Bericht im Jugendausschuss des Bezirkstags

Geschrieben von Prof. Dr. Gerhard Kral (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 11. Mai 2004 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2004/05/bericht-im-jugendausschuss-des-bezirkstags/>
Abgerufen am 18. November 2019 um 08:35 Uhr

Der Jugendausschuss des Bezirkstags befasste sich am 11. Mai 2004 mit dem Projekt “Forum Politische Bildung in Schwaben”. Professor Dr. Gerhard Kral von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München/Benediktbeuern informierte die Ausschussmitglieder über die erste Projektphase. Anschließend übergab er an Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, an Roland Weber (stellv. Vorsitzender des Bezirksjugendrings) und an den Geschäftsführer des Bezirksjugendrings Winfried Dumberger-Babiel, für den Abschlussbericht über die erste Projektphase.

Ferner informierte er über den “Atlas politische Bildung in Schwaben” der Ende Juni in Printform vorliegen und Ende Juli in einer Online-Version zur Verfügung stehen wird. Auszüge des Statements von Professor Kral vor dem Jugendausschuss des Bezirks sind nachfolgend abgedruckt.

Dr. Christian Boeser von der Uni Augsburg, der seit April diesen Jahres die 2. Phase des Projekts leitet, informierte die Teilnehmer über die weiteren in diesem Jahr geplanten Aktivitäten (siehe hierzu das Interview mit Christian Boeser (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2005/09/interview-mit-dr-christian-boeser/)).

Das Gremium nahm die Ausführungen der beiden Wissenschaftler mit Interesse und viel Wohlwollen zur Kenntnis. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert stellte fest, dass es “wohltuend ist, einmal nicht über Kosteneinsparungen zu reden, sondern sich mit einem Projekt, das in die Zukunft weist, zu befassen”. Er kündigte an, dass er den “Atlas politische Bildung in Schwaben”, bei einem eigenen Pressegespräch am 27.05.04 in Augsburg, vorstellen will.

Statement von Professor Dr. Gerhard Kral

“Wegen Renovierung geöffnet” –

Baustelle Politische Bildung in Schwaben.

Vor einem Jahr wurde dieser Slogan, der auf den ersten Blick sicher stutzig macht – und auch machen soll – bei einem Workshop aus der Taufe gehoben. Seitdem ist er untrügliches Markenzeichen und Gütesiegel eines ehrgeizigen Vorhabens, das gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten hat und ganz neue Wege geht.

Die enge Zusammenarbeit des

  • Bezirksjugendrings Schwaben

  • der Fachhochschule (KSFH München/ Benediktbeuern),

  • und der Universität Augsburg

über viele Monate hinweg dürfte in dieser Form außergewöhnlichen Charakter haben. Umso mehr, als noch das Centrum für angewandte Politikforschung aus München (C.A.P.) und die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit als Kooperationspartner gewonnen werden konnten. Diese Konstellation der Institutsübergreifenden Kooperation und Koordination hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen und dürfte als gelungenes Modell andere zur Nachahmung anregen.

Einzigartig ist sicher, dass eine Hochschulleitung eines (von immerhin zurzeit 20 Einzelprojekten an der Hochschule) mit größtem Interesse begleitet und tatkräftig unterstützt. Der Leiter der Abteilung Benediktbeuern, Professor Dr. Franz Schmid, gab nicht nur persönlich – mit seinem Appell zur Rückbesinnung auf die Politische Bildung als genuinen Auftrag der Jugendarbeit hier in Babenhausen – den zündenden Anstoß für unser Projekt, er war auch im Mai vergangenen Jahres am ersten Forum aktiv beteiligt und steht bis heute in ständigem fachlichen Austausch mit den Projektleitern.

Nicht weniger erfreulich ist, dass mittlerweile auch der Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit in Benediktbeuern, Professor Dr. Egon Endres, mit ins Boot genommen werden konnte – was freilich keiner großen Überzeugungsleistung bedurfte: es war ihm ein Anliegen. Als hervorragender Kenner der Chancen und Probleme von “Vernetzung” und “Netzwerkarbeit” ausgewiesen, verspricht seine Mitwirkung am bevorstehenden Workshop im Juli dieses Jahres. an der Universität Augsburg einen ganz besonderen Gewinn für den Fortgang des Forschungsprozesses.

Des Weiteren war es diesmal erstmals gelungen, von Anfang an und ohne Unterbrechung interessierte und kompetente Studenten/innen in das Projektteam mit hinein zu nehmen und so, auf fester vertraglicher Grundlage , eine unmittelbare Verzahnung von Forschung und Lehre dauerhaft sicher zu stellen.

Beachtenswert ist natürlich, dass im Kontext des aktuellen politischen Klimas und der politischen Kultur 2004 (Stichworte: Pluralisierung der Lebenslagen, Individualisierung, Politik-/ Parteienverdrossenheit, mangelnde Teilnahme an Wahlen, …) der Bezirk Schwaben gezielt sozusagen “anti-zyklisch” handelt und ein Gegenzeichen setzt: er setzt den hohen Wert von Politischer Bildung, Demokratiefähigkeit und demokratischem Handeln mit der Finanzierung dieses Forschungsauftrags ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Der Wert Politischer Bildung soll und muss wieder entdeckt werden. Bezirk und Bezirksjugendring leisten hier verdienstvolle Pionierarbeit.

Beim Blick auf das politische Tagesgeschäft ist es sofort auffällig, dass ein Bezirk, der Bezirk Schwaben, neue, positive Signale setzt und sein politisches Gewicht unterstreicht. Gerade die Bezirke führen ja in der öffentlichen Wahrnehmung – vorsichtig ausgedrückt – eher ein Schattendasein, deutlich hinter der Bundes- und Landespolitik, aber auch ebenso deutlich hinter der Lokalpolitik. Dass hier der Bezirk Schwaben in die Offensive gegangen ist, die Politische Bildung aus ihrem Nischendasein in Sonntagsreden befreit und ihr auch mit den nötigen finanziellen Mitteln neue Räume schafft, zu frischer Luft verhilft, kann – so denke ich – der Reputation, dem Ansehen der Bezirkspolitik nur gut tun. Hinzu kommt noch ein weiterer Verdienst: wer wie der Bezirk unter dem heutigen Diktat des rigorosen Sparzwanges und unter dem Damoklesschwert weiter ausufernder Finanznöte für ein weiteres Jahr Mittel für die Aktivierung und Vernetzung der Politischen Bildung bereit stellt, setzt unübersehbar eigene Prioritäten. Er gibt ein Bekenntnis ab: Politische Bildung hat für uns Priorität.

Er schärft damit auch sein eigenes Profil, gewinnt ein Stück mehr “corporate identity” – dies verdient allseits hohen Respekt!

Babenhausen, den 11. Mai 2004

Professor Dr. Gerhard Kral