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Herr Prof. Dr. Gerhard Kral ist
Professor für Politikwissenschaft und Soziologie. Als Forschungsbeauftragter der Katholischen Stiftungsfachhochschule
(KSFH) München/ Abteilung Benediktbeuern, erstellte er von
Januar bis Mai diesen Jahres ein Gutachten zum Wert des
Bürger- schaftlichen Engagements in Bayern. Im Auftrag des
bayerischen Sozialministeriums erhob Herr Kral, als Leiter des
Projektes, mit seinem Team den monetären sowie den sozialen Wert
Bürgerschaftlichen Engagements am Beispiel der kreisfreien Stadt
Würzburg und des Landkreises Cham.
Herr Prof. Kral, was motiviert Bürger zum
Bürgerschaftlichen Engagement?
Es sind vor allem zwei große
Motivationsstränge.
Der Erste: Ich sehe, andere können
von mir profitieren, ich kann Hilfe anbieten, andere sind dankbar,
wenn sie diese Hilfe bekommen.
Der Zweite: Wenn ich mich außer
Haus engagiere, gewinne ich selbst enorm. Ich schaffe soziale
Kontakte, fühle mich gebraucht, mein Selbstwertgefühl wird
gesteigert, ich kann außerdem meine Fähigkeiten und
Kompetenzen verbessern durch praktische Tätigkeit.
Zudem unterstützen einige
Einrichtungen durch Fortbildungen und Beratungen sowie Supervision
den Bürger. Dann entsteht eine Annerkennungskultur, die von
vielen Bürgern geschätzt wird.Darüber hinaus gibt es zum Teil
Aufwandsentschädigungen (Fahrtkosten, Telefonkosten).
Welche Vorgaben hatten Sie vom
Sozialministerium für Ihr Vorgehen erhalten?
Das Ziel des Gutachtens, den monetären
und den sozialen Wert Bürgerschaftlichen Engagements zu
untersuchen, sollte durch die Methoden der Nutzwertanalyse und der
Kostennutzenanalyse umgesetzt werden. Beispielhaft für Bayern
sollten die kreisfreie Stadt Würzburg und der Landkreis Cham
untersucht werden, da hier bereits eine gute Struktur ehrenamtlichen
Engagements besteht.
Beschreiben Sie bitte ihr Vorgehen im
Laufe des Forschungsprojekts.
Im Cham wie in Würzburg wurden an
zweitägigen Workshops mit engagierten Freiwilligen eine
Nutzwertanalyse durchgeführt. Diese kamen beispielsweise aus den
Bereichen: Selbsthilfe, Freiwillige Feuerwehr, Migration,
Nachbarschaftshilfe, Jugend und Familie. Im Rahmen dieser
Veranstaltung legten die Teilnehmer eigenständig die Kriterien
und die Gewichtung für ihre Arbeit fest. Damit konnten sie
festzustellen, wie groß der Nutzen und wie hoch der Grad der
Zielerreichung ihrer Arbeit ist.
Im Vorfeld wurden bereits Fragebögen
an die freiwillig Engagierten zugeschickt. Die Befragten sollten vor
allem darüber Auskunft geben, wie viel Stunden sie für ihre
Tätigkeit aufwenden. Anhand der Angaben konnte durch eine
Kosten-Nutzen-Analyse, die monetäre Wertschöpfung
bürgerschaftliches Engagements ermittelt werden.
Dies brachte das Ergebnis, dass jede
Investition einen 7-fachen Nutzwert erbringt.
Wie wurden diese Ergebnisse Ihrer
Untersuchung publiziert?
Am 11. Juni wurden die Ergenisse auf
einer Pressekonferenz der Sozialministerin der Öffentlichkeit
vorgestellt. Die Zusammenfassung ist seitdem auf der Homepage des
Sozialministeriums und der KSFH München abrufbar. Wir stellen
die Ergebnisse darüber hinaus bei verschiedenen Vorträgen
und Messen, wie der ConSozial in Nürnberg, vor.In der zweiten Septemberwoche war die
Konferenz der Sozialministerinnen und Sozialminister. Dort hat
Christa Stewens das Gutachten bekannt gemacht und dafür
geworben. Das Sozialministerium wird alle Landkreise und kreisfreien
Städte mit den Ergebnissen konfrontieren.
Welche Konsequenzen zog das Bayerische
Sozialministerium als Auftraggeber des Gutachtens aus den
Ergebnissen?
Man will flächendeckend über
ganz Bayern diese Infrastruktur, diese Grundlagen, schaffen, zum
Beispiel in jedem Landkreis eine Kontaktstelle, an die sich
freiwillig Engagierte bei Fragen oder für Fortbildungen wenden
können.
Der nächste Schritt wird sein, die
Landkreise und kreisfreien Städte für diese Umsetzung zu
gewinnen. In einigen Fällen wird das Sozialministerium die
Bereitschaft hierzu durch Anschubfinanzierungen wecken müssen.
Welche Forderungen würden Sie
hinsichtlich Bürgerschaftlichen Engagements für die Zukunft
formulieren?
Es braucht weit mehr Fortbildungen und
Schulungen für Engagierte und in vielen sehr sensiblen Bereichen
Supervision.
In einigen Arbeitsfeldern ist darüber
hinaus die Aufwandsentschädigung eine wichtige Voraussetzung für
die Motivation und Bereitschaft zur Mitarbeit. Gerade Jugendliche
ohne eigenes Einkommen sind darauf angewiesen, ihre Telefon- und
Fahrtkosten erstattet zu bekommen.
Herr Prof. Kral, wir danken Ihnen für
das Gespräch.
Die Ergebnisse des Gutachtens können
Sie hier ansehen bzw. herunterladen.
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