»Jugendarbeit zu fördern ist eine vornehme kommunale Politikaufgabe.« – Ein Gespräch mit Pater Roman Löschinger

Geschrieben von Lisa Bundlechner (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 27. Oktober 2010 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/10/pater-roman-loeschinger/>
Abgerufen am 22. Juli 2019 um 14:47 Uhr

“Politische Bildung Schwaben? Kenn ich!” Klar, denn Pater Roman Löschinger saß mit am Tisch, als das Projekt 2002 das Licht der Welt erblickte. Heute, acht Jahre später, steht der Prämonstratenser und Direktor des Zentrums für Familie, Umwelt und Kultur in Roggenburg für unseren Rundbrief Rede und Antwort.

„Im Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur bündeln sich kommunale, gesellschaftliche und kirchliche Kräfte in eine zukunftsorientierte Bildungsarbeit.“, so heißt es auf der Homepage der Einrichtung. So besteht der Trägerverbund der Einrichtung aus dem Bezirk Schwaben, dem Landkreis Neu-Ulm, der Gemeinde Roggenburg und schließlich dem Kloster Roggenburg. Gerade durch die Mitträgerschaft der „kommunalen Familie“ ist Kommunalpolitik im Bildungszentrum Roggenburg selbstverständlich immer wieder Thema. Wie nahe sich zum Beispiel Umweltbildung und Kommunalpolitik stehen, erklärt Pater Roman Löschinger am Beispiel Roggenburger Wärmenahverbund. Geleitet von den Ideen des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung entwickelte die Einrichtung ein modellhaftes Konzept. Die auf ein Contracting-Modell basierende Heizanlage des Klosters versorgt mittlerweile elf weitere Partner im Klostergelände mit CO2-neutraler Wärme. Das sind unter anderem die Gemeindeverwaltung, die Volksschule, eine Turnhalle, aber eben auch das Bildungszentrum und das gesamte Klostergebäude. „Bildung hat immer einen erklärenden, informierenden Teil, aber auch einen gesellschaftlich prägenden Teil.“, so Pater Roman Löschinger. Als Direktor des Bildungszentrums sitzt er übrigens auch im Kernteam Umweltbildung Bayern, einer Arbeitsgruppe beim Umweltministerium, die in diesem Jahr etwa die bayernweite Kampagne „WertvollerLeben“ initiierte.

Für ihn ist die politische Bildung etwas sehr bedeutsames. Diese aber auch „knackig und ansprechend zu präsentieren“ sieht er sehr wohl als Schwierigkeit. „Mir gefallen 72 Stunden Aktionen, die ich mit der Katholischen Landjugendbewegung 1997 nach Süddeutschland brachte“, so Roman Löschinger. Sie sind alltagsorientiert, nehmen Lebensräume in den Blick und Jugendliche haben ihren Spaß daran. Ohne es zu merken engagierten sich zum Beispiel bei der landesweiten Aktion „3 Tage Zeit für Helden“ mehrere tausend Jugendliche kommunalpolitisch. Ehrenamtlich ist Pater Roman im Jugendhilfeausschuss und im Kreisjugendring Neu-Ulm tätig: „Da ist es mein Bestreben immer wieder zu verdeutlichen: Jugendarbeit zu fördern, ist eine vornehme Pflichtaufgabe der Kommunen!“

„Politische Bildung ist für uns als Bildungszentrum eine Querschnittsaufgabe. Sie ist nicht immer sofort erkennbar, aber vor allem in den Themen Familie, Umwelt und Kultur ist das Thema Politik immer mit formuliert.“, beschreibt Pater Roman die Politische Bildung in seiner Einrichtung. Was er damit aussagen will, das erläutert er am Beispiel Kulturpolitik. Die Bildungsstätte lädt einmal im Jahr zur „Ferienakademie Kunst“ ein, die regelmäßig immer in der Osterwoche stattfindet. 140 junge Menschen haben dabei die Chance in kleinen Gruppen je einen namhaften Künstler der Kunstszene hautnah zu erleben, mit ihm und von ihm zu lernen. Das ist musische Bildung, wie sie im schulischen Alltag so gar nicht möglich ist. „Diese außerschulische Lernform kann schulische Bildung inspirieren und Lust auf Kunst machen.“, erklärt Pater Roman.

Ist nun alles berichtet? Nein, bei Weitem nicht. Die Ausstellungen und zahlreichen Kursangebote der Bildungsstätte fanden in diesem Artikel noch gar keine Erwähnung. Für Sie Grund genug selber noch einmal nach zu sehen, was das Bildungszentrum alles so zu bieten hat. Auf der Homepage (http://kloster-roggenburg.de/ (http://kloster-roggenburg NULL.de/)) können Sie alles genau nachlesen, sich informieren, und wer weiß, vielleicht sind Sie selbst ja auch bald Gast im Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur.