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Welchen Stellenwert hat die Jugendpolitik im Bezirk Schwaben? Wie informieren sich die Mitarbeiter der Bezirksregierung über die Belange der Jugendlichen? Und wie stärkt der Bezirt das Wissen und Interesse von Jugendlichen an der Bezirkspolitik? Wir haben mal bei Bezirktagspräsident Jürgen Reichert nachgefragt.
Bezirkspolitik ist oft für junge Menschen weit weg. Wie kann dieser Abstand verringert werden? Welche Angebote macht der Bezirk Schwaben für junge Menschen, um ihnen Bezirkspolitik näher zu bringen?
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert: Zum einem war der Bezirk Schwaben der erste in Bayern, der ein eigenes Jugendprogramm verabschiedet hat. Damit dieses nicht nur auf dem Papier bestehen bleibt, wird es regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Bezirksjugendring hinterfragt und fortgeschrieben.
Aus der Zusammenarbeit mit dem BJR haben sich zudem Projekte entwickelt, die Bezirkspolitik und Politik allgemein Jugendlichen näher bringen - beispielhaft ist dafür das Projekt zur politischen Bildung mit einem eigenen Bezirksbaustein, das ja bayernweit Vorbildfunktion erfüllt.
Darüber hinaus haben wir immer wieder Schulklassen und Multiplikatoren im Hause, die sich über den Bezirk und seine Aufgaben informieren. Erfreulicherweise gibt es viele Jugendgruppen und Schulklassen, die auch direkt auf unsere Einrichtungen zugehen, so auf die Bezirksmuseen, unsere Fachkliniken und andere.
Grundsätzlich sind die Sitzungen des Bezirkstags und seiner Ausschüsse öffentlich - auch hier gäbe es die Möglichkeit, sich einmal ein Bild vor Ort zu machen.
Welchen Stellenwert hat Jugendpolitik in der Bezirkspolitik bzw. welchen
Stellenwert soll sie in der nächsten Bezirkstagsperiode bekommen?
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert: Die Jugendpolitik hat in der Bezirkspolitik einen enorm wichtigen Stellenwert. Dies dokumentiert sich nicht nur in den gemeinsamen Aktivitäten mit dem Bezirksjugendring und in den regelmäßigen Sitzungen des Jugendausschusses. So veranstalten wir gemeinsam mit dem BJR ein regelmäßiges öffentliches Jugendforum, in dem aktuelle Fragen diskutiert werden, sondern geben auch einen Jugendempfang, bei dem besondere Aktivitäten öffentlich gewürdigt werden.
Jugendpolitische Themen werden durchaus auch in den anderen Ausschüssen des Bezirks und im Bezirkstag angesprochen. Sie gehen beim Bezirk Schwaben auch in die Diskussion anderer gesellschaftspolitischer Belange mit ein, sei es nun im Bereich der Sozialhilfe oder in der Europaarbeit.
Den hohen Stellenwert, den die Jugendpolitik bei uns genießt, wird sie auch in der kommenden Bezirkstagsperiode haben.
Zum Kinder- und Jugendprogramm für Schwaben konnte eine erfolgreiche Bilanz vorgestellt werden. Offene Punkte in dieser Bilanz sind noch:
- Die Förderung der aktiven Medienarbeit durch eine hauptberufliche
Medienfachkraft.
- Der Bau einer Turnhalle in der Jugendbildungsstätte Babenhausen.
Wie will sich der Bezirk hier positionieren?
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert:Zur Medienfachberatung werden wir den Bedarf genau analysieren, Netzwerke überlegen, Kooperationspartner suchen und das Ergebnis umsetzen.
Zur Turnhalle fordern wir die finanzielle Beteiligung von Land und Bund ein. Wenn diese vorliegt, haben wir eine gute Chance für die Realisierung.
Wie informieren sich die Bezirksräte über die Jugendarbeit bzw. wie werden
sie vom Bezirk informiert. In welcher Weise finden Fragestellungen der
jungen Generation Eingang in die Bezirkspolitik?
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert: Neben der Information aus dem Jugendausschuss dienen vor allem die oben genannten Veranstaltungen - Jugendforum und Jugendempfang - der gegenseitigen Information. Darüber hinaus werden die Bezirksräte auch über unsere eigenen Medien - Internet, Newsletter, etc. - über Aktivitäten der Jugendarbeit im Rahmen unserer Aufgaben informiert.
Fragestellungen der jungen Generation werden uns natürlich über den Bezirksjugendring vermittelt. Er ist unser hauptsächlicher Ansprechpartner in diesem Aufgabenbereich.
Wie möchten Sie junge Menschen motivieren, dass sie bei der Bezirkstagswahl am 28. September 2008, ihr Stimmrecht wahrnehmen?
Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert: Natürlich würde ich mir wünschen, dass gerade Jungwähler die Chancen, die in einer Wahlbeteiligung liegen, sehen. Zumal die Bezirke ein ganz wichtiges Element direkter Demokratie in Bayern sind. Mir ist aber auch bewusst, dass unsere Hauptaufgaben - so die Hilfe zur Pflege oder die psychiatrische Versorgung - manchmal zu weit weg sind von der Lebenswelt junger Menschen.
Durch stetige Informationen versuchen wir die Arbeit des Bezirks bekannter zu machen und transparent zu halten - von diesen langfristig wirkenden Maßnahmen erhoffe ich mir fast mehr als von kurzfristigen Jungwählerkampagnen. Wobei letzteres durchaus auch seinen Platz und Sinn hat. Eventuell wäre diese Frage, wie man junge Menschen zur Bezirks- und Landtagswahl motivieren könnte, auch eine schöne Aufgabe innerhalb des Bausteines "Politische Bildung".
Zur Person
Jürgen Reichert wurde 1951 in Korbach geboren, ist römisch-katholisch, verheiratet, hat drei Kinder. Er wohnt in Bobingen und ist Direktor der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.
Berufliche Stationen
• Ausbildung zum Industriekaufmann
• Fachhochschulreife und Studium zum Dipl. Betriebswirt
• 1976 bis 1981 Vorsitzender Bund deutscher kath. Jugend und stellv. Leiter des Bischöfl. Jugendamtes der Diözese Augsburg
• 1981 bis 1987 Assistent der Geschäftsleitung des Kolping-Bildungswerkes Diözese Augsburg (hier Schwerpunkte Projektmanagement, Leitung Erwachsenenbildungswerk und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
• seit 1987 Geschäftsführer der Kath. Waisenhausstiftung Augsburg und Direktor der St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Augsburg
• verbunden damit Mitglied in regionalen und überregionalen Verbänden und AG`s sowie Vorstandschaften
Politische Funktionen
• 1987 bis 1992 Vorsitzender CSU-Ortsverband in Bobingen
• seit 1990 Stadtrat und stellv. Fraktionsvorsitzender Bobingen
• seit 1997 im Kreisvorstand CSU Augsburg-Land
• seit 1998 Bezirksrat im Bezirkstag von Schwaben
• seit 16.10.03 Präsident des Bezirkstages von Schwaben
• seit 2003 Mitglied im Bezirksvorstand CSU Schwaben
Kirchliche und andere Funktionen
• 1976 bis 1981 Diözesanvorsitzender Bund dt. Kath. Jugend
• 1978 bis 1981 Landesvorstand Bund dt. Kath. Jugend Bayern
• von 1993 bis 2003 Kirchenpfleger St. Felizitas Bobingen
• von 1976 bis 2002 Vorstand Kath. Jugendwerk in der Diözese Augsburg e.V.
• daneben in verschiedensten Ausschüssen und verbandspolitischen Gremien auf Diözesan-, Landes- und Bundesebene
• seit 1978 Vizepräsident im Schwabenvorstand des Volksbundes Dt. Kriegsgräberfürsorge
• 1978 bis 1987 Vorsitzender des Bezirksjugendringes Schwaben
• seit 1996 Mitglied im Kinder- und Jugendhilfeausschuss Landkreis Augsburg Land
• seit 2003 Vorsitzender der Schule für Dorf- und Landentwicklung e.V. Thierhaupten
• seit 2003 Mitglied im Kuratorium Universität Augsburg
• seit 2003 Ehrensenator an der Universität Suczeava
• Oktober 2007 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Suczeava
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