Hans-Josef Fell macht Mut für die Energiewende

Geschrieben von Martin Hurter (Netzwerk Politische Bildung Schwaben)
Veröffentlicht am 30. Mai 2011 unter <https://www.politische-bildung-schwaben.net/2011/05/hans-josef-fell-energiewende/>
Abgerufen am 18. Juni 2019 um 13:49 Uhr
Hans-Josef Fell 2009 beim Wahlkampf in Memmingen

Der Bezirksjugendring Schwaben hatte sich den Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell als Referent zum Thema „Wohin geht die Energiereise?“ zu seiner Ausschuss-Sitzung in die Jugendbildungsstätte Babenhausen eingeladen. Der ehemalige Physiklehrer brachte mit allerhand Zahlen etwas Licht in die Frage, ob in Deutschland bald selbige ausgehen – Dabei schnitten die erneuerbaren Energien im Vergleich zu Kohle- und Kernkraft erstaunlich gut ab.

Als sich der Bezirksjugendring dem Thema zuwandte, hätte man bei dem Schlagwort „Fukushima“ noch fragende Blicke geerntet. Zwar ist der Autor des rot-grünen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) seit dem Unglück noch gefragter als sonst, doch mit der Kernkraft hielt er sich bei seinem Vortrag nicht lange auf. Er hat das Ziel 100 % erneuerbare Energien fest im Blick. Die Kernkraft deckt weltweit gerade einmal 2 % des Energiebedarfs. „Das ist ganz einfach.“

Viel anspruchsvoller sei die Abkehr von fossilen Energieträgern, wie Kohle, Öl und Gas. Aber auch das ist weltweit bis 2030 machbar, beruft sich Fell auf Forschungsergebnisse der Universität Stanford. Die nötigen Investitionen, die auf 100.000 Mrd. US-Dollar geschätzt werden, klingen gewaltig. Doch diesen stellt Hans-Josef Fell die Kosten für fossile Energieträger gegenüber und die werden sich im selben Zeitraum etwa auf das Doppelte belaufen. Bei Investitionen in Erneuerbare Energien muss man darüber hinaus sehen, dass das Geld nicht für Rohstoffe an autoritäre Regime und als Gewinne an die vier großen Energiekonzerne fließt, sondern an die Hausbesitzer, Handwerker und Kommunen. Das schlägt sich in den Arbeitsmarktzahlen nieder:  Während die Arbeitsplätze im Bereich der Atomindustrie leicht rückläufig bei 30.000 stagnieren, verzehnfachten sich die Arbeitplätze durch erneuerbare Energien seit Einführung des EEGs auf 370.000 und werden bis 2020 voraussichtlich die halbe Million erreichen.

Auch die Mär der ernerbaren Energien als Preistreiber konnte Hans-Josef Fell widerlegen. So steht der Umlage in Höhe von 8,2 Mrd. Euro (2010) eine fast doppelt so hohe Einsparung von Kosten durch die erneuerbaren Energien (15,4 Mrd. Euro in 2010) gegenüber. Gleichzeitig verdoppelten sich jedoch die Gewinne der großen Energiekonzerne innerhalb von wenigen Jahren; was diese nicht davon abhielt, mit Verweis auf die erneuerbaren Energien die Preise zu erhöhen.

Neben der Frage des Geldes stehen aber auch die Bilder der BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und eine Studie der Bundeswehr, die zunehmend Kriege und Hungersnöte im Zusammenhang mit knapper werdenden Rohstoffen erwartet. Angesichts der Häufung von Waldbränden, Dürren und Überschwemmungen bei der bisherigen Erderwärmung will sich Hans-Josef Fell auch mit der Begrenzung auf eine 2°C-Erwärmung nicht zufrieden geben. Er wirbt dafür die Atmosphäre abzukühlen, indem man CO2 durch Aufforstung und Humusaufbau bindet. Positiver Nebeneffekt wäre, dass dadurch auch mehr landwirtschaftlich nutzbare Fläche für “Tank und Teller” zur Verfügung stehen.

Um die Energieversorgung zu 100% aus erneuerbaren Energien decken zu können, setzt Hans-Josef Fell auf Dämmung, Effizienzsteigerung und einen weiteren Ausbau der verschiedenen Energieerzeugungsformen. Als leuchtendes Beispiel für den Ausbau der erneuerbaren Energien lobt er die vielen Genossenschaftsprojekte, bei denen nicht nur Bürgerbeteiligung und dadurch auch die Akzeptanz der Anlagen in der Bevölkerung höher seien, sondern auch der finanzielle Gewinn vor Ort bleibe. Bei der Windkraft habe Bayern sogar noch bundesweit das größte Potential, aber auch Fotovoltaikanlagen produzieren seit vergangenem Jahr billiger als Kernkraftwerke. Der bunte Mix aus Fotovoltaik, Solarthermie, Windkraft, Laufwasserkraft, Gezeitenkraft, Geothermie, Biomasse, Biogas – untereinander und international (zum Beispiel den großen Pumpspeichern in Norwegen) vernetzt – biete auch eine gute Basis um immer genau dann Energie zu haben, wenn sie gebraucht wird.

Ob die Energiewende tatsächlich so schnell geschehen wird, wie es möglich wäre, werden wir sehen. Auf Unterstützung von Großkonzernen sollte man dabei nicht vertrauen. Denn von den 16 größten Konzernen machen neun ihr Geld mit dem Handel von fossilen Energieträgern und weitere sechs mit der für der Nutzung nötigen Technik (Stand 2008). Es wird kaum in deren Interesse liegen, diesen Markt überflüssig zu machen; auch wenn es mittelfristig unweigerlich dazu kommen wird. Entscheidend wird der Erfolg der Energiewende also von dem Engagement der Zivilgesellschaft und jedem einzelnen Konsumenten abhängen. Wie diese ihre Macht als Verbraucher nutzen und zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln (http://www.atomausstieg-selber-machen.de/ (http://www NULL.atomausstieg-selber-machen NULL.de/)), selbst in Bürger-Energie-Genossenschaften aktiv werden und nicht zuletzt politisch Druck machen, wird das Tempo bestimmen. Vielleicht wird es Hans-Josef Fell dann wie bei seinem Erneuerbaren-Energien-Gesetz gehen und die Realität übertrifft seine ambitionierten Ziele sogar. Traurig wäre er sicher nicht darüber.