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Im Alltag haben Jugendliche und ihre
Vertreter kaum Kontakte zur Bezirkspolitik. Im Sozialkundeunterricht
ebenso weinig. Um dies zu ändern, bot der Bezirksjugendring
Schwaben am 28. Juni 2008 die Veranstaltung "Bezirkspolitik
trifft Jugendarbeit" an. Damit wurde erstmals bayernweit ein
neuer Zugang der Begegnung von Bezirkspolitikern/innen mit
Vertreter/innen der Jugendarbeit erprobt und eine aktive Form der
politischen Bildung ausprobiert.
Ziel war es, die Vertreter/innen der
Jugendarbeit mit Abläufen, Akteuren und Aufgaben der
Bezirkspolitik vertraut zu machen, umgekehrt sollten die
Bezirkspolitiker die Vertreter der Jugendorganisationen besser kennen
lernen.
Die Veranstaltung war methodisch so arrangiert, um
Informationsvermittlung, "Miteinander ins Gespräch kommen",
und gemeinsame Arbeitsprozesse zu fördern - und natürlich
sollte der Spaß nicht zu kurz kommen.
In einer lebendigen Präsentation in der Bezirksverwaltung in
Augsburg, vermittelte Andrea Perschl, Grundlageninformationen über
den Bezirk. Persönliche Einblicke in ihre Arbeit gaben sich
mittels Partnerinterview Bezirkspolitiker und Vertreter der
Jugendarbeit auf einer Busfahrt zur Jugendbildungsstätte
Babenhausen. In der Bildungsstätte ging es schnell zur Sache:
Gemeinsam spielten die Vertreter der Jugendarbeit und der
Bezirkspolitik das Planspiel "Der Bezirk Schwaben im
finanziellen Würgegriff".
Entwickelt und moderiert haben das Planspiel Mathias Retzbach und
Klaus Settele von der Katholischen Stiftungsfachhochschule
Benediktbeuern. Für knapp drei Stunden schlüpften
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert sowie
weitere neun Bezirksräte bzw. Kandidaten und 18 Mitglieder des
Bezirksjugendrings Schwaben in neue Rollen.
Das Szenario ist rasch erklärt: Wir befinden uns in Schwaben.
Der Freistaat Bayern möchte den staatlichen Finanzausgleich an
den Bezirk um 30 % kürzen, um Schulden abzubauen. Alle
Aufgabenbereiche des Bezirks sind in Gefahr. Ohne die staatlichen
Mittel könnten die Bereiche: Soziales, psychiatrische
Versorgung, Kultur und Umwelt sowie Jugend und Bildung nicht mehr
effizient arbeiten. Wer wird die anderen mit schlüssigen
Argumenten überzeugen können? Wer wird der Leidtragende
sein? Und: Gibt es einen Ausweg aus der Krise, der für alle
akzeptabel ist?
Dann werden die Rollen ausgelost. Während bei den einen die
Freude groß ist, einmal der Landesvater oder der
Geschäftsführer des Bezirkjugendrings zu sein, fällt
es manchen Spielern zuerst gar nicht leicht, eine Person verkörpern
zu müssen, deren Standpunkt sie überhaupt nicht vertreten
wollen. Dennoch: Alle lassen sich auf ihre neue Identität ein
und versuchen sie mit Feuereifer gemäß der Rollenanleitung
glaubwürdig darzustellen.
Die Spiellust spürt man schon nach kurzer Zeit. Da fallen
Begriffe wie "Popularklage" oder "eine eigene Steuer
für die Bezirke" während Andere besonders kühne
Pläne schmieden: "Wir sind gerade dabei, die Bezirke
abzuschaffen." und "Die Jugendarbeit schaffen wir auch
gleich noch ab. Die machen eh nur Ärger - und wir können
sogar noch unsere Diäten erhöhen." Man merkt sofort,
dass alle mit viel Spaß und Kreativität dabei sind. Selbst
kleine Unsicherheiten können den Teilnehmern die Freude am Spiel
nicht verderben. Rasch werden sie von der Dynamik des Spiels und vom
emotionalen Geschehen wieder mitgenommen.
Dann geht es ans Eingemachte. Die einzelnen Abteilungen des
Bezirks Schwaben diskutieren sachlich über die Auswirkungen der
30%-Kürzung. Im Nebenraum beim "Runden Tisch" treffen
Oberbürgermeister und Landräte, Vertreter des Landtags, des
Bezirks, der Jugendarbeit, des Bundes der Steuerzahler, Bürger
und private Klinikbetreiber aufeinander. Es geht hoch her: Die
Bezirksvertreter lehnen die Kürzung vehement ab und machen ihrem
Ärger über die geplanten Einsparungen Luft. Landräte
und Klinikbetreiber wettern dagegen. Und die Bürger stehen etwas
ratlos dazwischen.
Schließlich einigt man sich gemäß
dem beliebten, politischen Motto "Wenn ich nicht mehr weiter
weiß, bild ich einen Arbeitskreis." auf eine
Zukunftskommission, die noch einmal alles im Einzelnen prüfen
soll. Über eine Rücknahme der Kürzung auf 20 % konnte
man sich bereits einigen.
Für die Spieler fällt das Fazit der Veranstaltung
eindeutig positiv aus. Der Perspektivenwechsel beeindruckte die
Teilnehmer sehr, ebenso die Offenheit aller Beteiligten, die gute
Stimmung, "der tiefe Einblick in die Bezirkspolitik" sowie
die "Komplexität mit der Entscheidungen zusammenhängen".
Dazu die einzigartige Möglichkeit, auf die politische Kompetenz
der Bezirksräte zurückgreifen zu können, gab dem
Planspiel eine besondere Tiefe.
"Das Spiel habe ich noch nie
in dieser Intensität erlebt", freute sich Prof. Dr. Gerhard
Kral, einer der Initiatoren des Projekts "Politische Bildung
Schwaben". Und auch das Ziel der Veranstaltung ging voll auf,
was dem Vorsitzenden des Bezirksjungendrings Schwaben, Roland Weber,
besonders am Herzen lag: "Politische Bildung soll erlebbar sein
und Spaß machen". Bezirkstagspräsident Jürgen
Reichert zeigte sich erfreut, dass die Verbindung von
Grundlageninformation, persönlicher Begegnung und gemeinsam
erlebtes Handeln im Planspiel gelungen ist. Die Veranstaltung hat
sicher allen Spaß gemacht und zur Vertrauensbildung von
Bezirkspolitik und Jugendarbeit beigetragen.
Bilder zur Veranstaltung finden Sie auf der Homepage des Bezirksjugendring Schwaben .
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