“Jugendarbeit muss auf allen Ebenen höchste Bedeutung haben.” Ein Gespräch mit Gisela Bock (FDP)

Geschrieben von Birgit Moser (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 15. Februar 2009 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2009/02/jugendarbeit-muss-auf-allen-ebenen-hochste-bedeutung-haben-ein-gesprach-mit-gisela-bock-fdp/>
Abgerufen am 15. Juli 2020 um 09:36 Uhr

01_gisela_bock_fdp_klein.jpgGisela Bock, Bezirksrätin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP sprach mit uns unter anderem über die Ziele ihrer Fraktion im schwäbischen Bezirkstag, ihre Arbeit im Jugendausschuss und wie sie junge Menschen bereits im Kindesalter für Kommunalpolitik begeistert.

Nachdem wir mehrere Artikel über den Bezirk und die Bezirkstagswahl in Schwaben veröffentlicht haben, sollen nun die einzelnen Fraktionsvorsitzenden selbst zu Wort kommen. Jede(r) Fraktionsvorsitzende erhielt die gleichen Fragen zur eigenen Arbeit und z. B. zur Jugendpolitik.

Im Februar stellen wir Ihnen die Antworten der Fraktionen SPD und FDP vor.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht Ihre Fraktion?

Unsere Fraktion besteht aus zwei Mitgliedern.

Welche Ziele hat sich Ihre Fraktion für die Arbeit im 14. Schwäbischen Bezirkstag gesetzt und wie sollen diese erreicht werden?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, möglichst viel an realen Verbesserungen für die Menschen zu erreichen, die auf die Hilfe des Bezirks angewiesen sind. Dazu gehören Besuche in allen Einrichtungen, Gespräche mit den Verantwortlichen, Umsetzung von Verbesserungen. Großer Bedarf scheint uns im Bereich der Hilfe für Menschen mit Behinderungen zu bestehen, was sich aus einer Podiumsdiskussion bei der Lebenshilfe in Kempten ergeben hat. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Verbesserungen, sondern vor allem auch um Abbau von bürokratischen Vorschriften und Entlastung der in diesem Bereich tätigen Mitarbeiter. Wir werden hier mit dem Sozialausschuss des Bayerischen Landtages und der Vorsitzenden, unserer Parteikollegin Brigitte Meyer, zusammenarbeiten.

In welcher Form arbeiten Sie mit den anderen Fraktionen im Bezirkstag zusammen?

Die Arbeit im Bezirkstag ist dankenswerterweise nicht von Parteipolitik geprägt, sondern von sachlichen Argumenten. Folglich ist die Zusammenarbeit mit allen anderen Fraktionen gut. Gerade im Jugendausschuss wollen wir alle zusammen das Beste für die Bildungsstätte erreichen.

Im Kinder und Jugendprogramm des Bezirks sind wichtige Felder der schwäbischen Jugendarbeit beschrieben. Welche Bedeutung hat für Sie der Bereich Jugendarbeit in der Bezirkspolitik?

Schon während meiner Zeit im Bayerischen Landtag habe ich mich sehr mit Jugendarbeit beschäftigt. Ich war auch jahrelang als Betreuerin von Jugendfreizeiten im Kreisjugendring Oberallgäu tätig. Jugendarbeit muss auf allen Ebenen höchste Bedeutung haben. Es geht darum, unseren jungen Menschen in einer Zeit des high- tech und der endlosen Vergnügungsmöglichkeiten Werte zu vermitteln, ihnen zu zeigen, wie schön es ist, sich für andere einzusetzen und dass eine Gesellschaft nur bestehen kann, wenn sich jeder als Teil dieser Gesellschaft betrachtet und einbringt.

Der Bezirksjugendring Schwaben und die Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern haben in den letzten Jahren mehrere Bausteine für Schulen entwickelt, um dort mehr auf die Kommunalpolitik aufmerksam zu machen. Der Baustein “Bezirk Schwaben erleben” wird von den Schulen sehr gut angenommen. Wie schätzen Sie diese Arbeit der politischen Bildung mit Schulen ein. Wie sollte dieser Bereich weiter entwickelt werden?

Ich habe bereits einmal an dem Baustein “Bezirk Schwaben erleben” teilgenommen und werde auch den nächsten Termin im März wahrnehmen. Ich halte diese Art von Information für sehr gut und kann nur empfehlen, dass dies von möglichst vielen Schulen wahrgenommen wird.

Der Bezirk Schwaben hat einen Jugendausschuss eingerichtet, in dem alle Fragen der Jugendarbeit behandelt werden sollen. Welche Themen und Schwerpunkte sind für Sie vorrangig, die in nächster Zeit behandelt werden sollten?

Als Mitglied des Jugendausschusses halte ich für vorrangig: Die enge Zusammenarbeit und Unterstützung des Bezirksjugendrings, Medienarbeit mit Jugendlichen, das ganze Gebiet Jugendhilfe, das zwar Aufgabe der Landkreise und Kreisfreien Städte ist, aber es können auch Anregungen von unserer Seite kommen, was hierbei zu verbessern ist. Hilfe für drogenabhängige Jugendliche und alle Möglichkeiten der “Inklusion” von Kindern mit Behinderungen sind weitere wichtige Themen.

Kommunalpolitik ist für viele junge Menschen weit weg. Wie und mit welchen Maßnahmen möchten Sie junge Menschen motivieren, dass sie sich stärker für diesen Politikbereich interessieren?

Kommunalpolitik ist für viele junge Menschen nicht nur weit weg, sie interessieren sich einfach nicht dafür. Es geht wohl nur mit Projektarbeit, dass man sie selbst mitreden lässt. Bei einem Projekttag in Illertissen an einem Gymnasium, 8. Klasse, habe ich einen Vormittag lang über Kommunalpolitik referiert. Die Einführung war für die Kinder langweilig, als ich sie aber eingebunden habe, war das Interesse erstaunlich groß. Wir haben eine Gemeinderatsitzung abgehalten, mit einer Tagesordnung, die Jugendliche anging. Die Parteienzugehörigkeit wurde ausgelost und die Kinder mussten aus der Sicht der jeweiligen Partei argumentieren und Vorschläge bringen. Es war überraschend, wie die Kinder mitgemacht haben und was für konstruktive Vorschläge kamen. Also: Man muss sie selbst etwas machen lassen und nicht dozieren

In welcher Weise kann der Verband der Bezirke dazu beitragen, dass bei ihm das Thema Jugendarbeit mehr Profil bekommt?

Der Verband der Bezirke muss sich des Themas “Jugendarbeit” annehmen, es auf einem Verbandstag diskutieren und Ergebnisse und Verbesserungen als gemeinsame Kraft bei der Staatsregierung durchsetzen. Ein Thema wäre z. B. eine bessere Finanzierung der Schülerbeförderung für die Landkreise und Kreisfreien Städte durch die Bayerische Staatsregierung, damit jedes Kind einen Sitzplatz im Schulbus hat und bei Unfällen keine Verletzungen mehr vorkommen. (In Reisebussen müssen Erwachsene angeschnallt sein, in Schulbussen gibt es nicht einmal ausreichend Sitzplätze für die Kinder!).

Frau Gisela Bock, wir danken Ihnen für die informativen Antworten!

zur Person:

Die Beantwortung der Fragen übernahm für die FDP nicht der Vorsitzende Herr Buhl, sondern Frau Gisela Bock, da diese für die Jugendpolitik zuständig ist.

Frau Gisela Bock ist als Bezirksrätin und stellv. Fraktionsvorsitzende der FDP im Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens Bezirkskliniken, als Mitglied in der Verbandsversammlung im Verband der bayerischen Bezirke, im Jugend- und im Rechnungsprüfungsausschuss tätig.

Die gebürtige Kemptnerin ist Dipl. Chemikerin, verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Weitere Informationen über:

www.bezirk-schwaben.de (http://www NULL.bezirk-schwaben NULL.de/)