“Die Jugend ist ein wertvolles Gut” – Positive Resonanz aus den Gemeinden im Ostallgäu auf den neuen Baustein der Politischen Bildung Schwaben

Geschrieben von Frauke Ulrike Arlt (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. September 2010 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/09/ostallgaeu-resonanz-auf-neuen-baustein/>
Abgerufen am 15. Dezember 2019 um 17:22 Uhr

(http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2010/01/ein-neues-projekt-der-politischen-bildung-politische-beteiligung-und-mitwirkung-in-der-kommune/marktoberdorf/)Schon einmal haben wir über das neueste Projekt der Politischen Bildung Schwaben berichtet. Aufmerksame Rundbrief-AbonnentInnen werden sich erinnern, dass wir den zukünftigen Baustein (http://www NULL.politische-bildung-schwaben NULL.net/2010/01/ein-neues-projekt-der-politischen-bildung-politische-beteiligung-und-mitwirkung-in-der-kommune/) schon im Rundbrief vom Januar 2010 kurz vorgestellt hatten. Heute wollen wir genauer über das Projekt und den aktuellen Stand informieren.

Das Projekt ist nun so weit entwickelt, dass es am 23. September 2010 in der Bürgermeisterbesprechung des Landkreises Ostallgäu von dem Vorsitzenden des Kreisjugendringes Ostallgäu, Matthias Fack und dem Kreisjugendring Geschäftsführer, Erich Nieberle, vorgestellt werden konnte. Die Resonanz auf diese Vorstellung war sehr positiv und die BürgermeisterInnen zeigten ein großes Interesse an der Thematik. Auch im Ostallgäu wird sich bei gleich bleibender demographischer Entwicklung ab 2030 ein Bevölkerungsanteil von mehr als 40% von über 65-Jährigen in einigen Kommunen herausbilden. Das bedeutet auch, dass die Jugend im ländlichen Raum immer mehr zum „kostbaren Gut“ wird. Jugendliche müssen daher in den Gemeinden zu Partizipation befähigt werden um ihre Wünsche und Bedürfnissen in der Kommune äußern und umsetzen zu können. Bei der Erreichung dieses Ziels will der neue Projektbaustein der Politischen Bildung Schwaben behilflich sein.

„Partizipation besteht aus Teilhabe und Teilnahme. Bei Teilhabe wird Jugendlichen zugestanden, an Prozessen der Meinungsbildung mitzuwirken und bei Entscheidungen mitzubestimmen. Teilnahme ist eine eigenaktive Seite des Prozesses: Jugendliche müssen selbst aktiv werden, um sich die Teilhabe auch anzueignen.“ Claudia Zinser beschreibt so das Verständnis von Partizipation von Jugendlichen. Diesen Grundsatz hat sich auch die Projektgruppe der Politischen Bildung Schwaben zu Eigen gemacht. Die Jugendlichen in den Modellstandorten sollen keine Maßnahme übergestülpt bekommen, sondern durch die Jugendbeauftragten dazu motiviert werden sich selbst und ihre Bedürfnisse in den Gemeinden einzubringen. „Es ist nicht unser Ziel, dass wir den Hund zum Jagen tragen müssen“ erklärt Winfried Dumberger-Babiel vom Bezirksjugendring Schwaben.

Kooperationspartner des Modellbausteins sind die Katholische Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern, der Kreisjugendring Ostallgäu, der Bezirksjugendring Schwaben, die Kommunale Jugendarbeit und die Jugendbeauftragten aus Marktoberdorf und Westendorf. Das Projekt muss auf gleich zwei Zielgruppen zugeschnitten werden. Zum einen sollen die Jugendbeauftragten erreicht werden, zum anderen die Jugendlichen in den Kommunen. Die Jugendbeauftragten sind hier als Multiplikatoren zu sehen. Durch das Kennenlernen von Beteiligungsmethoden können sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen erweitern um die partizipative Arbeit mit den Jugendlichen in den Gemeinden anzugehen. Die Jugendlichen sollen durch die Jugendbeauftragten ihr Interesse an Kommunalpolitik entdecken und so die Potenziale vor Ort ausschöpfen können. Mit Themen, die die Jugendlichen emotional erreichen, kann Demokratie vor Ort praktiziert und erlebbar gemacht werden.

Das Bausteinteam hat bisher in den Modellstandorten eine Analyse der Situation vor Ort durchgeführt und erprobt jetzt verschiedene Beteiligungsformen. Diese Erprobungen werden dokumentiert und daraus ein Baustein entwickelt, den andere Jugendbeauftragte für ihre Gemeinden nutzen können. So soll der Baustein schließlich die partizipativen Fähigkeiten und Möglichkeiten von Jugendlichen ausbauen und die Beteiligungsstrukturen in den Gemeinden verbessern.

Als erster Schritt wurden Methoden gesammelt, mit denen „Jungbürgerversammlungen“ aktuell und ansprechend für die Jugendlichen in den Kommunen gestaltet werden können. Die Jugendbeauftragten werden eine Methodenvielfalt an die Hand bekommen, die es ihnen erleichtert die jungen MitbürgerInnen in ihrer Gemeinde zu erreichen und deren Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Als Beispiele sind an dieser Stelle die „Open-Space-Methode“, das „World-Cafe“ oder der „Markt der Möglichkeiten“ zu nennen.

Durch die aktive und engagierte Mitarbeit von Ursula Bauer-Zasche (Westendorf) und Dr. Andrea Weinhart (Marktoberdorf) entwickelt sich der Modellbaustein stetig weiter.

In Marktoberdorf soll im Moment ein Projekt zur Sozialraumerkundung entstehen. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jugendtreff und der Medienfachberatung Schwaben wollen Jugendliche mit Migrationshintergrund ihre soziale Umwelt erkunden und die Ergebnisse öffentlich darstellen. So können sie „ihre Themen“ in der Stadt Marktoberdorf sichtbar machen und in ihrer Gemeinde aktiv mitgestalten. Zudem ist in Marktoberdorf ein Gleichaltrigenprojekt unter dem Motto „Politikbotschafter“ in Kooperation mit der Don-Bosco-Schule und dem staatlichem Gymnasium geplant.

In Dösingen/ Westendorf begleitet Frau Bauer-Zasche eine Skatergruppe bei dem Versuch eine Lösung für ihr Problem zu finden: Vor Ort gibt es keinen geeigneten Skaterplatz. Außerdem ist ein Fotowettbewerb über die Gemeinde angedacht. Auch hier steht die Medienfachberatung Schwaben der Jugendbeauftragten und den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Sommerferien in Bayern sind vorbei und das Projekt kann „wieder neu Fahrt aufnehmen“. Die Bausteinentwicklung geht somit in die nächste Phase. Es bleibt spannend, wie sich die Dinge in den Modellstandorten weiter entwickeln werden und welche Ideen noch entwickelt werden können um die Jugendlichen für die „Politik in eigener Sache“ zu begeistern. Natürlich werden wir für Sie hier im Rundbrief weiter über den Stand der Dinge berichten.