gemacht, um dann in Dreier-Teams verschiedene Institutionen und die Menschen die dort arbeiten zu besuchen und kennen zu lernen. Von ihren Eindrücken und Erlebnissen sollen sie anschließend den anderen Teilnehmern berichten.

„Ich will nicht auf's Amt!“ So oder so ähnlich äußern viele zugewanderte Jugendliche ihre Berührungsängste mit Verwaltung und Behörden. Birgit Kögl und Larisa Bronner, Regionalkoordinatorin für das Patenprojekt in Schwaben, kennen die Gründe. Die meisten schätzen ihre Deutschkenntnisse für unzureichend ein, um einen Besuch auf dem Amt meistern zu können. Auch eine kleine Portion Misstrauen, über's Ohr gehauen zu werden, oder keine kompetente Begleitung dabei zu haben, vergrößern die Hemmschwelle. Durch eine fundierte Einführung in die Funktionen und Arbeitsabläufe in einer Kommune sollen diese Ängste abgebaut werden. Noch entscheidender ist in dieser ersten Phase, dass die jungen Menschen erkennen, welchen Nutzen sie aus diesen Kenntnissen ziehen können. Dazu werden auch ganz praktische Dinge geklärt, zum Beispiel, welche Fragen man den Mitarbeitern stellen könnte oder auf was man am Exkursionstag besonders achten sollte.

Erst dann können sich Kleingruppen bilden, die parallel unterschiedliche Einrichtungen besuchen und sich durch Interviews und Gespräche mit einem Vertreter einen genaueren Eindruck verschaffen. Bei der Auswahl dieser Stationen gehen die Entwickler (Winfried Dumberger-Babiel vom Bezirksjugendring Schwaben, Professor Gerhard Kral von der Fachhochschule Benedikbeuern, Landeskoordinator des Patenprojekts Peter Hilkes, Birgit Kögl sowie Larisa Bronner) von den Interessen der Teilnehmer und deren direktem Umfeld aus. Man ist sich einig, dass für die jugendlichen Zuwanderer aus Nördlingen im Moment Berufswahl und Ausbildung im Vordergrund stehen. Alles rund um Auto und Führerschein sowie Räume für die Freizeitgestaltung sind den 17- bis 19-Jährigen darüber hinaus besonders wichtig. Als mögliche Exkursionsorte kommen daher das Bürgerbüro, wo entsprechende Anträge gestellt werden müssen, die Polizei, das Fortbildungszentrum der Industrie für Westschwaben, unterschiedliche Beratungsstellen, etwa Caritas oder Diakonie, das Rathaus und eventuell Verbände bzw. Vereine, Kirchen, Musikschule und im Stadtrat vertretene Parteien in Betracht. Nachdem das Projekt außerhalb der Schule stattfindet und die Teilnahme völlig freiwillig ist, sind Anreize sehr wichtig, betont die praxiserfahrene Birgit Kögl. Ein Zertifikat über die Teilnahme, vom Bürgermeister unterschrieben, könnte ein Anreiz sein, aber auch die Möglichkeit, eine Einrichtung als Ein-Tages-Praktikant näher kennen zu lernen oder das Erstellen eines Politik- bzw. Institutionenführers für Nördlingen könnte die Teilnahme lohnenswert machen.


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