Partizipation gibt es nicht zum Nulltarif – Die Fachtagung 2011 im Bezirk Mittelfranken

Geschrieben von Frauke Ulrike Arlt (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 29. März 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/03/bezirk-mittelfranken-fachtagung-2011/>
Abgerufen am 19. September 2019 um 09:21 Uhr

Ansbach – “Partizipation von Kindern und Jugendlichen als politische Herausforderung und Zukunftsaufgabe” unter diesem Titel fand am 26. Februar 2011 die diesjährige Fachtagung des Bezirks Mittelfranken statt. Veranstalter der Fachtagung waren der Bezirk Mittelfranken und der Bezirksjugendring Mittelfranken. Geladen waren alle Interessierten aus dem Umfeld von Politik und Jugendarbeit im Bezirk Mittelfranken und darüber hinaus. Gekommen sind über 60 TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen Bereichen der Jugendarbeit und der Politik.

Die Relevanz der Thematik betonten die Veranstalter in der Begrüßung am Morgen: In seinen Grußworten sprach Bezirkstagspräsident Richard Bartsch über die Bedeutung von Partizipation: „Mitmachen zu können, das ist ganz wichtig. Das braucht jeder von uns, dieses Bewusstsein, dass man sich einbringen kann“. Bertram Höfer stellte mit einem erfreuten Blick auf den bis zum letzten Platz gefüllten Sitzungssaal des Bezirksrathauses fest: „Wie wichtig das Thema Partizipation ist, das sieht man daran, dass Sie heute alle hier sind“. Auch wenn Augsburg und Ansbach weit auseinander zu liegen scheinen: Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das nicht nur im 130 Kilometer entfernten Ansbach eine Rolle spielt. Alle, die in der politischen Bildung und der Jugendarbeit tätig sind, wollen Jugendliche dazu ermutigen sich an „ihrem“ Gemeinwesen zu beteiligen und die Kultur des Miteinanders zu leben. Hier können die verschiedensten Einrichtungen und Kommunen voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Es gibt in Bayern und auch im Rest der Bundesrepublik schon viele gelungene Modelle der Beteiligung. Diese Erfahrungen können wir in guten Netzwerken nutzen, um wirklich etwas zu bewegen. Zudem muss eine engagierte Kommunalpolitik wissen, was „ihre Jugendlichen“ brauchen, was sie bewegt, warum sie so „politikverdrossen“ scheinen, wie man ihnen den Mut und die Sicherheit geben, kann sich an der Politik und der Gestaltung in ihrer Gemeinde zu beteiligen.

All diesen Fragen widmete sich das ausgewogene Programm der Fachtagung. Vormittags boten VertreterInnen aus Wissenschaft und politischer Praxis ihr Wissen an, in dem sie Referate hielten, die verschiedene Sichtweisen auf die Beteiligung von Jugendlichen darlegten. Durch die Ausstattung des Sitzungssaales war es auch in solch einem großen Plenum für die TeilnehmerInnen möglich nachzufragen und sich zu Wort zu melden. Nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Moderation und Gestaltung war das Programm der Tagung also auf das Mitmachen ausgelegt. Dieser „Mitmachfaktor“ wurde besonders in den nachmittäglichen Workshops noch weiter vertieft. In jeweils zwei frei wählbaren Arbeitsgruppen wurden den TeilnehmerInnen erprobte Beteiligungsformen vorgestellt. So stellten auch zwei Vertreterinnen des Jugendrates der Stadt Ansbach ihr Gremium vor. Unterstützt wurden sie durch Julian Weiß, den ehemaligen FSJ-Leistenden und Ulrike Arlt vom Projekt „Politischen Bildung Schwaben“, die theoretische Grundlagen zu Jugendparlamenten und Jugendräten im Allgemeinen und in der Stadt Ansbach im Besonderen präsentierten. Das selbstbewusste Auftreten der beiden jungen Damen machte auf die WokshopteilnehmerInnen großen Eindruck. „Man sieht richtig, wie viel Engagement da drin steckt. Das ist beeindruckend.“ meldete eine Teilnehmerin den Mitgliedern des Jugendrates zurück.

Unter den Präsentationen am Vormittag war der Beitrag des Weyarner Bürgermeisters Michael Pelzer besonders mitreißend. In seiner Gemeinde wird seit Langem ein ganzheitliches Modell von Partizipation gelebt. Koordiniert durch ein „Mitmach-Amt“ haben alle EinwohnerInnen die Möglichkeit sich für „ihre“ Gemeinde Weyarn (http://www NULL.weyarn NULL.de/aktiv NULL.htm)zu engagieren. Die Beteiligung ist ein Prozess, der BürgerInnen auf allen kommunalen Handlungsfeldern mit einbezieht. Diese enge Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und engagierten BürgerInnen schafft ein Klima, in dem Partizipation etwas Selbstverständliches ist. Dies beginnt schon bei den ganz kleinen EinwohnerInnen. „Du musst ihnen bloß zuhören, um zu begreifen, was sie eigentlich wollen und brauchen“ sagt Michael Pelzer. Man kann Kinder und Jugendliche nicht in die Partizipation ziehen, wenn man nicht bereit ist, auch ihren Wünschen und Hoffnungen Gehör zu verschaffen.

Partizipation für „schöne Pressefotos“ – das wird auf Dauer nicht funktionieren. Partizipation von Kindern und Jugendlichen fordert ein Umdenken in (zum Teil) eingefahrenen Strukturen von Politik und Verwaltung, aber auch finanzielle Ausstattung. „Partizipation gibt es nicht zum Nulltarif“. Diese Aussage kann als Fazit der Fachtagung 2011 in Ansbach gelten.

Falls nun Ihr Interesse geweckt worden sein sollte. Weitere Informationen und eine Dokumentation der Fachtagung sind online (http://www NULL.bezirksjugendring-mittelfranken NULL.de/?BEITRAG_ID=1775&P_ID=2&NAV_ID=363&UNAV_ID=0) zu finden