Politische Bildung an schwäbischen Volkshochschulen? Ein Selbstversuch.

Geschrieben von Frauke Ulrike Arlt, fachliche Unterstützung: Gerhard Kral (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 26. Februar 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/02/politische-bildung-an-schwaebischen-volkshochschulen-ein-selbstversuch/>
Abgerufen am 19. September 2019 um 09:22 Uhr

Wie ist der Stand der Politischen Bildung an den schwäbischen Volkshochschulen? Dieser Frage ging ich als Autorin des Projektteams „Politischen Bildung Schwaben“ nach. Zuerst war ich guten Mutes. Legen doch die gesetzlichen Bestimmungen die Politische Bildung explizit auch in den Fokus der Erwachsenenbildung durch die Volkshochschulen.

So heißt es im „Bayerischen Gesetz zur Förderung der Erwachsenenbildung“ von 1974 (zuletzt geändert 2006): „[…] ihr Bildungsangebot erstreckt sich auf persönliche, gesellschaftliche, politische und persönliche Bereiche“. Des Weiteren heißt es: „[Erwachsenenbildung] fördert die Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, führt zum Abbau von Vorurteilen und befähigt zu einem besseren Verständnis gesellschaftlicher und politischer Vorgänge als Voraussetzung eigenen verantwortungsbewussten Handelns“.

Da Volkshochschulen nach diesem Gesetz Träger der Erwachsenenbildung sind, muss man doch davon ausgehen, dass sie auch ausreichend Angebote zur Politischen Bildung offerieren. So dachte ich zumindest. Bei meinen weiteren Recherchen stieß ich auf Ausführungen zur Lage der Politischen Bildung an Volkshochschulen in der Bundesrepublik. Der Bericht „Monitor politische Bildung“ von Dirk Lange (herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung) stellt fest, dass im Jahre 2006 der Anteil der Angebote zur Politischen Bildung – gemessen am Gesamtangebot der bayerischen Volkshochschulen – gering war. Im Bereich Politik-Gesellschaft-Kultur lagen rund 19% aller Angebote an Volkshochschulen. Diese Zahl scheint zuerst hoch, ist aber zu revidieren. Es ergibt sich die Schwierigkeit, dass die zugrunde liegende Statistik des DIE (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung) nur Auskunft über die Programmbereiche gibt. Das Thema Politik fällt in den Programmbereich Politik-Gesellschaft-Kultur. Damit lassen sich keine differenzierten Aussagen speziell zu Angeboten Politischer Bildung aus diesen Statistiken gewinnen. Denn auch Kurse zur Selbstwahrnehmung, zur Kindererziehung und vieles mehr, finden sich in diesem Programmbereich. Pro 1.000 Einwohner konnten die bayerischen Volkshochschulen nach Langes Angaben etwas mehr als eine Veranstaltung mit dem „Schwerpunkt Politik“ aufweisen. Auch Klaus Peter Hufer bestätigt die Annahme, dass es um die Politischen Bildung in den deutschen Volkshochschulen nicht sehr gut bestellt ist: Im Jahr 2004 waren nur in 300 von 998 Volkshochschulen der Bundesrepublik Angebote zur Politischen Bildung nachweisbar.

Um ein Gefühl für die Angebote Politischer Bildung an den schwäbischen Volkshochschulen zu entwickeln, konsultierte ich die Internetauftritte der Einrichtungen. Im Selbstversuch bemühte ich mich, Kurse zu finden, die sich mit meinem Verständnis politischer Bildung decken. Denn auch die Definition von Politischer Bildung ist im Bereich der Erwachsenenbildung nicht trennscharf von anderen Themen abzugrenzen. Also suchte ich nach Kursen, die im weitesten Sinne einen Beitrag zur Erweiterung des Demokratieverständnisses beitragen können.

Gefunden habe ich Angebote zu Steuerrecht und interkulturellem Austausch, wenige Kurse zur Europäischen Geschichte und eine Vielzahl an Einbürgerungstests und den Vorbereitungskursen auf selbige. Von achtzehn aufgerufenen Volkshochschulen boten  zwei Kurse an, die für mich in den engeren Bereich der Politischen Bildung fallen: Staatskunde über dieses Land, in dem die Menschen leben und arbeiten, und eine Veranstaltung zu Globalisierung und deren politischen Akteuren.

Verglichen mit der Vielzahl von Kursen, die auf Esoterik und andere Dinge der persönlichen Lebensführung abzielen, hat mich dieses Ergebnis sehr enttäuscht. Sicher mögen sich die LeserInnen nun fragen, ob meine Recherche nicht viel zu eindimensional gewesen sei. Diese Frage kann ich rundheraus mit „ja“ beantworten. Aber Sinn dieses Selbstversuches war es, dass ich den Weg gehe, den auch InteressentInnen in meiner Altersklasse für mögliche Kurse gehen würden. Und zumindest durch den Zugangsweg im Internet kann die Suche nach einem Angebot Politischer Bildung an schwäbischen Volkshochschulen als erfolglos gewertet werden.

Dies macht deutlich, dass es nun an der Zeit ist bei den schwäbischen Volkshochschulen genauer nachzufragen und die Recherche zu vertiefen. Falls die Ergebnisse dann immer noch so ernüchternd sein sollten, dann ist es vielleicht soweit in diesem Sektor der Bildung noch einmal genauer hinzusehen und die Kursplanung anzupassen. Denn auch Hufer beschreibt schon, dass die Menge der an politischen Angeboten Interessierten durchaus nicht gering ist. Und nicht nur aus politischer Verpflichtung, sondern auch aus Eigeninteresse an einer Erweiterung und Vielfalt des Kursprogramms sollten Volkshochschulen sich der Politischen Bildung annehmen.

Immerhin könnte ganz aktuell eine entscheidende Weichenstellung in Schwaben gelingen: aufgrund der Aufgeschlossenheit des Leiters der VHS Kempten, Peter Roth, kann die Projektteamleitung mit ihm zurzeit sehr Erfolg verheißende Verhandlungen führen mit dem Ziel, ein Modellprojekt im Rahmen des Bürgerschaftlichen Engagements und/oder analog des Bausteins „Bezirk Schwaben erleben“ für und mit der Zielgruppe „40 +“ auf die Beine zu stellen. Wer weiß, vielleicht entsteht daraus sehr bald – ähnlich wie bei „Politische Bildung und Mitwirkung in der Kommune“, des Methodeneinsatzes für die Jugendbeauftragten im Kreis Ostallgäu – ein übertragbares, gut praktikables Muster für andere VHS in Schwaben.

Dennoch, gerade auch wegen meiner erfolglosen Suche bin ich besonders daran interessiert, den Diskurs mit Ihnen, liebe LeserInnen, aufzunehmen und mich gerne auch eines Besseren belehren zu lassen. Sicher ist, dass ich an dem Thema dran bleiben werde und Sie an dieser Stelle hoffentlich bald ein positiveres Resümee über die Politischen Bildung an schwäbischen Volkshochschulen finden werden.