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Gerd Hepp/Herbert Schneider (Hrsg.) (1999): Schule in der Bürgergesellschaft: Demokratisches Lernen im Lebens- und Erfahrungsraum der Schule. Wochenschau Verlag. Schwalbach/Ts. Der Sammelband fasst Beiträge einer Ringvorlesung von 1997/1998 an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg zusammen. Dabei wurden verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen wie Politikwissenschaft, Politikdidaktik, Erziehungswissenschaft oder Soziologie genauso miteinbezogen, wie die Sicht von Schulpraktikern und der Schulverwaltung.
Entstehung und Aufbau des Sammelbandes Auf diese Weise sollte ein interdisziplinärer Dialog verwirklicht werden, der laut Herausgeber des Sammelbands Gerd Hepp und Herbert Schneider als „Bündelung der Kräfte und Sichtweisen“ dazu dienen soll, die in der Debatte über innere Schulreform immer wieder genannten Möglichkeiten der Schule selbst als Erfahrungsraum für gelebte Demokratie und Partizipation zu verdeutlichen. Damit bleibt politische Bildung in der Schule nicht mehr nur Angelegenheit einer Fachdisziplin, sondern wird relevant für alle, die direkt oder indirekt mit der Lebensgemeinschaft Schule in Berührung kommen. Dieser Sammelband geht jedoch in seiner Reichweite über Anstöße für Schulpraktiker und –Didaktiker hinaus - „Schule in der Bürgergesellschaft“ kann ein Ausgangspunkt zur Reflektion für alle Akteure der politischen Bildung sein.
Die einzelnen Beiträge des Sammelbandes sind in vier Kapitel gegliedert, die vom Allgemeinen/Abstrakten zum Spezifischen/Konkreten führen: Von gesellschafts-/ bzw. bildungstheoretischen Aspekten, über den Bezug zwischen Schule und Lebenswelt, bis zu den Strukturen der Schule allgemein und des Politikunterrichts im Speziellen. Dabei können die einzelnen Beiträge jeweils ausgehend vom „Teilsystem Schule“ Anstöße für das gesamte „System politische Bildung“ liefern. Kooperation und Vernetzung der Schulen mit außerschulischer politischer BildungEinen solchen Ansatzpunkt bieten etwa Beiträge wie der von Herbert Schneider „Bürgergesellschaft, politische Bildung und Schule“ oder von Horst Stotz „Schule in der Stadt“, die u.a. die Kooperation und Vernetzung der Schule mit außerschulischen Trägern und Institutionen thematisieren. Bei Schneider basiert diese Forderung auf dem Versuch den begrifflichen Zusammenhang von Bürgergesellschaft und Schule zu klären. Er stellt dabei unter anderem die Bedeutung von sozialem Lernen für die politische Bildung heraus, was zur Notwendigkeit der Kooperation von Schule und außerschulischen Gruppen, wie Vereinen oder Gemeinden führt. Damit die Schule optimal zur Bürgerrolle erziehen kann, müssen also außerschulische Träger, allen voran Akteure der politischen Bildung auf sie einwirken. Aus der Perspektive der Öffnung der Schulen nach außen befasst sich auch Horts Stotzs Beitrag „Schule in der Stadt“ mit einer solchen Zusammenarbeit. Akteure der außerschulischen politischen Bildung können sich durch diese Ausführungen dazu angehalten fühlen, sich verstärkt mit der Schule als Ort der politischen Bildung auseinander zu setzen. Konzeptuelle Ansatzpunkte für politische BildungPeter Henecka befasst sich mit „Schule als Institution und Lebenswelt“ und weist auf Missstände der schulischen Wirklichkeit hin, die sich anhand von „Entfremdung“ und „Entpersönlichung“ manifestieren. Diese können Ausgangspunkt für Reflektion nicht nur von Lehrern und Schulpraktikern, sondern auch durch Akteure der außerschulischen politischen Bildung sein, die sich damit befasst, inwieweit außerschulische politische Bildung im Stande sein kann, diese Mängel auszugleichen. Damit liefert dieser Beitrag einen konzeptuellen Ansatzpunkt für außerschulische politische Bildung. Ansätze für Inhalte der politischen BildungAuch der Beitrag von Wolfgang Klafki, der in „Schlüsselprobleme und Schlüsselqualifikationen – Schwerpunkte neuer Allgemeinbildung in einer demokratischen Kinder- und Jugendschule“ sein Allgemeinbildungskonzept unter anderem auf „epochaltypischen Schlüsselproblemen“ aufbaut, die es durch unterschiedliche Schlüsselqualifikationen zu bewältigen gilt, könnte einen gedanklicher Anstoß für Maßnamen zur politischen Bildung liefern, indem er diese Schlüsselprobleme zum inhaltlichen Ansatzpunkt, also zum Gegenstand der politischen Bildung allgemein und nicht nur auf die Schule beschränkt macht. Auch Horst Dichaz thematisiert mit „Multimediale Lebenswelten: Das pädagogische Erfordernis von Medienkompetenz“ einen bedeutenden Inhalt der politischen Bildung: Die immer bedeutsamer werdende Notwendigkeit der Vermittlung von Nutzung und Umgang mit Medien in Bildungsinstitutionen allgemein und in der Schule im Speziellen. Seine Ausführungen sind für die politische Bildung nicht zuletzt deshalb relevant, weil Medien als Mittel zur politischen Partizipation dargestellt werden. Einfluss der Politik auf Formen der (politischen) BildungAus historischer bzw.politikwissenschaftlicher/ ideengeschichtlicher Sicht können vor allem zwei Beiträge des Sammelbandes genannt werden: „Erziehung und Demokratie in den USA“ von Hartmut Wasser, der demokratische Positionen von Hamilton und Jefferson und deren Einfluss auf das Bildungswesen erläutert und Paul-Ludwig Weinacht, der in „Staatsmodernisierung und Schulaufsicht. Geschichte und Gegenwart“ Entwicklungstendenzen im Schulwesen hinsichtlich mehr Selbstständigkeit auf Staatsmodernisierung allgemein zurückführt und Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Entwicklung aufzeigt. Die Ausführungen dieser beiden Autoren verweisen daher auf den Einfluss der Politik selbst bzw. deren Theorien auf verschiedene Formen von Bildung. Sie weisen damit darauf hin, dass Politikwissenschaft nicht nur als Inhalt der politischen Bildung dient, sondern auch direkten Einfluss auf das Wesen der politischen Bildung ausübt. Trotzdem oder gerade deshalb kann es unter Umständen problematisch sein, politische, vor allem antike und nicht modernisierte Theorien unreflektiert auf schulische Strukturen anzuwenden. So setzt sich Manfred Hättich in „Der Polisgedanke und seine Anwendung auf die Schule“ kritisch mit der pädagogisch propagierten Anwendung der griechischen Polis auf die Schulstruktur auseinander. Dieser Beitrag kritisiert allzu starke Vereinfachung komplexer Zusammenhänge und warnt davor „einseitig auf einen inhaltlich verflachten Erlebnisunterricht zu setzen“, wie es Hepp und Schneider im Vorwort formulieren. Politikwissenschaftliche Reflektion darf bei politischer Bildung nicht vernachlässigt werden. Autonomie und Individualität der einzelnen SchuleMit Partizipation an Schulen sowohl auf der Ebene des Unterrichts in methodisch-didaktischer Sicht, als auch hinsichtlich der Schulverfassung, und der Autonomie der einzelnen Schule, beschäftigt sich Gerd Hepp in „Neue Partizipationsentwicklungen in der Schule und ihr Beitrag zur demokratischen Kultur“. Damit liefert er in erster Linie Denkanstöße für Schulpraktiker oder die Schulverwaltung, macht aber auch grundsätzlich alle Akteure der politischen Bildung auf die besondere Situation der Umsetzung von Politischer Bildung bzw. Partizipation speziell an Schulen aufmerksam. Diese Autonomie behandelt auch Peter Kleefass mit „Schule in der Bürgergesellschaft und Schulauftrag in Baden-Württemberg“: Er plädiert für Beibehaltung der staatlichen Aufsicht unter Einbeziehung des Autonomieaspekts in Form einer pädagogischen Profilbildung der einzelnen Schule, also einer individuellen Schulkultur. Auf diese Mikroebene hinsichtlich innerer Schulentwicklung, die jeweils spezifische Schulkultur, die sich im (Konsens-)Verhalten von Lehrern, Eltern und Schülern manifestiert, geht Kurt Aurin mit „Konsens – ständige Herausforderung einer demokratisch gestalteten Schulkultur“ genauer ein. Dabei weist er auch darauf hin, dass das „Verständnis von Schule“ an unterschiedlichen Schulen und v.a. Schultypen keineswegs einheitlich ist - Ein wichtiger Aspekt für jeden, der politische Bildung an Schulen betreibt oder solche implementieren will. Ein passendes Beispiel für die spezifische Auseinandersetzung der politischen Bildung mit verschiedenen Schultypen bietet der Beitrag von Ingrid Prote, der speziell auf die „Möglichkeiten des Einübens von Demokratie in der Grundschule“ eingeht. Politische Bildung an SchulenSchließlich setzten sich die letzten beiden Beiträge explizit mit der politischen Bildung an Schulen auseinander. Wolfgang Sander spricht in „Erziehung zur Demokratie als Aufgabe des fächerverbindenden Unterrichts“ politischer Bildung eine Doppelrolle zu: Politikunterricht als eigenständiges Fach und politische Bildung als Unterrichtsprinzip. Darüber hinaus muss sie als Unterrichtsprinzip mit den anderen Fächer vernetzt sein. Ob das in dieser Form schon verwirklicht ist, wie oder ob es verwirklicht werden kann und was dafür unternommen werden muss; darüber dürfte dieser Beitrag bei verschiedensten Akteuren der politischen Bildung gedankliche Anregungen liefern. Ebenso ertragreich für Praktiker der politischen Bildung ist Heinz Klipperts „Methodentraining mit Schülern – Ein Ansatz zur Förderung demokratischer Handlungskompetenz“, der für handlungsorientierte Methoden in der schulischen politischen Bildung plädiert und zu diesem Zweck ein systematisches Einüben einzelner Methoden zusammen mit den Schülern fordert. FazitInsgesamt wird dieser Sammelband seinem Anspruch über die Fachdisziplin der Politikdidaktik hinaus zu weisen nicht nur gerecht, sondern geht sogar über die Schule hinaus: Berücksichtigt man den Erziehungsauftrag der Schule, der diese auch als Ort der Prägung eines politischen Bewusstseins und der Vorbereitung auf die Bürgerrolle ausweist, so wird schulische politische Bildung zum Ausgangspunkt für jegliche Form von politischer Bildung und damit wichtig für alle Akteure der politischen Bildung. Die einzelnen Beiträge machen diese übergreifende Bedeutung jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar. Aufgerufen: 772
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