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Dieser
Artikel führt die Berichte vom 20. Mai 2008 und vom 26.
September 2008 fort und beschreibt die mittlerweile durchgeführte
Exkursionsphase, die Auswertungsphase, das Pressegespräch sowie
die derzeitigen Auswirken des Projektes.
Exkursionsphase
Nach
dem Abschluss der bereits beschriebenen Vorbereitungsphase, besuchten
die acht am Projekt teilnehmenden Jugendlichen am 27. September 2008
die Polizeidienststelle, den Oberbürgermeister und die Agentur
für Arbeit der Stadt Nördlingen. Jede Gruppe bestand aus
drei TeilnehmerInnen, wobei eine/-r die Rolle des Interviewers,
eine/-r die des Protokollanten und eine/-r die des Beobachters
einnahm. Hierbei ist anzumerken, dass die Jugendlichen bereits im
Vorfeld einen Fragenkatalog mit für sie interessanten
Fragestellungen erarbeitet hatten. Somit setzten sie sich schon im
vornherein thematisch mit den jeweiligen Behörden auseinander,
konnten sich während des Interviews am Fragebogen orientieren
und dürften erfahren haben, wie wichtig eine gute Vorbereitung
im Allgemeinen ist. Den Besuch selbst nahmen alle TeilnehmerInnen
sehr ernst und erschienen daher pünktlich an den jeweils
abgemachten Treffpunkten. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass
ausnahmslos alle sehr gut gekleidet waren und sich die
Gruppenverantwortlichen im Vorfeld nochmals telefonisch mit allen in
Kontakt gesetzt haben, um ein vollzähliges Erscheinen zu
gewährleisten.
Auswertungsphase
Alle
TeilnehmerInnen meldeten bereits unmittelbar nach der Exkursion
zurück, dass sie diese als äußerst positiv empfunden
haben. Dieser erste Eindruck wurde dann auch auf dem zwei Tage später
stattfindenden Auswertungstreffen nochmals bestätigt. Hierbei
sammelten die TeilnehmerInnen ihre gemachten Erfahrungen, hielten
diese schriftlich auf Flip Chart fest und stellten sie anschließend
den anderen Gruppen vor.
In
einem weiteren Schritt werteten die Jugendlichen die gesammelten
Ergebnisse aus und überlegten sich gemeinsam, was sie davon im
geplanten Gespräch mit dem Oberbürgermeister und der Presse
erzählen wollen und was nicht. Für das Pressegespräch
selbst entschied man sich bereits während der Planung dieses
Bausteines zur politischen Bildung. So soll den Jugendlichen zum
Einen die Arbeitsweise und Rolle der Presse innerhalb einer
Demokratie näher gebracht werden, sie selbst für Ihre Mühen
eine adäquate Wertschätzung erfahren und zu guter letzt die
Öffentlichkeit über die Bemühungen der Gruppe
informiert werden.
Pressegespräch
Das
Pressegespräch fand am 21. Oktober in den Räumlichkeiten
des Jugendzentrums statt. Leider konnten aufgrund von
Terminverschiebungen nur vier der TeilnehmerInnen erscheinen, so dass
die Gruppe der Jugendlichen Zuwanderer letztendlich mit acht Personen
vertreten war. In der von Herrn Peter Hilkes moderierten Runde
stellten die Jugendlichen ihre Erfahrungen und Ergebnisse aus den
Exkursionen vor und berichteten davon, wie sehr sich ihre Sicht auf
Behörden verändert habe. So stellte ein Besucher der
Polizei fest, dass er zwar noch immer Respekt vor der Polizei, aber
mittlerweile auch ein gutes Bild von dieser habe. Zwei Besucherinnen
der Agentur für Arbeit wiederum zeigten sich überrascht
davon, wie nett und locker das Gespräch dort verlief und
meinten, dass dies so gar nicht ihren Erwartungen entsprach. Darüber
hinaus äußerten die Jugendlichen während des
Gesprächs mit dem Oberbürgermeister den Wunsch nach eigenen
Räumlichkeiten, welche sie selbst gestalten und in denen sie
ihre Materialien lagern möchten. Der Oberbürgermeister
stellte eine Lösung hierfür in Aussicht. Am Ende des
Pressegespräches wurde den TeilnehmerInnen des Projektes von
Oberbürgermeister Hermann Faul eine Urkunde überreicht,
welche von allen beteiligten Institutionen und Kooperationspartnern
(siehe Artikel vom 26. September) unterzeichnet wurde und in der
bestätigt wird, dass sich die Jugendlichen um das Gemeinwohl in
Nördlingen verdient gemacht haben.
Urkundenübergabe am 21. Oktober. Von links nach rechts: Birgit Kögl (Diakonie Donau-Ries), Peter Hilkes (Patenprojekt des BJR
und der djo), Marina Keib (Teilnehmerin), Hermann Faul (Oberbürgermeister
Nördlingen), Alexander Okel (Teilnehmer), Johann Keib (Teilnehmer), Ida Michel
(Teilnehmer), Larissa Bronner (Patenprojekt des BJR und der djo).
Was
das Projekt bisher bewirkt hat
Generell
lässt sich sagen, dass die teilnehmenden Jugendlichen
kommunalpolitisches Wissen erworben haben sowie Fähigkeiten und
Kompetenzen vermittelt und eingeübt wurden. Damit ist bei ihnen
eine aktive Mitwirkung an und in demokratischen Prozessen gefördert
worden, ebenfalls konnten Berührungsängste mit öffentlichen
Stellen abgebaut werden. So haben beispielsweise einige der
Jugendlichen an der Land- und Bezirktagswahl teilgenommen und sehen
mittlerweile durchaus die Möglichkeit, sich durch persönliches
Engagement in politische Prozesse einzubringen, eigene Interessen zu
vertreten und sogar durchsetzen zu können.
Des
Weiteren kann von einer gewissen Multiplikatorenwirkung unter den
Zuwanderern aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR in Nördlingen
ausgegangen werden, da nahezu alle Teilnehmer mit Eltern, Verwandten
und Bekannten über das Projekt und die dort gemachten
Erfahrungen gesprochen haben.
Erwähnenswert
ist auch der durch das Projekt ausgelöste Prozess innerhalb der
Jugendgruppe. So gab es bereits in der Vergangenheit immer wieder die
Diskussion darüber, inwieweit es denn für den
Integrationsprozess wichtig sei, ein positives Bild nach außen
zu tragen. Es fällt auf, dass die Jugendlichen, die das Angebot
zur politischen Bildung wahrgenommen haben, ihren Standpunkt, dass
dies sehr wichtig sei, mittlerweile wesentlich selbstbewusster und
vehementer vertreten. Ein Beispiel dafür ist das Engagement
eines Jugendlichen, der im Rahmen der „Woche der ausländischen
Mitbürger“ eine Stadtführung in Nördlingen anbot, in
welcher er neben den historischen Fakten auch über die
Migrationsgeschichte der Bundesrepublik informierte und dabei auch
die von ihm mitrestaurierten Bauwerke zeigte. Die Mitarbeiter des
Jugendzentrums stellen seit der Projekterprobung einen zunehmend
selbstbewussteren Umgang der Zuwanderer-Jugendlichen mit den
deutschen Besuchern des Jugendzentrums fest.
Auch
der Imagegewinn, den die Gruppe der Jugendlichen Zuwanderer aus dem
Gebiet der ehemaligen UdSSR durch die Presseberichtserstattung und
durch die Teilnahme an einem Wettbewerb, bei dem „ihr Projekt“
vorgestellt wird bemerken, ist sehr motivationsfördernd.
Der
Bezirksjugendring Schwaben wird eine Dokumentation über die
einzelnen Schritte und den Ablauf des Projekts Anfang des nächsten
Jahres herausgeben.
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