Sozialraumanalyse als ein wichtiges Hilfsmittel der Jugendhilfeplanung

Geschrieben von Bernd Rickmann (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 28. November 2010 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2010/11/sozialraumanalyse-jugendhilfeplanung/>
Abgerufen am 18. Juni 2019 um 13:53 Uhr

In 2008 wurde im Kontext der Jugendhilfeplanung eine zweite Ausgabe der Sozialraumanalyse für den Landkreis Aichach-Friedberg unter besonderer Berücksichtigung jugendhilferelevanter Fragestellungen vorgelegt. Abgedeckt wurden damit die Jahre 2005 – 2007.

Die beste Betrachtungsebene für die Sozialraumanalyse eines Landkreises ist sicherlich die einzelne Gemeinde. In diesem Verständnis ist sie Arbeitsmittel für Gemeinden, Politik, Administration und Jugendhilfeplanung, um Ressourcen der Kinder- und Jugendhilfe effektiv und präventiv einsetzen zu können. Durch Zeitvergleiche in der Berichterstattung bieten Sozialraumanalysen die Möglichkeit, Entwicklungen aufzuzeigen und eine Analyse des Wandels der Verhältnisse vornehmen zu können. Ferner können Auswirkungen und die Nachhaltigkeit der in der Zwischenzeit ergriffenen und durchgeführten Maßnahmen in diesen Feldern gemessen werden. Dies ist eine zwingende Voraussetzung für eine moderne, innovative und bedarfsgerechte Kinder- und Jugendhilfe mit präventiver Ausrichtung. Die Sozialraumanalyse ist so gesehen ein hilfreiches und wichtiges Instrumentarium zu ihrer Steuerung und der richtigen Setzung von Prioritäten. In diesem Verständnis wurde in den letzten Jahren beispielsweise im Zusammenwirken von Landkreis und Gemeinden sowie mit Hilfe staatlicher Zuwendungen das Angebot der „Jugendsozialarbeit an Schulen“ ausgebaut. Dadurch kann professionelle soziale Arbeit vor Ort in der Schule einzelne Problemlagen viel früher erfassen und begleiten. Des Weiteren war es ein wichtiger Meilenstein, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe für Kinder, Jugendliche und Familien aus dem südlichen Landkreis in einer eigenen Beratungsstelle in der Gemeinde Kissing zusammenzufassen. Nutzen und Wirkung dieser politischen Entscheidung werden im Nachhinein in bemerkenswerter Weise erkennbar, setzt man aktuelle Erkenntnisse der Sozialraumanalyse mit denen der ersten Ausgabe aus dem Jahr 2000 in Bezug.

Zur Qualifizierung der aktuellen Diskussion über „Kinder und Heranwachsende in Armut“ wurden in der zweiten Ausgabe der Soziaraumanalyse aus 2008 mit Hilfe relevanter Indikatoren entsprechende Erkenntnisse für den Landkreis Aichach-Friedberg aufbereitet. Als äußerst zielführend war zudem das Vorgehen, die jeweiligen Schulstandorte in den Mittelpunkt sozialräumlicher Analysen zu stellen. Hierbei wurde eine Analyse der Jugend­hilfefälle in den Grund- und Hauptschulen, den Förderschulen und Haupt­schulen vorgenommen und zum Ende des Schuljahres laufende Jugend­hilfe­maßnahmen hinsichtlich der von den jeweiligen Kindern und Jugendlichen be­suchten Schule erfasst. Dabei gewonnene Erkenntnisse waren schließlich fachliche Grundlage für Entscheidungen den weiteren Ausbau „Jugendsozialarbeit an Schulen“ betreffend. Diese Beispiele belegen, dass das Grundkonzept der Sozialraumanalyse, nämlich die lebensweltbezogene Darstellung sozial relevanter Indikatoren, unter Berücksichtigung aktueller Fragestellungen und Blickwinkel weiterentwickelt werden kann. In diesem Verständnis ist die Sozialraumanalyse ein wichtiges Hilfsmittel der Jugendhilfeplanung im Landkreis Aichach-Friedberg.