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Mit Roland Weber, dem Vorsitzenden des Bezirksjugendrings Schwaben, sprachen wir über Projekte und Informationsangebote im Vorfeld der Bezirks- und Landtagswahlen. Ebenso über die Wahlbeteiligung junger Menschen und seine Erwartungen an den neuen Bezirkstag hinsichtlich der Jugendarbeit im Bezirk Schwaben.
Im Vergleich zu anderen Bezirken hat
der Bezirksjugendring Schwaben viel zum Thema Wahlen, besonders den
Bezirktagswahlen, gemacht. Welche Projekte und Informationsangebote
haben Ihnen besonders gut gefallen?
Im Rahmen unseres
Projektes "Politische Bildung in Schwaben" - seit 6 Jahren
zusammen mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern
und der Uni Augsburg getragen - war die Auseinandersetzung mit den
Kommunal- und Bezirkstagswahlen für uns eine
Selbstverständlichkeit. Herausgekommen sind innerhalb eines
Jahres wertvolle Aktivitäten mit nachhaltiger Wirkung: Die
Methodensammlung zur Beteiligung von Jugendlichen in der Gemeinde,
die Bausteine "Bezirk Schwaben erleben" und "Politische
Bildung mit Migrant/innen" sowie die Bezirkstags-Wahlfahrt
"Jugendarbeit trifft Bezirkspolitik".Je für sich waren
die Aktionen für die daran Teilnehmenden bereichernd, da die
vielen Infos zu Auftrag und Wesen der je kommunalen Ebene auf der
Erlebnisebene erfahren und damit bleibend verankert werden konnten.
Toll war vor allem, die Aktivitäten können auch nach den
Wahlen von Jugendgruppen, Schulen und Organisationen aufgegriffen
werden.Besonders gut gefallen hat mir die Bezirkstags-Wahlfahrt und
die Aktion "Aufkreuzer" der Evangelischen Jugend in
Schwaben, die mit fünf einfachen, persönlichen Fragen die
Kandidat/innen zum Bezirkstag konfrontierten und sie dadurch unter
www.aufkreuzer.de bleibend porträtierten. Das bietet eine
bleibende Ausgangsbasis für die weitere politische
Zusammenarbeit mit den Politiker/innen bzw. den Parteien.
War
das Angebot an Informationen zur Bezirkstagswahl ausreichend oder
haben Sie noch das ein oder andere vermisst? Hatten andere Bezirke
nachahmenswerte Projekte, die in Schwaben nicht
stattfanden?
Innovativ und vielfältig waren die Angebote.
Verschiedene Ebenen der Vermittlung wurden gewählt: Aktivität
- durch Begegnung, Teamarbeit, Partnerinterviews, Planspiel an den
Orten der jeweiligen Politebene. Visuelles - durch Dokumentationen,
Powerpoints, Homepages. Eines fehlte allerdings: Die
audio-visuelle Vermittlung. So hätte mit einer besseren , v. a.
hauptberuflich, ausgestatteten Medienfachberatung z.B. mittels
Radio/TV die Auseinandersetzung mit dem Thema "Wahlen" auf
breiterer Basis stattfinden können. Dieses fehlende Potential
kann hoffentlich demnächst ausgeglichen werden, wenn sich der
neue Bezirkstag bald auf eine zeitgemäße Ausweitung der
Medienfachberatung einlässt.
Leider wurde der
„Wahl-o-Mat“ des Bayerischen Jugendring verhindert. Wie denken
Sie darüber?
Die Verhinderung des Wahl-o-Mats ist aus
mehrerlei Hinsicht sehr ärgerlich, vor allem bedauerlich.
1.
Durch die von der ÖDP erlangte einstweilige Anordnung des
Verwaltungsgerichts, diese Partei 19 Tage vor der Wahl noch
kurzfristig in den Wahl-o-Mat aufzunehmen, führte aus
organisatorischen, vor allem rechtlichen Gründen zum Aus. Denn
jede andere kleine Partei hätte sich ebenso einklagen können.
Somit konnte ein bundesweit erfolgreiches Medium der Politischen
Bildung für Erst- und Jungwähler/innen nicht angeboten
werden. Letztlich war auch die mühevolle Arbeit von 20
Jugendlichen und Wissenschaftlern der Bundeszentrale für
Politische Bildung während der Ferien umsonst.
2. Trotz
jahrelang bewährter, objektiver und transparenter Kriterien für
den Wahl-o-Mat gelang es einer Partei, vor allem vermutlich aus
wahlkampftaktischen Gründen heraus, letztendlich erfolgreich
dagegen vorzugehen. Hier hätte frühzeitig das Gespräch
gesucht werden müssen von deren Seite und nicht einfach der
kurzfristige Gang zum Gericht, der eine konstruktive Lösung dann
verunmöglichte und das Aus für das jugendgemäße
Medium bedeutete.
3. Mit diesem Vorgehen und Ergebnis
durch die ÖDP ist jeder Partei Tür und Tor geöffnet,
den Wahl-o-Mat auch bei künftigen Wahlen, z.B. zum
Europaparlament und Bundestag 2009 als Instrument unattraktiv zu
machen - denn mehr Parteien führen zu einer notwendigen
stärkeren Ausdifferenzierung der Themen, somit zu mehr Thesen
und damit zu einem größerem Zeitaufwand für die
User/innen (von 20 Minuten auf geschätzte 60) - oder gar zu
verhindern, in dem kurzfristig der Gerichtsweg beschritten wird.Wie
waren die Reaktionen auf das Informationsangebot und auf die Projekte
zur Wahlvorbereitung, z.B. dem Planspiel „Bezirk trifft
Jugendarbeit“?
Sehr positiv wurde das Infoangebot von den
Teilnehmenden aus Politik und Jugendarbeit wahrgenommen. Derartige
Aktivitäten der Begegnung und Auseinandersetzung wurden auch
weiterhin vielfach gewünscht.
Ihr Fazit: War die
schwäbische Jugend eher politikverdrossen oder engagiert? Wie
ist die Wahlbeteiligung unter Jugendlichen im Bezirk
ausgefallen?
Aus meiner Sicht war die schwäbische Jugend
nicht mehr politikverdrossen wie andere gesellschaftliche Gruppen.
Zumindest die Engagierten in der schwäbischen Jugendarbeit
nutzten die Angebote zu den Wahlen bzw. wurden eben selber aktiv, zur
Motivation, inhaltlichen Auseinandersetzung und Beteiligung an den
Wahlen - bei den Gemeinderats-/Kreistagswahlen vielfach auch durch
Kandidaturen - beizutragen.
Was erwarten Sie sich vom neuen
Bezirkstag, was soll sich für die Jugendarbeit ändern oder
auch gerade nicht ändern?
Der neue Bezirkstag ist bunter
geworden. Mit dem Patt in Mehrheitsverhältnissen steigert sich
somit weiter die Qualität der Meinungs- und Willensbildung in
Parlament und Ausschüssen, da alle Parteien noch stärker
auf gemeinsame Lösungsstrategien angewiesen sind. Das fördert
die parlamentarische Demokratie und das politische Miteinander. Wir
freuen uns auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den
wieder gewählten Bezirksrät/innen, welche der Jugendarbeit
weiterhin wertschätzend und konstruktiv gewogen sein mögen,
und auf die Offenheit der "Neuen", sich mit uns auf den Weg
zu machen. Alle haben ja in ihren Statements unter www.aufkreuzer.de
die Wichtigkeit der Jugendarbeit betont und der Politik für die
junge Generation einen hohen Stellenwert beigemessen. Darauf lässt
sich gut aufbauen, gerade nach den Wahlen. Als Bezirksjugendring
Schwaben haben wir hier schon konkrete Ansatzpunkte mit der
Fortschreibung des schwäbischen Kinder- und Jugendprogramms, der
Einrichtung einer hauptberuflichen Medienfachberatung sowie des Baus
der Turnhalle in der Jugendbildungsstätte in Babenhausen.
Darüber hinaus werden wir mit allen Bezirkstagsfraktionen und
den schwäbischen Abgeordneten in Land, Bund und Europaparlament
gerne das Gespräch suchen, um gemeinsam förderliche
Rahmenbedingungen für die Jugend in Schwaben zu gestalten.
Herr
Weber, wir Danken Ihnen für das Gespräch.
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