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Im Mai haben wir den in der Entstehung befindlichen Baustein für jugendliche Zuwanderer vorgestellt. Zu den Entwicklern gehört auch Larisa Bronner, die Regionalkoordinatorin für das Patenprojekt in Schwaben. Wir sprachen im Interview mit ihr über das Patenprojekt und ihre Arbeit.
1. Wie sind Sie zum Patenprojekt gekommen?
Durch eine Empfehlung von Fr. Jordan vom SJR Augsburg.
2. Was ist für Sie das Patenprojekt? Was ist für Sie das Besondere daran?
Das
Patenprojekt gibt mir die Möglichkeit meine Erfahrungen zu Gunsten
Anderer einzusetzen, den Zuwanderern behilflich zu sein, die
Einheimischen für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus kann ich
die Kompetenzen von zugewanderten Jugendlichen und Erwachsenen und sie
mit den Strukturen der Gesellschaft vertraut machen. So kann es
gelingen, Parallelwelten zu verhindern.
3. Seit wann suchen Sie Paten?
Seit Januar 2007.
4. Wie viele Paten und „Schützlinge“ gibt es im Moment in Augsburg bzw. Schwaben?
In
der Stadt Augsburg selbst gibt es neun einzelne Patenschaften. Dazu
kommen drei Gruppenpatenschaften, in denen insgesamt 15 Jugendliche von
drei Paten betreut werden. Vier Einzelpatenschaften gibt es in
Kaufbeuren und in Nördlingen begleitet ein Pate zehn Jugendliche.
5. Wie kommen Sie mit potentiellen Paten in Kontakt?
Über
vielerlei Wege: Auf diversen Veranstaltungen, über die Presse und
Netzwerke, auch durch Mund-Propaganda und Werbezettel, die von Zeit zu
Zeit an der Universität Augsburg aushängen.
6. Warum engagieren sich die Paten?
Sie
möchten aktiv Hilfe leisten und haben Interesse an der Kultur und
Mentalität der Zuwanderer. Da die Mitarbeit im Patenprojekt als
Praktikum angerechnet werden kann, ist auch eine Bestätigung, dass sie
als Paten aktiv waren, ein Anreiz mit zu machen.
7. Seit wann gibt es ein spezielles Coaching für die Paten? Wie oft und wo wurde es bisher durchgeführt?
Seit
Anfang letzen Jahres finden immer wieder entsprechende Veranstaltungen
statt. Damals, im Februar 2007, haben am Training „Interkulturelles
Leben“, das von der IHK angeboten wurde, zwei Patenkinder und fünf
Paten teilgenommen. Von da an konnten auf diversen djo-Trainings, zum
Beispiel einem Leiterkurs für Jugendliche, Erlebnispädagogik, Ehrenamt
in der Arbeit mit Russlanddeutschen usw., mehrere Paten geschult
werden.
Gemeinsam mit Frau Bonet organisierte ich vergangenen
November ein Fortbildungswochenende in Nürnberg. Bei „Partizipation
durch Kulturleben“ nahmen insgesamt 35 Interessierte aus den Bezirken
Schwaben, Oberbayern und Mittelfranken teil.
Auf einer
Veranstaltung im Dezember 2007 haben wir über die bestehenden Projekte
informiert und ein Resümee unserer bisherigen Arbeit im Patenprojekt
gezogen. Besonders geehrt wurden dabei besonders engagierte
Mitwirkende, die sich in gemütlicher Runde mit den insgesamt 19 Gästen
austauschen konnten.
8. Wie genau sieht ein Paten-Coaching aus? Wie läuft ein typisches „Training“ ab?
Nachdem
alle Paten über eine pädagogische oder psychologische Ausbildung sowie
Jugendleitererfahrung verfügen, gibt es kein typisches „Training“. Bei
Schwierigkeiten oder Problemen berate ich die Paten, versuche sie zu
unterstützen oder entsprechend zu vermitteln.
Generell geht es bei Deutschen oft um Eigenheiten der russischen Kultur und Mentalität, bei den
Zuwanderern vor allem um Belange rund um das Bildungs- und Sozialsystem Deutschlands.
9. Auf was achten sie beim Coaching besonders?
Bei
den pädagogischen Nachmittagen an Schulen, an denen interessierte
Lehrer und Schüler teilnehmen können gehe ich zunächst auf Migration
allgemein und die Herkunftsländer der Zuwanderer ein. Danach folgt ein
Überblick über das Bildungssystem, die Kultur und Generationenfragen.
Ich behandle auch deren Sicht auf Deutschland und auch über welche
Organisationen oder Agenturen sie nach Deutschland vermittelt werden
können. „Wie ist die Integrationssituation in unserem Land?“ und „Was
hat es mit sog. Parallelgesellschaften auf sich?“ sind ebenfalls
zentrale Fragen. Darüber hinaus gehe ich auf die Religion der Migranten
ein und versuche deren Stellenwert im Herkunftsland und hier in
Deutschland zu vermitteln. Auch gebe ich einen Überblick über die
spezifischen Informations- und Kommunikationssysteme der Zuwanderer.
Natürlich
ändert sich die Gewichtung der einzelnen Aspekte je nach Zielgruppe, so
dass jeder Nachmittag, jede Fortbildung entsprechend anders und für die
jeweiligen Teilnehmer am interessantesten abläuft.
10. Was sind die häufigsten Fragen der Teilnehmer?
Sehr
oft wird nach dem Bildungssystem gefragt und nach
generationsspezifischen Aspekten. Der Zeitfaktor in „Russland“ ist oft
ein Thema und natürlich das Phänomen Parallelwelten.
11. Bei welchen Angelegenheiten werden die Paten dann am meisten gebraucht? Was ist soz. ihre Hauptaufgabe?
Viele
Zuwanderer benötigen Nachhilfe, die die Paten übernehmen und Hilfe bei
der Suche nach einem Praktikum oder einem Ausbildungsplatz. Häufig
helfen die Paten ihren Schützlingen beim Behördengang und bei der
Freizeitgestaltung. In erster Linie aber sind sie einfach nur da.
12. Bleiben Sie mit den Paten auch während ihres „Einsatzes“ in Kontakt?
Die
Paten werden von mir im Alltag bei den aufgetretenen Problemen oder
Schwierigkeiten beraten, begleitet oder weiter vermitteln. Ich habe
immer ein offenes Ohr und bin da, wenn sie mich brauchen..
13. Was gefällt ihnen an ihrem „Job“, was nicht so sehr?
Es
freut mich, dass ich ein oft anderes, positives Bild der Migranten
vorstellen kann, ihre Stärken zeigen und ihre Fortschritte beobachten
kann.Dennoch gefällt es mir nicht so sehr, dass ich nicht immer
helfen kann. Einen Zugang zur Zielgruppe zu finden ist manchmal nicht
einfach, gerade in den Landkreisen, wo ich nicht immer präsent sein
kann. Sehr schade ist es, wenn Patenschaften nicht klappen, obwohl man
viel Zeit investiert hat.
Vielen Dank für das Gespräch!
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