Bericht vom ersten Forum Politische Bildung

Geschrieben von Christian Boeser (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 28. August 2005 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2005/08/bericht-vom-ersten-forum-politische-bildung/>
Abgerufen am 21. Januar 2022 um 15:54 Uhr

Einladungsflyer zur VeranstaltungAm 27. Juni 2003 begann mit dem Grußwort des damaligen Bezirkstagspräsidenten von Schwaben, Dr. Simnacher, eine Bezirkstagssitzung der ungewöhnlichen Art. Neben Bezirksräten waren ca. 45 Vertreterinnen und Vertreter der politischen Bildung aus Schule, Jugendbildung und Weiterbildungseinrichtungen zusammen gekommen, um sich miteinander und mit der Politik zu vernetzen. Dies wurde durch die Kooperation mit dem Bezirksjugendring ermöglicht: “Wir möchten einen Dialog zwischen Politik und politischer Bildung anstoßen und damit neue Kommunikationswege eröffnen”, so Initiator Winfried Dumberger-Babiel vom Bezirksjugendring in Schwaben.

“Wegen Renovierung geöffnet – Baustelle Politische Bildung”

Unter diesem Motto stand eine Veranstaltung mit ungewohntem Ablauf: Mit Methoden aus der Unternehmensberatung und der Organisationsentwicklung hatten die Anwesenden einen Tag lang Zeit, sich untereinander zu vernetzen, ihre Potentiale kennen zu lernen und gemeinsame Projekte zu vereinbaren. Moderator Florian Wenzel vom Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) in München: “Es wurde ein gemeinsamer Rahmen geschaffen, um an dem Potential anzusetzen, das die Teilnehmer schon mitbrachten. Statt an den Problemen und Frustrationen des Alltags anzusetzen, wurde mit guten Erfahrungen und Höhepunkten der eigenen Arbeit begonnen. Dadurch wurde das Bewusstsein geschaffen, dass alle Anwesenden Experten ihrer eigenen Belange sind und schon vieles möglich ist.” Für manche war diese Vorgehensweise eher ungewöhnlich, doch schon am Vormittag entstanden so in lebhaften und motivierenden Diskussionen Themenstränge wie Jugendarbeit als “Steigbügel” für politisches Engagement, “Demokratie als Lebensform” und die Betonung der Notwendigkeit, schon bei Kindern anzusetzen und mit ihnen über den Umgang in Gruppen zu reflektieren und sie so zu demokratischem Umgang miteinander zu befähigen.

Beteiligte am Forum Politische Bildung Schwaben

Große Bandbreite politischer Bildung

Als weiteres unterstützendes Element der Veranstaltung wurde eine schwabenweite Erhebung von bestehenden Projekten, Angebot und Nachfrage im Bereich der politischen Bildung vorgestellt. Prof. Gerhard Kral von der Fachhochschule Benediktbeuern betonte, dass es vor allem an Möglichkeiten fehle, voneinander zu erfahren und sich kennen zu lernen. Deshalb soll unter anderem ein “Atlas Politische Bildung” für Schwaben entstehen. Zehn bestehende, durch die Erhebung recherchierte Projekte der politischen Bildung präsentierten sich eindrucksvoll in einem “Markt der Möglichkeiten”: die Spannbreite reichte von einem Energieprojekt an einer Schule über ein neues Angebot von Toleranztrainings und Planspielen für Schulen in Augsburg bis hin zu einem interkulturellen Lernprojekt, das aus Bundesmitteln gefördert wird. Hier wurde konkret sichtbar, welche Ansatzpunkte politischer Bildung bereits bestehen.

Konzept der “Organisierten Kaffeepause”

Am Nachmittag wurde es konkret. Mit der Methode eines “Open Space” konnten die Teilnehmer in verschiedenen Arbeitsgruppen an den Themen arbeiten, die sie interessierten und Vereinbarungen zur Weiterarbeit treffen. “Open Space als ‘organisierte Kaffeepause’ erlaubt es, sich intensiv mit den eigenen brennenden Anliegen zu beschäftigen. Dies sorgt für eine wesentlich höhere Umsetzung angedachter Projekte als eine klassische Verteilung von Aufgaben”, so Moderator Wenzel. Schnell waren gut zehn Themen gefunden, die sich selbständig in Arbeitsgruppen von zwei bis 10 Personen organisierten. Hier ging es u.a. um den Einsatz von Jugendlichen als Moderatoren der politischen Bildung, der Gemeinwesenarbeit als Element politischer Bildung in Kommunen und die Vernetzung unterschiedlicher Schulprojekte. Die Diskussionen und Vereinbarungen wurden dokumentiert und konkrete nächste Schritte vereinbart.

Baustelle Politische Bildung?

Politische Bildung in Schwaben mit Gesicht

In der Schlussrunde betonten viele Teilnehmer die konstruktive und motivierende Atmosphäre des Tages. Politische Bildung habe in vielen Begegnungen, Gesprächen und Arbeitsgruppen nun ein konkretes “Gesicht” bekommen. Vertreter des Bezirkstages waren angetan von der Idee, die Art des Vorgehens auch in Strukturen der Politik zu tragen und effektiver arbeiten zu können. Viele “eigene Baustellen” seien nun entstanden, so die Teilnehmer, und das Bewusstsein, gemeinsam weiter zu bauen und zu wissen, wo es Unterstützung gibt.