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Politische Bildung für jugendliche Zuwanderer – ein Baustein entsteht Drucken E-Mail
Geschrieben von Sebastian Schober   
Mittwoch, 19. November 2008

Dieser Artikel führt die Berichte vom 20. Mai 2008 und vom 26. September 2008 fort und beschreibt die mittlerweile durchgeführte Exkursionsphase, die Auswertungsphase, das Pressegespräch sowie die derzeitigen Auswirken des Projektes. 

Exkursionsphase

Nach dem Abschluss der bereits beschriebenen Vorbereitungsphase, besuchten die acht am Projekt teilnehmenden Jugendlichen am 27. September 2008 die Polizeidienststelle, den Oberbürgermeister und die Agentur für Arbeit der Stadt Nördlingen. Jede Gruppe bestand aus drei TeilnehmerInnen, wobei eine/-r die Rolle des Interviewers, eine/-r die des Protokollanten und eine/-r die des Beobachters einnahm. Hierbei ist anzumerken, dass die Jugendlichen bereits im Vorfeld einen Fragenkatalog mit für sie interessanten Fragestellungen erarbeitet hatten. Somit setzten sie sich schon im vornherein thematisch mit den jeweiligen Behörden auseinander, konnten sich während des Interviews am Fragebogen orientieren und dürften erfahren haben, wie wichtig eine gute Vorbereitung im Allgemeinen ist. Den Besuch selbst nahmen alle TeilnehmerInnen sehr ernst und erschienen daher pünktlich an den jeweils abgemachten Treffpunkten. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass ausnahmslos alle sehr gut gekleidet waren und sich die Gruppenverantwortlichen im Vorfeld nochmals telefonisch mit allen in Kontakt gesetzt haben, um ein vollzähliges Erscheinen zu gewährleisten.

 

Auswertungsphase

Alle TeilnehmerInnen meldeten bereits unmittelbar nach der Exkursion zurück, dass sie diese als äußerst positiv empfunden haben. Dieser erste Eindruck wurde dann auch auf dem zwei Tage später stattfindenden Auswertungstreffen nochmals bestätigt. Hierbei sammelten die TeilnehmerInnen ihre gemachten Erfahrungen, hielten diese schriftlich auf Flip Chart fest und stellten sie anschließend den anderen Gruppen vor.

In einem weiteren Schritt werteten die Jugendlichen die gesammelten Ergebnisse aus und überlegten sich gemeinsam, was sie davon im geplanten Gespräch mit dem Oberbürgermeister und der Presse erzählen wollen und was nicht. Für das Pressegespräch selbst entschied man sich bereits während der Planung dieses Bausteines zur politischen Bildung. So soll den Jugendlichen zum Einen die Arbeitsweise und Rolle der Presse innerhalb einer Demokratie näher gebracht werden, sie selbst für Ihre Mühen eine adäquate Wertschätzung erfahren und zu guter letzt die Öffentlichkeit über die Bemühungen der Gruppe informiert werden.


Pressegespräch

Das Pressegespräch fand am 21. Oktober in den Räumlichkeiten des Jugendzentrums statt. Leider konnten aufgrund von Terminverschiebungen nur vier der TeilnehmerInnen erscheinen, so dass die Gruppe der Jugendlichen Zuwanderer letztendlich mit acht Personen vertreten war. In der von Herrn Peter Hilkes moderierten Runde stellten die Jugendlichen ihre Erfahrungen und Ergebnisse aus den Exkursionen vor und berichteten davon, wie sehr sich ihre Sicht auf Behörden verändert habe. So stellte ein Besucher der Polizei fest, dass er zwar noch immer Respekt vor der Polizei, aber mittlerweile auch ein gutes Bild von dieser habe. Zwei Besucherinnen der Agentur für Arbeit wiederum zeigten sich überrascht davon, wie nett und locker das Gespräch dort verlief und meinten, dass dies so gar nicht ihren Erwartungen entsprach. Darüber hinaus äußerten die Jugendlichen während des Gesprächs mit dem Oberbürgermeister den Wunsch nach eigenen Räumlichkeiten, welche sie selbst gestalten und in denen sie ihre Materialien lagern möchten. Der Oberbürgermeister stellte eine Lösung hierfür in Aussicht. Am Ende des Pressegespräches wurde den TeilnehmerInnen des Projektes von Oberbürgermeister Hermann Faul eine Urkunde überreicht, welche von allen beteiligten Institutionen und Kooperationspartnern (siehe Artikel vom 26. September) unterzeichnet wurde und in der bestätigt wird, dass sich die Jugendlichen um das Gemeinwohl in Nördlingen verdient gemacht haben.

 

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Urkundenübergabe am 21. Oktober. Von links nach rechts: Birgit Kögl (Diakonie Donau-Ries), Peter Hilkes (Patenprojekt des BJR und der djo), Marina Keib (Teilnehmerin), Hermann Faul (Oberbürgermeister Nördlingen), Alexander Okel (Teilnehmer), Johann Keib (Teilnehmer), Ida Michel (Teilnehmer), Larissa Bronner (Patenprojekt des BJR und der djo).

 

Was das Projekt bisher bewirkt hat

Generell lässt sich sagen, dass die teilnehmenden Jugendlichen kommunalpolitisches Wissen erworben haben sowie Fähigkeiten und Kompetenzen vermittelt und eingeübt wurden. Damit ist bei ihnen eine aktive Mitwirkung an und in demokratischen Prozessen gefördert worden, ebenfalls konnten Berührungsängste mit öffentlichen Stellen abgebaut werden. So haben beispielsweise einige der Jugendlichen an der Land- und Bezirktagswahl teilgenommen und sehen mittlerweile durchaus die Möglichkeit, sich durch persönliches Engagement in politische Prozesse einzubringen, eigene Interessen zu vertreten und sogar durchsetzen zu können.

Des Weiteren kann von einer gewissen Multiplikatorenwirkung unter den Zuwanderern aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR in Nördlingen ausgegangen werden, da nahezu alle Teilnehmer mit Eltern, Verwandten und Bekannten über das Projekt und die dort gemachten Erfahrungen gesprochen haben.

Erwähnenswert ist auch der durch das Projekt ausgelöste Prozess innerhalb der Jugendgruppe. So gab es bereits in der Vergangenheit immer wieder die Diskussion darüber, inwieweit es denn für den Integrationsprozess wichtig sei, ein positives Bild nach außen zu tragen. Es fällt auf, dass die Jugendlichen, die das Angebot zur politischen Bildung wahrgenommen haben, ihren Standpunkt, dass dies sehr wichtig sei, mittlerweile wesentlich selbstbewusster und vehementer vertreten. Ein Beispiel dafür ist das Engagement eines Jugendlichen, der im Rahmen der „Woche der ausländischen Mitbürger“ eine Stadtführung in Nördlingen anbot, in welcher er neben den historischen Fakten auch über die Migrationsgeschichte der Bundesrepublik informierte und dabei auch die von ihm mitrestaurierten Bauwerke zeigte. Die Mitarbeiter des Jugendzentrums stellen seit der Projekterprobung einen zunehmend selbstbewussteren Umgang der Zuwanderer-Jugendlichen mit den deutschen Besuchern des Jugendzentrums fest.

Auch der Imagegewinn, den die Gruppe der Jugendlichen Zuwanderer aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR durch die Presseberichtserstattung und durch die Teilnahme an einem Wettbewerb, bei dem „ihr Projekt“ vorgestellt wird bemerken, ist sehr motivationsfördernd.


Der Bezirksjugendring Schwaben wird eine Dokumentation über die einzelnen Schritte und den Ablauf des Projekts Anfang des nächsten Jahres herausgeben.


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