“Die Jugendarbeit hat eine hohe Bedeutung” – Gespräch mit Barbara Holzmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Geschrieben von Birgit Moser (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. April 2009 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2009/04/die-jugendarbeit-hat-eine-hohe-bedeutung-gesprach-mit-barbara-holzmann-bundnis-90die-grunen/>
Abgerufen am 9. April 2020 um 09:50 Uhr

Barbara HolzmannFrau Barbara Holzmann ist Bezirksrätin und Fraktionsvorsitzende für das Bündnis 90/ Die Grünen. Sie ist unter anderem Mitglied im Bezirksausschuss, Krankenhaus-Werkausschuss, Sozial- und Psychiatrieausschuss, Irsee-Werkausschuss und im Fachausschuss Psychiatrie beim Verband der Bayerischen Bezirke.

In Immenstadt i. Allgäu ist Frau Barbara Holzmann wohnhaft, sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Die Sozialpädagogin (FH) ist im psychiatrischen, ambulanten Bereich tätig.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht Ihre Fraktion?

Wir sind zu zweit, Kirsi Hofmeister Streit und Barbara Holzmann

Welche Ziele hat sich Ihre Fraktion für die Arbeit im 14. Schwäbischen Bezirkstag gesetzt und wie sollen diese erreicht werden?

Der finanzielle Schwerpunkt beim Bezirk liegt sicher in der sozialen Sicherung – Hilfen für Menschen mit Behinderung, psychisch kranke Menschen und alte Menschen in Heimen. In all diesen Arbeitsfeldern wurden in der Vergangenheit viele Einrichtungen geschaffen. Wir wollen, dass wieder viel stärker der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen in den Vordergrund gestellt wird. Mit der Verabschiedung der UN-Konvention sind wesentliche gesellschaftliche Grundlagen der Hilfen für Menschen mit Behinderung neu beschrieben, u. a. das Recht die Form des Wohnens selbst zu bestimmen und nicht darauf angewiesen zu sein in besonderen Wohnformen leben zu müssen. Dieses Selbstbestimmungsrecht muss in der Politik viel stärker diskutiert werden und die Hilfen werden sich damit auch verändern.

Die Anforderung – auch aus der UN-Konvention – dass für Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung alle Dienstleistung gemeindenah erreichbar sein müssen, ist in Schwaben keinesfalls erreicht.

In der Altenhilfe wollen wir stärker neue Projekte und Ideen fördern. Kein Mensch hat für sich den Wunsch am Ende seines Lebens in einem Pflegeheim zu landen. Ambulante Wohnpflegekonzepte mit Integration von Nachbarschaftshilfe, bürgerschaftlichen Engagement und professioneller Hilfe stecken in Schwaben noch in den Kinderschuhen. Hier kann der Bezirk neue Akzente setzen.

Die psychiatrische Versorgung braucht weiterhin hohes Augenmerk. Dringend notwendig ist eine deutliche Verbesserung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Nur stationäre Standorte in Augsburg und Kempten sind nicht ausreichend und die Arbeit, die dort geleistet wird, ist uns zu wenig transparent und auch zu wenig beachtet im Bezirkstag.

Wir wollen wieder stärker frauenpolitische Akzente setzen und bei der Kulturarbeit auch Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen.

In welcher Form arbeiten Sie mit den anderen Fraktionen im Bezirkstag zusammen?

Wir sind eine eigenständige Fraktion und werden unsere Themen auch selbst vertreten. Wenn wir etwas erreichen wollen, werden wir selbstverständlich mit allen reden und mit Überzeugung arbeiten. Das Thema und die Inhalte sind uns wesentlich und weniger die Parteifarbe.

Im Kinder- und Jugendprogramm des Bezirks sind wichtige Felder der schwäbischen Jugendarbeit beschrieben. Welche Bedeutung hat für Sie der Bereich Jugendarbeit in der Bezirkspolitik?

Die Jugendarbeit hat eine hohe Bedeutung und wesentliche Felder im schwäbischen Kinder- und Jugendprogramm sind uns Grünen sehr nah.

Der Bezirksjugendring Schwaben und die Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern haben in den letzten Jahren mehrere Bausteine für Schulen entwickelt, um dort mehr auf die Kommunalpolitik aufmerksam zu machen. Der Baustein “Bezirk Schwaben erleben” wird von den Schulen sehr gut angenommen. Wie schätzen Sie diese Arbeit der politischen Bildung mit Schulen ein. Wie sollte dieser Bereich weiter entwickelt werden?

Durch die intensive Vor- und Nachbereitung in den Schulen, bekommen die Schülerinnen und Schüler einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Bezirkstags. Diese wichtige Schulung sollte nicht nur GymnasiastInnen zu Gute kommen, das Angebot ist gerade auch im Hinblick auf Haupt- und Realschulen anzupassen.

Der Bezirk Schwaben hat einen Jugendausschuss eingerichtet, in dem alle Fragen der Jugendarbeit behandelt werden sollen. Welche Themen und Schwerpunkte sind für Sie vorrangig, die in nächster Zeit behandelt werden sollten?

Wir müssen in allen Bereichen geschlechtersensible Konzepte entwerfen, die den individuellen Bedürfnissen junger Menschen gerecht werden. Daneben gilt es im Sinne der demografischen Entwicklung generationenübergreifende und integrative Projekte zu entwickeln und zu fördern.

Kommunalpolitik ist für viele junge Menschen weit weg. Wie und mit welchen Maßnahmen möchten Sie junge Menschen motivieren, dass sie sich stärker für diesen Politikbereich interessieren?

Die Bezirke sind zwar dritte kommunale Ebene – aber für die meisten Menschen, nicht nur für junge Menschen, ein Buch mit sieben Siegeln. Mit den wesentlichen Verantwortungsbereichen der Bezirke: Menschen mit Behinderung und alte Menschen befasst man sich meist erst dann, wenn man selbst oder im engeren Umfeld direkt damit konfrontiert ist. Politik interessiert erst dann, wenn ich für mich selbst auch direkte Gestaltungsräume entdecke und mitwirken kann. Dies gilt insbesondere für junge Menschen. Bei uns Grünen in Schwaben gibt es eine sehr aktive Jugend, die mit ihren spezifischen Themen auch ausreichend Raum erhalten.

In welcher Weise kann der Verband der Bezirke dazu beitragen, dass bei ihm das Thema Jugendarbeit mehr Profil bekommt?

Der Verband kann durch Netzwerkbildung die Strukturen schaffen, um Diskussion und Synergieeffekte zu befördern. Zum einen durch Schwerpunktthemensetzung bei Verbandssitzungen, wie dieses Jahr vorgesehen; zum anderen durch Austausch der Haupt- und Ehrenamtlich in diesen Bereichen Tätigen.

Frau Barbara Holzmann, wir danken Ihnen für die innovativen Antworten!

Weitere Informationen finden Sie unter www.bezirk-schwaben.de (http://www NULL.bezirk-schwaben NULL.de/)