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Gespräch mit Prof. Dr. Kral über das Gutachten zum Wert des Bürgerschaftlichen Engagements in Bayern Drucken E-Mail
Geschrieben von Julia Schuler und Mathias Retzbach   
Donnerstag, 20. November 2008

2004_kral.jpgHerr Prof. Dr. Gerhard Kral ist Professor für Politikwissenschaft und Soziologie. Als Forschungsbeauftragter der Katholischen  Stiftungsfachhochschule (KSFH) München/ Abteilung Benediktbeuern, erstellte er von Januar bis Mai diesen Jahres ein Gutachten zum Wert des Bürger- schaftlichen Engagements in Bayern. Im Auftrag des bayerischen Sozialministeriums erhob Herr Kral, als Leiter des Projektes, mit seinem Team den monetären sowie den sozialen Wert Bürgerschaftlichen Engagements am Beispiel der kreisfreien Stadt Würzburg und des Landkreises Cham.

Herr Prof. Kral, was motiviert Bürger zum Bürgerschaftlichen Engagement?

Es sind vor allem zwei große Motivationsstränge.

Der Erste: Ich sehe, andere können von mir profitieren, ich kann Hilfe anbieten, andere sind dankbar, wenn sie diese Hilfe bekommen.

Der Zweite: Wenn ich mich außer Haus engagiere, gewinne ich selbst enorm. Ich schaffe soziale Kontakte, fühle mich gebraucht, mein Selbstwertgefühl wird gesteigert, ich kann außerdem meine Fähigkeiten und Kompetenzen verbessern durch praktische Tätigkeit.

Zudem unterstützen einige Einrichtungen durch Fortbildungen und Beratungen sowie Supervision den Bürger. Dann entsteht eine Annerkennungskultur, die von vielen Bürgern geschätzt wird.Darüber hinaus gibt es zum Teil Aufwandsentschädigungen (Fahrtkosten, Telefonkosten). 

Welche Vorgaben hatten Sie vom Sozialministerium für Ihr Vorgehen erhalten? 

Das Ziel des Gutachtens, den monetären und den sozialen Wert Bürgerschaftlichen Engagements zu untersuchen, sollte durch die Methoden der Nutzwertanalyse und der Kostennutzenanalyse umgesetzt werden. Beispielhaft für Bayern sollten die kreisfreie Stadt Würzburg und der Landkreis Cham untersucht werden, da hier bereits eine gute Struktur ehrenamtlichen Engagements besteht.

Beschreiben Sie bitte ihr Vorgehen im Laufe des Forschungsprojekts.

Im Cham wie in Würzburg wurden an zweitägigen Workshops mit engagierten Freiwilligen eine Nutzwertanalyse durchgeführt. Diese kamen beispielsweise aus den Bereichen: Selbsthilfe, Freiwillige Feuerwehr, Migration, Nachbarschaftshilfe, Jugend und Familie. Im Rahmen dieser Veranstaltung legten die Teilnehmer eigenständig die Kriterien und die Gewichtung für ihre Arbeit fest. Damit konnten sie festzustellen, wie groß der Nutzen und wie hoch der Grad der Zielerreichung ihrer Arbeit ist.

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Im Vorfeld wurden bereits Fragebögen an die freiwillig Engagierten zugeschickt. Die Befragten sollten vor allem darüber Auskunft geben, wie viel Stunden sie für ihre Tätigkeit aufwenden. Anhand der Angaben konnte durch eine Kosten-Nutzen-Analyse, die monetäre Wertschöpfung bürgerschaftliches Engagements ermittelt werden.

Dies brachte das Ergebnis, dass jede Investition einen 7-fachen Nutzwert erbringt.

Wie wurden diese Ergebnisse Ihrer Untersuchung publiziert?

Am 11. Juni wurden die Ergenisse auf einer Pressekonferenz der Sozialministerin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Zusammenfassung ist seitdem auf der Homepage des Sozialministeriums und der KSFH München abrufbar. Wir stellen die Ergebnisse darüber hinaus bei verschiedenen Vorträgen und Messen, wie der ConSozial in Nürnberg, vor.In der zweiten Septemberwoche war die Konferenz der Sozialministerinnen und Sozialminister. Dort hat Christa Stewens das Gutachten bekannt gemacht und dafür geworben. Das Sozialministerium wird alle Landkreise und kreisfreien Städte mit den Ergebnissen konfrontieren.

Welche Konsequenzen zog das Bayerische Sozialministerium als Auftraggeber des Gutachtens aus den Ergebnissen?

Man will flächendeckend über ganz Bayern diese Infrastruktur, diese Grundlagen, schaffen, zum Beispiel in jedem Landkreis eine Kontaktstelle, an die sich freiwillig Engagierte bei Fragen oder für Fortbildungen wenden können.

Der nächste Schritt wird sein, die Landkreise und kreisfreien Städte für diese Umsetzung zu gewinnen. In einigen Fällen wird das Sozialministerium die Bereitschaft hierzu durch Anschubfinanzierungen wecken müssen.

Welche Forderungen würden Sie hinsichtlich Bürgerschaftlichen Engagements für die Zukunft formulieren?

Es braucht weit mehr Fortbildungen und Schulungen für Engagierte und in vielen sehr sensiblen Bereichen Supervision.

In einigen Arbeitsfeldern ist darüber hinaus die Aufwandsentschädigung eine wichtige Voraussetzung für die Motivation und Bereitschaft zur Mitarbeit. Gerade Jugendliche ohne eigenes Einkommen sind darauf angewiesen, ihre Telefon- und Fahrtkosten erstattet zu bekommen.


Herr Prof. Kral, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Die Ergebnisse des Gutachtens können Sie hier ansehen bzw. herunterladen.


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