Kamingespräch mit Mandatsträger/innen der Freien Wähler

Geschrieben von Birgit Moser (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. Juli 2009 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2009/07/kamingesprach-mit-mandatstragerinnen-der-freien-wahler/>
Abgerufen am 9. April 2020 um 08:42 Uhr

Wissen Sie, wie die aktuelle Arbeit der Jugendverbände in Schwaben aussieht?

Interessiert Sie, welche Themen ihnen unter den “Nägeln brennen”?

Wollen Sie wissen, wie die Reaktionen darauf bei den anwesenden Politikern der Freien Wähler ausfielen?

Wenn ja, dann sollte Sie das Kamingespräch mit den Freien Wählern am 09.07.09 in Babenhausen interessieren…

Mit der vorerst letzten Diskussionsrunde im Rahmen der “Kamingespräche des BezJR Schwaben” ist nun auch ein guter Vergleich zwischen den Parteien möglich.

Kamingespräch mit den Vertretern der Freien Wähler am 09.07.09 in Babenhausen

Unter der Leitung des Vorsitzenden des Bezirksjugendrings Schwaben, Manfred Gahler fand das vorläufig letzte Kamingespräch in diesem Jahr statt. Der Einladung waren als schwäbische Vertreter/innen der Freien Wähler gefolgt: Bezirksrat Johann Fleschhut, Bezirksrätin Agnes Schragl und MdL Bernhard Pohl.

Wie sieht die Jugendarbeit im Bezirk Schwaben aus und welche Themen “brennen den Jugendverbänden unter den Nägeln”?

Diese Frage beantworteten verschiedene Vertreter der Jugendverbände/ Jugendringe sehr unterschiedlich:

  1. Manfred Gahler vom Bezirksjugendring Schwaben präsentierte eine Auswahl der aktuellsten Projekte, die der Bezirksjugendring unterstützt und/ oder selbst mitgestaltet. Genannt wurde z. B. ein Patenprojekt für junge Spätaussiedler, ein Coca-Cola-Boykott für mehr Menschenrechte, das Projekt “Aus ist Aus” für eine Sensibilisierung der ökologischen Belange. Kurz vorgestellt wurde das – nunmehr schon seit sieben Jahren bestehende – Projekt “Politische Bildung Schwaben”, eine Kooperation zwischen dem BezJR, der Katholischen Stiftungsfachhochschule München/Benediktbeuern (KSFH) und der Universität Augsburg, letztere jetzt federführend für das erweiterte Projekt “Politische Bildung Bayern”. In der Reihe “Kommunalpolitik erleben!” wurde zuletzt der Baustein “Politische Bildung mit jugendlichen Zuwanderern” erfolgreich erprobt, auf dessen Details Professor Gerhard Kral von der KSFH gegen Ende des Gesprächs noch einmal gesondert einging. Derzeit findet in der evangelischen Jugend ein Band- Award und Song-Contest statt und der Kreisjugendring Augsburg- Land installiert einen “Kulturradweg” im Landkreis. (mehr Informationen für Interessierte lassen sich unter: http://www.bezirksjugendring-schwaben.de (http://www NULL.bezirksjugendring-schwaben NULL.de/) finden).
    Eines der dringlichsten Anliegen des BezJR ist der Medienschutz für Kinder und Jugendliche. Erfreulicherweise hat der Bezirk für die Medienschutzberatung eine Stelle ausgeschrieben, doch diese ist vorläufig nur befristet. Wie es danach weiter geht ist bisher noch sehr ungewiss… Sorgen bereitet ihm außerdem die Finanzierung der offenen Jugendhäuser. Der Bau neuer Jugendhäuser wird momentan gar nicht mehr genehmigt und auch die dringend notwendigen Sanierungen der älteren Jugendzentren verlaufen unzureichend.
  2. Die schwäbische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen (Jubi), in deren Räumlichkeiten das Kamingespräch stattfand, wurde durch dessen Leiter, Bernhard Schneider vorgestellt. Das Haus mit einem eigenen Programmangebot ist als Umweltstation anerkannt und macht verschiedene Angebote z. B. an Schulen, Jugendgruppen u.a. Es bietet aber auch Veranstaltungen in den Bereichen Erlebnispädagogik, Kultur und internationale Arbeit an (siehe http://www.jugendbildungsstaette-babenhausen.de).
    Im nächsten Jahr steht im Rahmen des Konjunkturpakets II eine große energetische Sanierung des Hauses an. Diese ist nach über 20 Jahren Betrieb notwendig und ist für die Umweltstation auch Vor-zeigebeispiel. Leider gibt es derzeit keinen Etatspielraum für eine Turnhalle, die ebenfalls schon lange geplant ist. Vor schwierigen Verhandlungen steht die Jubi derzeit mit dem Bund bzgl. der außerbayerischen Belegung, die etwas reduziert werden soll, da die Nachfragen aus Schwaben und Bayern sehr gut sind.
  3. Der Kreisjugendring Ostallgäu wurde an diesem Abend durch den Vorsitzenden Georg Popp und den Geschäftsführer und Jugendpfleger Erich Nieberle vertreten. Sie stellten ihre umfangreiche Arbeit am Beispiel des solarbetriebenen Jugendzeltplatzes Rettenbach und ihrer schulbezogene Jugendarbeit vor. Sie verwiesen auf den Aktionstag für die Jugend und Menschen mit Behinderung “Spiel, Sport und Spaß” in Marktoberdorf: am 11. Juli 2009 soll Integration erlebbar werden. Der Kreisjugendring beteiligt sich an zwei Schulen an der Aktion “U-18 – Die Wahl für Kinder und Jugendliche”, über die Jugendlichen – neben der Einübung des Wahlvorganges – auch der Dialog mit örtlichen Politikern ermöglicht werden soll. (Weitere Einsicht in die verschiedensten Bereiche des KJR erhält man auf der Homepage: http://www.kjr-ostallgaeu.de (http://www NULL.kjr-ostallgaeu NULL.de/))
    Das Problem mit rechtsgerichteten Jugendlichen wird vom Kreisjugendring sehr genau wahrgenommen, es wurde u. a. auf der Frühjahrsvollversammlung thematisiert. Bisher lassen sich jedoch wenig Kennzeichen für diese Gesinnung bei den Jugendlichen im Landkreis feststellen. Diese sind meist außerhalb der Jungendverbände aktiv.
  4. Willi Sauter vertrat die schwäbischen Jugendfeuerwehren. Die Jugendfeuerwehr bietet Jugendlichen eine Ausbildung, die diese für einen aktiven Dienst in der Feuerwehr vorbereiten. Aber auch Freizeitmaßnahmen wie Lehrfahrten und Radtouren sind Teil der Jugendarbeit. Demokratiearbeit ist dabei selbstverständlicher Teil des Umgangs z.B. in dem auf die Interessen der Teilnehmer eingegangen wird. (Hinweise des Angebotes unter: http://www.jf-schwaben.de (http://www NULL.jf-schwaben NULL.de/))
    Die Unterwanderung der Jugendgruppen der Feuerwehr durch die NPD sieht er als große Gefahr. Die von der Feuerwehr verkörperten Werte wie Disziplin, Kameradschaft und das Tragen von Uniformen werden von der NPD als Einfallstor benutzt. Doch die Jugendfeuerwehren distanzieren sich gegen Rechts und haben dazu eine eindeutige Resolution verabschiedet! Weiterhin gibt es das Projekt “Unsere Welt ist bunt” mit dem die Feuerwehrjugend gegen die Unterwanderung angeht. Auch im Bereich der Multiplikatorenausbildung wird hier dagegen gearbeitet.
  5. Für den BDKJ Diözesanverband sprach Gerwin Reichart. Der BDKJ vertritt dabei eine Vielzahl von Gruppen: von der Katholischen Landjugendbewegung, der Kolpingjugend über die Pfadfinder St. Georg usw. Aktuelle Veranstaltungen des BDKJ sind das Diözesanjugendfestival am 18. Juli 09 in St. Ottilien. Dort werden etwa 1000 Besucher erwartet. Auch auf dem DPSG Diözesanlager “Bähmboree” vom 03.08.09- 09.08.09 werden ca. 700 Jugendliche erwartet. Bei der Aktion der Landjugend “Let´s be crazy” findet dagegen in jedem Monat verschiedenste Aktivitäten statt. (Umfangreiches Material findet man auf der Homepage: http://www.bdkj-augsburg.de (http://www NULL.bdkj-augsburg NULL.de/))
    Gerwin Reichart appellierte an die Politik, in diesen Zeiten nicht an der Jugendarbeit zu sparen. Dies sei ein Kahlschlag, den man später reparieren müsse! Der BDKJ hat auch eine Resolution gegen denRechtsradikalismus verabschiedet. Gerade die Verbände, die im Jugendring zusammengeschlossen sind, sind eine demokratische Alternative zu rechten Organisationen.
  6. Markus Grauer, der Vorsitzende des KJR Unterallgäu stellte deren Ar
    beit am Beispiel von Streetwork und der Betreuung von neun offene Ganztagesschulen und weiteren Einrichtungen des KJR vor. Die Arbeit in den Ganztagesschulen und deren Unterscheidung von gebundenen und offenen Ganztagesschule schilderte Markus Grauer ebenfalls. Eine Ehrung der ehrenamtlichen Mitarbeiter in Form des Kreisjugendfestival empfindet er als sehr wichtig. Auch die Aktion “U18-Wahl” ist im Jugendring ein Thema. (Die Darstellung des Kreisjugendringes findet man unter: http://www.jugendunterallgaeu.de (http://www NULL.jugendunterallgaeu NULL.de/))
    Der Kooperationspartner der offenen Ganztagesschulen ist die Jugendhilfe. Verschiedene Finanzierungsfragen müssen derzeit noch geklärt werden.

Wie reagierten die anwesenden Politiker auf die Darstellung und Probleme?

  1. Bernhard Pohl Abgeordneter im Bayerischen Landtag, konnte an diesem Abend keine verbindliche finanzielle Zusage treffen, da nach dem Desaster der Bayerischen Landesbank der Landeshaushalt erschöpft sei. Er sieht als Folge Schwierigkeiten in vielen Bereichen aufkommen und fragt sich wie man die guten Standards halten kann. Wichtig ist ihm dabei die Lobbyarbeit, auch und gerade der Jugendverbände. Diese müssen sich “auf die Hinterfüße stellen und am Ball bleiben”. Die Kamingespräche sieht er als probates Mittel gelingender Lobbyarbeit. Das Problem von links- und rechtsgerichteten Jugendlichen kann seiner Meinung nach nicht die Politik lösen. Dies erfordert eine tolerante Gesellschaft, die aktiv gegen diese Missstände vorgeht.
  2. Johann Fleschhut ist Bezirksrat und Landrat des Landkreises Ostallgäu. Er hält die Prävention gegen rechtsgesinnte Jugendliche für sehr wichtig. Dazu ist es notwendig, genau hinzusehen, damit Strukturen dieser Gesinnung nicht aufgebaut werden könnten. Auch die politische Bildung und die Vereinsarbeit sind dabei wichtige Bausteine. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass oft in Dörfern leer stehende Gebäude von diesen Gruppierungen aufgekauft werden und es dann sehr schwer ist, diese wieder los zu werden. Für Herrn Fleschhut hat es eine hohe Bedeutung, dass junge Leute ein Gespür bekommen, wie wichtig es ist, sich zu engagieren. Dazu wäre es auch notwendig die Bürokratie abzubauen, denn zahlreiche Gremien sind abschreckend. Die Politik, die Verbandsarbeit und die Wirtschaftsverbände dürften mit ihren Strukturen nicht abschreckend wirken. Johann Fleschhut interessiert sich sehr für verschiedene Formen des Jugendparlamentes. Leider versandete in Füssen das Jugendparlament nach anfänglicher Begeisterung sehr schnell wieder. Außerdem erklärte er, dass es für den Einsatz eines Medienberaters “aller höchste Zeit” sei. Auch im neuen Gymnasium in Buchloe sollte der Umgang mit Medien nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch gelernt werden. Dies ist auch eine Prävention im Hinblick auf die Onlinesucht.
  3. Agnes Schragl ist Bezirksrätin für die Freien Wähler.Sie legte besonderen Wert darauf, die Lebenswelt der Jugendlichen ganz genau zu betrachten. Insbesondere für sozial schwache Jugendliche komme es darauf an, den Alltag zu regeln und eine klare Tagesstruktur aufzubauen und zu meistern. Dazu bedarf es des persönlichen Gesprächs, hier seien Mentoren und Gönner z. B. in der Wirtschaft gefragt. Sie hält es für erstrebenswert, dass Kinder und Jugendliche Engagement zeigen z. B. dass Kinder für ihre Schule kämpfen. Auch das Jugendparlament in Pfronten und Obergünzburg sieht sie als adäquates Mittel zu einem größeren Demokratieverständnis. Frau Schragl interessiert sich sehr für die verschiedenen Formen der Ganztagesschulen und deren pädagogische Begleitung.

Die Freien Wähler zeigten sich beeindruckt von der Jugendarbeit, sie lobten die “tolle Leistung”, das “starke Engagement” und sagten “vielen Dank für den Rieseneinsatz”. Doch sie sehen auch die Verpflichtung, die bestehenden Einrichtungen tatkräftig zu unterstützen. Dabei müssen die Prioritäten in Jugend, Familie, Senioren und Ehrenamt gesetzt werden. Als “Realpolitiker” bekennen sie freilich auch: “Ohne Moos nix los”. Und in Zeiten ohne üppigen Überschuss müsse in aller Sachlichkeit über die Gelderverteilung gesprochen werden. Für die dazu unabdingbare Lobbyarbeit finden – so die abschließende Botschaft – die Jugendverbände bei den Freien Wähler in jedem Politiker/in jeder Politikerin ihren direkten Ansprechpartner. “Hier steht der Mensch im Vordergrund.”