“Politik kommt einfach nicht gut an” – Ein Bericht über die Schwabenakademie Irsee

Geschrieben von Lisa Bundlechner (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 26. August 2010 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/08/politik-kommt-einfach-nicht-gut-an-ein-bericht-uber-die-schwabenakademie-irsee/>
Abgerufen am 26. November 2020 um 22:17 Uhr

“Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose”, so heißt der Quiltkurs, der im September in der Schwabenakademie Irsee angeboten wird. Das ist nur eines der vielen Seminare und Tagungen, die dort stattfinden und zu denen sich selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus Menschen anmelden.

Das Seminar fällt in die Kategorie künstlerische Bildung. Eine der drei großen thematischen Säulen der Akademie. Die beiden anderen Säulen sind kulturelle und historische Bildung. „Wir sind vor allem auf Kunst und Kultur, also gleichsam auf schöngeistige Themen spezialisiert“, so Dr. Markwart Herzog, Direktor der Einrichtung.

Zu den vielen Seminaren und Tagungen gesellen sich weitere Veranstaltungen der Akademie. Konzerte, Ausstellungen, Buchveröffentlichungen. Der „Irseer Pegasus“, ein Autorentreffen, der „Schwäbische Kunstsommer“ oder auch das große Musikfestival „Klang & Raum“ sind nur einige Beispiele.

Veranstaltungen zu religiösen oder kirchlichen Themen nehmen dabei keinen allzu großen Raum ein, denn trotz der Beheimatung in einem historischen Klostergebäude ist die Schwabenakademie keine Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft. So erklärt Markwart Herzog: „Satzungsgemäß sind wir  zu weltanschaulicher und politischer Neutralität verpflichtet.“

Gleichwohl gibt es bei den Gästen der Akademie eine klare Tendenz: „Der Hauptanteil unserer Besucher hat die Mitte des Lebens schon überschritten und ist weiblich. Ohne Frauen hätten wir schon längst schließen können.“, schmunzelt Markwart Herzog. Klar, dass sich das Programm an die Erwartungen der Stammklientel etwas angepasst hat. So wird sich im Februar nächsten Jahres eine kulturhistorische Tagung der Schwabenakademie Irsee mit der Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland beschäftigen.

Meisterkurs Chor im Schwäbischen Kunstsommer 2010

Und wo bleibt die Politik? Leider weitgehend auf der Strecke. Die vielen jungen Studentinnen und Studenten aus ganz Europa interessieren sich vor allem für künstlerische und persönlichkeitsbildende Seminare. Politisches wird weniger nachgefragt. Allenfalls fachwissenschaftliche historische Projekte zu sehr speziellen Themen kommen gut an. Ein echter Renner, der über die Grenzen Deutschlands hinaus von den Medien ausgiebig beachtet wurde, war eine Tagung über den Fußballsport in der Zeit des Nationalsozialismus, deren Ergebnisse auch als Buchveröffentlichung herausgegeben wurden. In den historischen Angeboten, zum Beispiel einer seit über zwanzig Jahren bestehenden Tagungsreihe zur Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben, klingen immer wieder auch politische Aspekte an. Kommunalpolitik oder aktuelle Geschehnisse bleiben gleichwohl außen vor. Markwart Herzog persönlich findet das sehr schade: „Für mich hat die politische Bildung einen sehr hohen Stellenwert. Diese vor allem an junge Menschen weiter zu vermitteln finde ich wichtig.“

Dennoch werden Veranstaltungen zu solchen Themen, wenn sie denn einmal angeboten werden, kaum gebucht. So brachte ein Tagungsprojekt im Verbund mit einer Ausstellung über die Geschichte der deutschen Gewerkschaften trotz intensiver Werbung Null Anmeldungen. „Wir hatten erstklassige Referenten aus Politik und Wirtschaft gewonnen, darunter einen Bundesminister, und uns auf lebhafte Diskussionen gefreut.“, so Markwart Herzog.

Trotz des ernüchternden Ergebnisses in Sachen politischer Bildung ist die Schwabenakademie Irsee einen Besuch wert. Über das reichhaltige Programm können Sie sich auf der Homepage der Akademie (http://www NULL.schwabenakademie NULL.de/) informieren.